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Spanien führt "Bad Banks" für Immobilienkredite ein

Bankenreform soll Vertrauen schaffen

Vorbei: Von Spaniens Bauboom sind viele faule Kredite übriggeblieben (picture alliance / dpa/Alexander Rüsche)
Vorbei: Von Spaniens Bauboom sind viele faule Kredite übriggeblieben (picture alliance / dpa/Alexander Rüsche)

Spaniens Regierung hat die Banken des Landes dazu verpflichtet, Auffanggesellschaften für ihre faulen Immobilienkredite zu gründen. Im Rahmen einer Bankenreform müssen die Geldinstitute zur Risikovorsorge auch weitere 30 Milliarden Euro zurücklegen.

Nach dem neuen Gesetz sollen Auffang- oder Abwicklungsgesellschaften, auch "Bad Banks" genannt, Wohnungen und Häuser verkaufen, die den Banken nach Kreditausfällen übertragen wurden. Seit der spanische Bauboom 2007 von einer dramatischen Immobilienkrise abgelöst wurde, ist der Wert von Wohnungen und Häusern rapide gefallen. Gleichzeitig können viele Unternehmen und Immobilienbesitzer infolge der Wirtschaftskrise Kredite und Hypotheken nicht abzahlen. Das Gesamtvolumen der Immobilienkredite im Land liegt nach Angaben der Regierung bei 320 Milliarden Euro. Davon sollen mehr als die Hälfte in Papieren stecken, die nicht mehr bedient werden können oder deren Rückzahlung ungewiss ist.

Das Kabinett in Madrid beschloss zudem, dass alle Banken innerhalb von vier Wochen Sanierungskonzepte vorlegen müssen. Das Maßnahmenpacket soll das Vertrauen in den Sektor wiederherstellen und läutet die zweite Reform des spanischen Bankensektors in diesem Jahr ein. Bereits im Februar wurden die Geldinstitute verpflichtet, problematische Immobilienkredite mit Rücklagen in Höhe von 54 Milliarden Euro abzusichern. Nun sollen sie das Kapitalpolster um weitere 30 Milliarden Euro erhöhen.

Die Regierung von Ministerpräsident Mariano Rajoy kämpft mit hoher Arbeitslosigkeit, wachsender Verschuldung und einer Bankenkrise. Sie teilverstaatlichte am Donnerstag die Bankia, die viertgrößte Bank im Land. Finanzminister Luis de Guindos erklärte, Institute könnten im Rahmen der Reform für die zusätzliche Risikovorsorge Gelder aus dem staatlichen Bankenrettungsfonds bekommen. Sie müssten dafür allerdings Zinsen in Höhe von zehn Prozent zahlen. "Von einer Hilfe für die Banken mit Steuergeldern kann daher keine Rede sein", sagte de Guindos. Angesichts des hohen Haushaltsdefizits hat Madrid staatliche Hilfen für Geldinstitute bisher abgelehnt.

Befürchtungen, Spanien könne sich unter den europäischen ESM-Rettungsschirm flüchten, sind nach Ansicht der Deutschen Handelskammer in Madrid unbegründet. "Das Finanzystem in Spanien ist zurzeit nicht so schwach, dass es den Rettungsschirm braucht," sagte der Präsident der Kammer, Carsten Moser, dem Deutschlandradio Kultur. "Die Lage der spanischen Banken ist zwar ernst, aber nicht hoffnungslos." Er rechne damit, dass sich das Land nach den notwendigen Reformen und Korrekturen wieder erholen werde, sagte Moser. "Wir dürfen nicht vergessen, dass Spanien 35 Jahre lang immer das Musterland Europas gewesen ist."

Mehr zum Thema im Deutschlandradio:
Ökonom Clemens Fuest über Strategien gegen die Krise in Spanien und anderen Ländern
Finanzexperte Hans-Peter Burghof zu den Vorschlägen für einen "Marshall-Plan" für Europa
Über den Sparkurs im spanischen Bildungssektor

 

Letzte Änderung: 02.10.2013 13:52 Uhr

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