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SPD hängt CDU in Mecklenburg-Vorpommern ab

Grüne erstmals im Landtag, FDP draußen, NPD wieder drin

Erwin Sellering jubelt in Schwerin nach der Bekanntgabe der ersten Prognosen. (picture alliance / dpa / Jens Büttner)
Erwin Sellering jubelt in Schwerin nach der Bekanntgabe der ersten Prognosen. (picture alliance / dpa / Jens Büttner)

Die regierende SPD hat laut Hochrechnung von Infratest dimap die Wahl in Mecklenburg-Vorpommern klar gewonnen. Während die Union ihr schlechtestes Ergebnis überhaupt einfuhr, konnte sich die Linke verbessern. Die Grünen ziehen zum ersten Mal in den Schweriner Landtag ein, die FDP muss ihn räumen. Die rechtsextreme NPD landete erneut über der Fünf-Prozent-Hürde.

Hochrechnung des Wahlergebnisses (Quelle: Infratest dimap, 21:40 Uhr)
SPD 35,6 Prozent
CDU 23,2 Prozent
Linke 18,3 Prozent
Grüne 8,4 Prozent
NPD 6,0 Prozent
FDP 2,8 Prozent
Wahlbeteiligung: 52,0 Prozent

Wahlergebnis von 2006 (Quelle: Landeswahlleiter)
SPD 30,2 Prozent
CDU 28,8 Prozent
PDS (jetzt Linke) 16,8 Prozent
Grüne 3,4 Prozent
NPD 7,3 Prozent
FDP 9,6 Prozent
Wahlbeteiligung: 59,1 Prozent

Strahlender Sieger Sellering

Mit starken Zuwächsen hat die SPD den bisher fast gleichwertigen Koalitionspartner CDU abgehängt. Regierungschef Erwin Sellering ist der strahlende Sieger der Landtagswahl und kann sich aussuchen, mit wem er in Zukunft koalieren will. Die Koalitionsfrage offen zu halten, sei die richtige Strategie Sellerings gewesen, analysierte der Bonner Politologe Frank Decker im Deutschlandfunk den Wahlerfolg der SPD. Auch am Wahlabend wollte Sellering sich nicht auf eine Koalition festlegen. Neben einer Fortsetzung von Rot-Schwarz ist auch ein Wechsel zu Rot-Rot möglich. In dieser Konstellation hatte sein Amtsvorgänger Harald Ringstorff (SPD) zwei Legislaturperioden von 1998 bis 2006 regiert.

Lorenz Caffier bei der Stimmabgabe (picture alliance / dpa / Peer Grimm)Lorenz Caffier (CDU) ist einer der großen Verlierer der Wahl. (picture alliance / dpa / Peer Grimm)

C wie Zweiter

Der Union hat ihre Zeit als Juniorpartner der Großen Koalition nicht gutgetan. Die CDU erreichte ihr bisher schlechtestes Ergebnis im Nordosten. Ihren belächelten Wahlkampf-Slogan "C wie Zukunft" könnte sie nun ehrlicherweise in "C wie Zweiter" umtexten. Weil die siegreiche SPD sich nicht auf eine Fortsetzung von Rot-Schwarz festlegen will, ist der glücklose Spitzenkandidat Lorenz Caffier sein Innenministeramt vielleicht bald los.

Der Wahlausgang in Mecklenburg-Vorpommern ist ein Denkzettel für die Bundeskanzlerin , meinte Frank Capellan aus dem Deutschlandradio Hauptstadtstudio im Deutschlandradio Kultur. Die CDU werde im Bund nach dieser Schlappe nicht ohne Weiteres zur Tagesordnung übergehen können.

Silke Gajek besucht in Schwerin die Wahlparty der Grünen. (picture alliance / dpa / Angelika Warmuth)Die Spitzenkandidatin Silke Gajek trifft zur grünen Wahlparty ein. (picture alliance / dpa / Angelika Warmuth)

Grüne Premiere in Schwerin - Liberaler Absturz

Nach fünf erfolglosen Anläufen seit der Wiedervereinigung hat Bündnis 90/Die Grünen es nun endlich in den Schweriner Landtag geschafft. Die Fünf-Pozent-Hürde war im gegenwärtigen Hoch der Ökologie-Partei kein Hindernis mehr, das Ergebnis von 2006 wurde mehr als verdoppelt. Damit gibt es jetzt in allen 16 Länderparlamenten der Republik eine grüne Fraktion.

Die FDP hat zwei Drittel ihres Anteils eingebüßt und wird im nächsten Schweriner Landtag nicht mehr vertreten sein. Zusätzlich zur Westerwelle-Debatte und der bangen Frage, ob der neue Vorsitzende Philipp Rösler die Bundespartei wieder auf Kurs bringen wird, gerät die Partei auf Länderebene in große Bedrängnis: Nach Sachsen-Anhalt, Rheinland-Pfalz und Bremen müssen die Liberalen im Wahljahr 2011 im Nordosten bereits das vierte Länderparlament räumen.

Helmut Holter gibt in Schwerin seinen Stimme ab. (picture alliance / dpa / Angelika Warmuth)Helmut Holter würde gerne mit der SPD regieren. (picture alliance / dpa / Angelika Warmuth)

Linke trotzt Krise im Bund

Die Linke konnte ihren Stimmenanteil verbessern, obwohl die Führungskrise der Bundespartei den Wahlkampf im Land überschattete, und blickt mit Spannung auf die rot-roten Sondierungsgespräche. Der Spitzenkandidat Helmut Holter ist den Bürgern als Landesminister für Arbeit und Bauen aus acht Jahren Koalition mit der SPD gut bekannt. Er könnte bald wieder in der Regierung mitmischen, sollte Sellering die Große Koalition beenden und stattdessen mit der Linken regieren.

Rechtsextreme wieder im Parlament

Die rechtsextreme NPD hat es zum zweiten Mal nach 2006 geschafft, in den Schweriner Landtag einzuziehen, obwohl es im Vorfeld der Wahl starke Anstrengungen gegeben hatte, den Wiedereinzug zu verhindern. Besonders aktiv waren die Jusos mit ihrer satirischen Aktion "Storch Heinar", die landesweit neben Plakaten der NPD ihre Kampagne platzierte.

Nachwahl ohne Auswirkungen

Die Nachwahl für den Landtag im Wahlkreis auf Rügen in zwei Wochen wird die Sitzverteilung im Parlament kaum noch beeinflussen können. Die Landtagswahl musste im Wahlkreis 33 (Rügen I) auf den 18. September verschoben werden, weil ein CDU-Kandidat verstorben war. Das amtliche Endergebnis wird erst nach diesem Wahlgang feststehen.

Mehr zur Landtagswahl auf dradio.de:
Ohne Sensationen oder Überraschungen Mecklenburg-Vorpommern vor der Landtagswahl (Hintergrund, DLF)
Klare Trends für Mecklenburg-Vorpommern (Länderreport, DKultur)
Aufgerüstet für Schwerin - Die Grünen wollen in den Landtag
"Was machen Sie in Schwerin?" - Reinhard Bütikofers Arbeit für die Landtagswahl in Mecklenburg-Vorpommern
Rechtsradikal im Nadelstreifenanzug - Die NPD in Mecklenburg-Vorpommern
"In manchen Regionen sieht man kaum andere Wahlplakate" - Andreas Willisch über die Strategien der NPD und die Wahlen in Mecklenburg-Vorpommern

Sammelportal Landtagswahlen 2011

 

Letzte Änderung: 02.10.2013 13:44 Uhr

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