Aktuell-Archiv des früheren dradio.de-Auftritts / Archiv /

 

SPD-Politiker begrüßen Parteiausschlussverfahren gegen Sarrazin

Berliner Kreisverband stellt sich gegen Bundesbank-Vorstandsmitglied

Nach der Bundesbank hat sich nun auch die SPD gegen Thilo Sarrazin gestellt. (AP)
Nach der Bundesbank hat sich nun auch die SPD gegen Thilo Sarrazin gestellt. (AP)

Nachdem der Vorstand der Bundesbank sich gestern für eine Entlassung von Thilo Sarrazin ausgesprochen hatte, legt die SPD nun nach.

Nachdem sich der Vorstand der Deutschen Bundesbank gestern für die Abberufung Thilo Sarrazins ausgesprochen hatte, legt nun der Berliner SPD-Kreisverband Charlottenburg-Wilmersdorf mit einem Parteiausschlussverfahren nach.

Sarrazin habe sich parteischädigend verhalten, teilte der Kreisvorstand mit. Eine Schiedskommission der SPD entscheidet nun über einen etwaigen Ausschluss, was Monate dauern kann. "Ich glaube, wir haben eine sehr große Chance, dass Thilo Sarrazin die Partei verlassen muss", sagte Michael Müller, der Vorsitzende der Berliner SPD, in der ARD.

In die Debatte mischte sich auch Renate Künast, Fraktionsvorsitzende von Bündnis 90/Die Grünen, ein. Deutschland habe viele Fehler gemacht, sagte Künast. Man habe zugelassen, dass sich viele Migranten zurückgezogen und kein Deutsch gelernt hätten, sagte Künast im Deutschlandfunk. Sarrazin gehe es gar nicht um Integration, sondern um Provokation und "eine gute Auflage für sein Buch".

Der Freiburger Historiker Ulrich Herbert erklärte im Deutschlandradio Kultur, dass man Thilo Sarrazin als Analytiker gesellschaftlicher Verhältnisse nicht ernst nehmen könnte. Sarrazin stoße mit seinem Buch zwar eine wichtige Diskussion an, die nicht nur Deutschland betreffe, sondern auch viele andere Länder. Andererseits hole er Argumente hervor, die etwa in den USA oder in Großbritannien vor vielen Jahrzehnten bereits gegenüber ethnischen Minderheiten oder sozial schwachen Bevölkerungsschichten benutzt worden seien: Diese dürften "sich nicht vermehren".

Die Nationalsozialisten hätten diese Überlegungen wenig später menschenverachtend in die Tat umgesetzt. Herbert wörtlich: "Auf dem Hintergrund dieser Diskussion rührt der doch etwas blauäugig wirkende Herr Sarrazin diesen Diskussionsmustopf an, den er uns hier vorgeführt hat und tut so, als sei er derjenige, der darauf gekommen ist." Sarrazin "schmeiße verschiedene Bereiche andauernd durcheinander."

Thesen kommen in der Bevölkerung auch gut an

Bis zu 50 Prozent der deutschen Bevölkerung stimmen einzelnen von Sarrazins umstrittenen Thesen zu, sagte der Sozialforscher Andreas Zick von der Universität Bielefeld der "Frankfurter Rundschau". Nach der Bielefelder Langzeitstudie zu "Gruppenbezogener Menschenfeindlichkeit" findet jeder zweite Bundesbürger, dass in Deutschland zu viele Zuwanderer lebten.

Auch die Mehrheit der Deutschlandfunk-Hörer sei deutlich für Sarrazin, sagte Chefredakteur Stefan Detjen. "Da sind ungefähr doppelt so viele Hörerstimmen, die sich für Sarrazin äußern, wie kritische Hörerstimmen.", sagte Detjen im Deutschlandfunk.

 

Letzte Änderung: 02.10.2013 13:37 Uhr

Beitrag hören

 
 
Dradio Audio
Kein Audio aktiv
 
 
 
 
 

Für dieses Element wird eine aktuelle Version des Flash Players benötigt.

Jetzt Im Radio

Deutschlandfunk

MP3 | Ogg

seit 15:05 Uhr Rock et cetera

Deutschlandfunk Kultur

MP3 | Ogg

seit 15:05 Uhr Interpretationen

Deutschlandfunk Nova

MP3 | Ogg

seit 12:00 Uhr Grünstreifen

Aus unseren drei Programmen

Flüchtlinge aus Gambia in Oberschwaben"Die werden behandelt wie alle anderen auch"

Oberschwaben (Deutschlandradio / Ellen Häring)

Als Ende 2014 Flüchtlinge in ganz Deutschland verteilt wurden, kamen 24 Gambier ins schwäbische Oberzell. Heute arbeiten 19 von ihnen in Vollbeschäftigung und sozialversicherungspflichtig. Damit ist Oberzell Spitzenreiter bei der beruflichen Integration von Zuwanderern.

Publizist Michael Naumann über Rassismus"Amerika hat sich seit Martin Luther King sehr langsam verbessert"

Michael Naumann (dpa / Robert Schlesinger)

In den USA gebe es noch immer einen "kulturellen Rassismus", sagt der Publizist und frühere Kulturstaatsminister Michael Naumann. Das Hauptproblem des Landes aber sei, dass auch dem US-Präsidenten Donald Trump "rassistische Attitüden" nachgewiesen werden können.

Religion in ComputerspielenDaddeln und trauern

Logo von World of Warcraft. (imago / Ina Fassbender)

In World of Warcraft gibt es auf einer Insel einen Gedenk-Hain für den verstorbenen Schauspieler Robin Williams. Und auch in anderen virtuellen Welten wird immer öfter an real existierende Weggefährten erinnert oder religiöse Symbole tauchen auf.

Architekturgeschichte in Tel AvivBauhausstil aus Deutschland

Bauhaus-Gebäude in Tel Aviv (Deutschlandradio.de / Andreas Main)

Verkantete Kuben, klare Linie, abgerundete Balkone: In der Weißen Stadt in Tel Aviv reihen sich unzählige Villen und Gebäude im Bauhausstil aneinander - eine Schatzkiste der Architektur. Jüdische Immigranten brachten die ausgeklügelte und fortschrittliche Bauweise aus Deutschland mit.

Henning Beck, NeurowissenschaftlerGeistesblitze – Wie tickt unser Gehirn?

"Kreativer Kopf" (imago/Ikon Images)

Wie entstehen Gedanken? Was passiert bei einem Geistesblitz? Wie kommt unser Gehirn immer wieder auf neue Ideen? – Diese Fragen faszinieren den Neurowissenschaftler Henning Beck.

Psychometrie in den Sozialen Medien"Den Menschen wird die Information eingespielt, die sie hören wollen"

(dpa)

Donald Trump sei auch durch den Einsatz sozialer Medien an die Macht gekommen, sagt Roman Maria Koidl. So könne man "heute eigentlich als Einzelkämpfer ohne eine Parteistruktur in höchste Ämter kommen". Koidl fürchtet, das könne in einer technokratischen Diktatur enden.

 

Nachrichten

 
 

Nachrichten

Madrid  Festgenommener Autor Akhanli kommt wieder frei | mehr

Kulturnachrichten

Schriftsteller Akhanli kommt unter Auflagen frei  | mehr

 

| mehr