Aktuell-Archiv des früheren dradio.de-Auftritts / Archiv /

 

SPD-Vorstand nimmt korrigiertes Rentenkonzept an

Kindererziehung und Arbeitslosigkeit sollen stärker berücksichtigt werden

Rente ab wann und wie hoch? Diese Frage bewegt derzeit die SPD (picture alliance / dpa / Michael Hanschke)
Rente ab wann und wie hoch? Diese Frage bewegt derzeit die SPD (picture alliance / dpa / Michael Hanschke)

Der SPD-Vorstand hat mit großer Mehrheit das vom Parteivorsitzenden Sigmar Gabriel überarbeitete Rentenkonzept beschlossen. Die SPD will damit die drohende Altersarmut in Deutschland bekämpfen, erklärte der Parteivorsitzende Sigmar Gabriel nach den mehrstündigen Beratungen.

Die Frage der umstrittenen Senkung des Rentenniveaus von heute 51 Prozent des durchschnittlichen Nettolohns auf 43 Prozent im Jahr 2030 soll allerdings erst auf einem kleinen Parteitag Ende November geklärt werden. Gabriel betonte, entscheidend seien nicht Prozentzahlen. Für einen wirksamen Schutz gegen Altersarmut seien angemessene Einkommen notwendig. Dazu gehöre auch ein gesetzlich festgelegter Mindestlohn.

Nach dem überarbeiteten SPD-Konzept ist für Arbeitnehmer mit mindestens 30 Beitrags- und 40 Versicherungsjahren eine "Solidarrente" von 850 Euro geplant. Wer 45 Versicherungsjahre vorweisen kann, soll ohne Einbußen mit dem 65. Geburtstag in Rente gehen können.

Kritik von der CDU-Spitze

Die CDU kritisierte das neue Rentenmodell der SPD. Generalsekretär Hermann Gröhe sagte, der Beschluss zeige die Zerrissenheit der Sozialdemokraten. Außerdem sei ein Linksruck zu erkennen. In der Diskussion um das künftige Rentenniveau passe sich SPD-Chef Gabriel den Parteilinken an.

SPD-Chef Sigmar Gabriel bekennt Farbe in Sachen Rente (picture alliance / dpa / Kay Nietfeld)SPD-Chef Sigmar Gabriel bekennt Farbe in Sachen Rente (picture alliance / dpa / Kay Nietfeld)Gestern hatte Gabriel eine Kursänderung im Rentenkonzept der SPD angekündigt. Dazu gehört die Forderung, dass die abschlagsfreie Rente nicht erst nach 45 Beitragsjahren gewährt wird, wie bislang angestrebt, sondern vielmehr nach 45 Versicherungsjahren. Der Unterschied besteht darin, dass dazu auch Zeiten von Arbeitslosigkeit und Kindererziehung gerechnet werden. "Es geht darum, die gerecht zu behandeln, die ganz lange schon arbeiten", erklärte Gabriel im ARD-Fernsehen. Die Änderung würde es bis zu 200.000 Beschäftigten erlauben, ohne Abschläge in Rente zu gehen, berechnet die "Süddeutsche Zeitung". Betroffen wären vor allem Arbeitnehmer in Industrie und Handwerk.

Gabriel: Kein Kurswechsel beim Rentenniveau

Die einst von der Großen Koalition beschlossene Rente mit 67 wird bis 2029 stufenweise eingeführt. Derzeit bekommen Arbeitnehmer ihre volle Rente, wenn sie 45 Jahre lang Beiträge gezahlt haben und 65 Jahre alt sind. Daran wollte Gabriel festhalten - bis heute. Die Absenkung des gesetzlichen Rentenniveaus von derzeit etwa 50 auf 43 Prozent des durchschnittlichen Nettolohns bleibt Gabriel zufolge beschlossene Sache. Der Kurs der Parteiführung in Sachen Rente war in den vergangenen Wochen innerhalb der SPD heftig umstritten.

Genossen wollen weitere Änderungen

Der SPD-Bundestagsabgeordnete Ottmar Schreiner (AP Archiv)Der SPD-Bundestagsabgeordnete Ottmar Schreiner (AP Archiv)Das zeigt sich auch bei der heutigen Sitzung des SPD-Parteivorstands. Vorstandsmitglied Ottmar Schreiner, der zum linken SPD-Flügel zählt, hält auch mit Gabriels Änderungsvorschlägen nicht alle Probleme für ausgeräumt. Auch 45 Versicherungsjahre seien für manche Arbeitnehmer kaum zu erreichen, sagte Schreiner im Deutschlandfunk.

Generalsekretärin Andrea Nahles sagte im ARD-Fernsehen, das künftige Rentenniveau sei weiter strittig. Man nehme die Vorbehalte gegen eine Absenkung auf 43 Prozent sehr ernst und werde diese Frage erst auf einem Kleinen Parteitag Ende November klären. Der Vorsitzende des SPD-Arbeitnehmerflügels, Klaus Barthel, nannte eine Rentenhöhe von mindestens 50 Prozent eine nachvollziehbare Größenordnung. "Ich glaube, dass an der Frage nicht viel vorbeiführen wird: Dass man sagt, das Nettorentenniveau darf nicht unter die Hälfte des Lohnniveaus sinken. Das ist schon wenig genug", so Barthel im Deutschlandfunk.

 

Letzte Änderung: 02.10.2013 13:58 Uhr

Beitrag hören

 
 
Dradio Audio
Kein Audio aktiv
 
 
 
 
 

Für dieses Element wird eine aktuelle Version des Flash Players benötigt.

Jetzt Im Radio

Deutschlandfunk

MP3 | Ogg

seit 10:10 Uhr Lebenszeit

Deutschlandradio Kultur

MP3 | Ogg

seit 10:07 Uhr Lesart

DRadio Wissen

MP3 | Ogg

seit 00:00 Uhr DRadio Wissen

Aus unseren drei Programmen

Großbritannien und die EU"Cameron will keinen Austritt"

Der britische Premier David Cameron diskutiert mit Bundeskanzlerin Angela Merkel im Garten von Schloss Meseberg bei Berlin. (picture alliance / dpa / Fabrizio Bensch / Pool)

Der britische Politologe Anthony Glees sieht im Streit um einen möglichen EU-Austritt Großbritanniens eine große Herausforderung für David Cameron. "Er muss die Möglichkeit eines Austritts anbieten, ohne den Austritt zu bewirken," sagte Glees im DLF. Denn Cameron selbst wolle, dass Großbritannien in der EU bleibe.

ResolutionUNO will Kunstschätze vor IS-Terror schützen

Ein Archivbild vom 14. März 2014 zeigt syrische Bürger, wie sie auf ihren Fahrrädern durch die antike Stadt Palmyra fahren (afp / Joseph Eid )

Auf Initiative Deutschlands und des Irak hat die UN-Vollversammlung die Zerstörung von Kulturgütern durch den Islamischen Staat verurteilt . Mit der Resolution appellieren die Vereinten Nationen an alle Staaten, gegen den Schmuggel von Kunst vorzugehen, um der Terrormiliz Finanzierungsmöglichkeiten zu nehmen.

Flüchtlinge als FeindeDas Erbe der Pegida-Bewegung

Vor der Insel Lampedusa warten Flüchtlinge in einem Schlauchboot darauf, in Sicherheit gebracht zu werden. (dpa / picture alliance / Darrin Zammit Lupi)

Pegida hat die Ablehnung von Flüchtlingen salonfähig gemacht, meint der Politologe Thilo Schmidt: Erst marschierte Pegida, dann zeigten vermehrt Politiker "Verständnis" für die "Sorgen der Menschen". Dann brannten und brennen Asylbewerberheime.

FIFADas System Blatter: Geben und Nehmen

FIFA-Präsident Sepp Blatter (imago stock & people)

Sepp Blatter ist 79 Jahre alt, seit 17 Jahren Präsident der FIFA und er will es wieder werden. Von den sieben verhafteten Gefolgsleuten distanzierte er sich umgehend. Sie kommen alle aus den Kontinentalverbänden, die dem FIFA-Präsidenten treu ergeben sind. Denn er hat für "Gleichberechtigung" zwischen Groß und Klein gesorgt - auch beim Geld.

SeenotrettungDie Helfer auf See

Der Seenotrettungskreuzer der Deutschen Gesellschaft zur Rettung Schiffbrüchiger (DGzRS) "Hermann Helms" (r) und das Tochterboot "Verena" des Seenotkreuzers "Hermann Marwede" am 06.02.2007 auf der Elbe vor Cuxhaven.  (picture alliance / dpa / Ingo Wagner)

Sie fahren bei Wind und Wetter hinaus, wenn Menschen auf See in Not geraten - die Seeleute der Deutschen Gesellschaft zur Rettung Schiffbrüchiger. 81.000 Menschen hat die DGzRS seit ihrer Gründung im Jahr 1865 gerettet.

SozialwissenschaftenMit Big Data auf den Spuren des IS

Ein Anhänger des IS mit der Flagge der Miliz (afp)

Warum schließen sich junge Menschen den IS-Terroristen an? Solche und ähnliche Fragen untersuchen Sozialwissenschaftler neuerdings mit Hilfe großer Datenmengen aus dem Netz. Doch die Forschungsmethode birgt auch Gefahren.

 

Nachrichten

 
 

Nachrichten

Korruption bei der FIFA  Justizminister Maas fordert Neuvergabe der WM | mehr

Kulturnachrichten

Deutscher Bühnenverein wählt neuen Präsidenten  | mehr

Wissensnachrichten

Hirnforschung  Verlorene Erinnerungen mit Licht wiederhergestellt | mehr