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Spaniens Bonität knapp über Ramschniveau

Ratingagentur senkt Kreditwürdigkeit um drei Stufen

Rückseite der spanischen 1-Euro-Münze (dpa / Jens Büttner)
Rückseite der spanischen 1-Euro-Münze (dpa / Jens Büttner)

Die fünftgrößte Volkswirtschaft in Europa rutscht immer tiefer in die Krise. Maroder Bankensektor, schwere Rezession, hohes Staatsdefizit - und nun senkt auch noch eine weitere Ratingagentur die Kreditwürdigkeit Spaniens.

Spanien hat gemessen an der Wirtschaftsleistung weniger Schulden als Deutschland. Die Zahlungsfähigkeit beider europäischen Länder bewerten US-Ratingagenturen aber gravierend unterschiedlich. Die Bonitätsnoten sind ein wichtiger Richtwert für die Zinssätze von Staatsanleihen, also wie teuer neue Kredite sind. Während die Bundesrepublik mit "AAA" glänzt und zum Nulltarif neues Geld bekommt, leidet Spanien immer stärker unter der Last seiner Wirtschaftskrise. Angesichts der Unterschiede sprach sich der Ökonom Georg Milbradt im Deutschlandfunk für eine Eurozone mit weniger Mitgliedern aus.

Maroder Bankensektor

Spaniens Ministerpräsident Mariano Rajoy (picture alliance / dpa / Susanna Saez)Spaniens Ministerpräsident Mariano Rajoy (picture alliance / dpa / Susanna Saez)Nun hat die Ratingagentur Fitch die Bonität des spanischen Staates um gleich drei Stufen gesenkt - von "A" auf "BBB", also von einer sicheren auf eine durchschnittlich gute Anlage. Das sind zwei Stufen über Ramschniveau. Die Aussichten sind laut Fitch negativ: Es drohen weitere Herabstufungen. Als Hauptgrund für die Absenkung nannte die Ratingagentur die hohen Kosten von bis zu 100 Milliarden Euro, die Spanien wahrscheinlich benötigt, um seinen maroden Bankensektor aus der Finanzkrise zu führen. Diese Summe hatte ein Parteifreund von Ministerpräsident Mariano Rajoy bereits genannt.

Der Internationale Währungsfonds (IWF) kalkuliert für den Sanierungsbedarf der Banken mit weniger als 50 Milliarden Euro. Das berichtet "Welt Online" unter Berufung auf einen IWF-Report, der am Montag veröffentlicht werden soll. Vor allem eine Vielzahl "fauler" Immobilienkredite hat die spanische Bankenbranche in die Krise gestürzt.

Ein weiterer Grund ist die schrumpfende Wirtschaftsleistung. Die EU-Kommission schätzt sie in diesem Jahr auf minus 1,3 Prozent, im nächsten minus 0,3 Prozent. Fitch hatte sich lange Zeit gelassen, die Bonität Spaniens neu zu bewerten. Ratingkonkurrent Standard & Poor's hatte bereits im April die Kreditwürdigkeit von "A" auf "BBB+" gesenkt. Am Anleihemarkt schreckten diese Noten Investoren kaum zurück: Bei einer Auktion von Staatspapieren sammelte Spanien knapp 2,1 Milliarden Euro ein - allerdings mit höheren Zinsen als zuletzt.

Eurogruppe will helfen

Der amtierende EU-Ratsvorsitzende und Ministerpräsident von Luxemburg, Jean-Claude Juncker (AP)Eurogruppen-Chef Jean-Claude Juncker (AP)Sollten sich die Probleme weiter verschärfen, will die Eurozone Spanien nicht hängen lassen. "Falls Spanien Hilfe braucht, wird es Unterstützung erhalten", sagte Eurogruppenchef Jean-Claude Juncker. Der spanische Bankensektor stehe "unter Stress". Da Madrid bisher keinen Antrag auf Hilfen aus dem Rettungsfonds ESFS gestellt habe, sei es zu früh, über Zeitpläne und Summen zu spekulieren. Dieser Antrag soll laut der Nachrichtenagentur Reuters morgen gestellt werden.

Der Ökonom und frühere sächsische Ministerpräsident Georg Milbradt kritisierte im Deutschlandfunk, "die spanische Regierung weigert sich bis zur Stunde, die notwendigen Maßnahmen durchzuführen". Die Löhne und Preise seien "ungefähr um 20 Prozent zu hoch", sagte Milbradt. Es spreche "alles dafür, wenn man das Projekt Euro mit Erfolg weiterführen will, es auf eine kleinere Gruppe zu reduzieren".

Ministerpräsident Rajoy gab sich unbeeindruckt ob der schlechteren Bonität und will vorerst auch keine Anträge auf Hilfen stellen. Denn dann müsste Madrid noch schärfere Sparmaßnahmen durchziehen. Die Regierung wolle abwarten, bis Gutachten des IWF und der Wirtschaftsprüfer zur Lage des spanischen Bankensektors bis Ende Juni vorliegen. Finanzminister Cristóbal Montoro hatte Anfang der Woche erstmals offen eingeräumt, dass "die Tür zu den Märkten für Spanien nicht offen ist". Das heizte Spekulationen weiter an, Spanien müsse nach Irland, Portugal und Griechenland ebenfalls unter den europäischen Rettungsschirm flüchten.

Welchen Weg Madrid gehen will, könnte beim nächsten Treffen der Eurozone am 20. Juni offenbart werden.

 

Letzte Änderung: 02.10.2013 13:53 Uhr

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