Aktuell-Archiv des früheren dradio.de-Auftritts / Archiv /

 

SPD will Sarrazin ausschließen

Ex-Senator verteidigt seine Thesen bei Buchvorstellung

Thilo Sarrazin bei dere Vorstellung seines Buches in Berlin (AP)
Thilo Sarrazin bei dere Vorstellung seines Buches in Berlin (AP)

Nach seinen umstrittenen Äußerungen über muslimische Zuwanderer wird es für Thilo Sarrazin eng: Der SPD-Bundesvorstand hat ein Ausschlussverfahren gegen den Bundesbankvorstand beschlossen. In der Bundespressekonferenz hat Sarrazin unterdessen sein neues Buch vorgestellt.

Immer mehr Genossen hatten in den vergangegen Tagen seinen Rauswurf aus der SPD gefordert, doch Thilo Sarrazin will bleiben. "Ich habe vor, das SPD-Parteibuch mit ins Grab zu nehmen", sagte der wegen seiner Migranten-Schelte viel kritisierte Sozialdemokrat im Interview mit der FAZ.

Nun jedoch deutet einiges darauf hin, dass Sarrazin die SPD womöglich verlassen muss. Der SPD-Bundesvorstand hat am Montag einstimmig ein Ausschlussverfahren gegen ihn beschlossen, wie Parteichef Sigmar Gabriel mitteilte. Zur Begründung sagte Gabriel, Sarrazin habe das "Ende der Diskussionsbereitschaft in der SPD" erreicht.

Ein erstes Parteiordnungsverfahren gegen den früheren Berliner Finanzsenator, das die Berliner SPD eingeleitet hatte, war im März gescheitert.

Auch die Bundesbank hat sich von den Thesen ihres Vorstandsmitglieds distanziert. Sarrazins Äußerungen würden der Bundesbank schweren Schaden zufügen, hieß es. Auf einen Abwahlantrag gegen Sarrazin wolle man aber vorerst verzichten.

Bei der Vorstellung seines Buches "Deutschland schafft sich ab" in der Berliner Bundespressekonferenz verteidigte Sarrazin unterdessen seine umstrittenen Thesen. Er sehe sich durch die Meinungsfreiheit in Deutschland gedeckt. Überdies habe er in seiner Eigenschaft als Bundesbankvorstand keine dienstlichen Obliegenheiten verletzt.

In einem Interview mit der ARD hatte Bundeskanzlerin Angela Merkel (CDU) die Bundesbank zuvor indirekt dazu aufgerufen, in der Causa Sarrazin über Konsequenzen nachzudenken.

Der Politikwissenschaftler Gerd Langguth hält es für einen "Missbrauch des öffentlichen Amtes, dass er mit seinem hohen Bekanntheitsgrad als Bundesbanker hier so argumentiert". Sarrazins Aussagen bewegten sich "am Ende der politischen Moral", sagte Langguth im Interview mit dem Deutschlandfunk.

Der Publizist Henryk M. Broder sieht in Sarrazins Äußerungen hingegen einen Beitrag zum demokratischen Diskurs. Die massive Kritik an dem Buch erinnere ihn an eine "dunkle Epoche der europäische Geschichte, zum Beispiel die Hexenverbrennung", sagte Broder im Interview mit Deutschlandradio Kultur.

Unterstützung bekommt Sarrazin auch von der türkischstämmigen Publizistin Necla Kelek. Sarrazins Kritik an schlecht integrierten muslimischen Migranten entspreche an vielen Punkten ihren eigenen Gedanken, sagte Kelek im Interview mit Deutschlandradio Kultur.

Die Schriftstellerin Thea Dorn der deutschen Politik fehlende Streitlust bescheinigt. Im Deutschlandfunk sagte sie, große Teile der politischen Klasse in Deutschland seien nicht streitfähig und versuchten nur, die "Ruhe im Kasten" aufrecht zu erhalten.

Mehr zum Thema:

"Ein Missbrauch des öffentlichen Amtes" - Politologe Gerd Langguth über den Fall Sarrazin

"Ich bleibe SPD-Mitglied bis an mein Lebensende" - Thilo Sarrazin verteidigt seine umstrittenen Thesen zu islamischen Migranten

Sarrazin lehnt SPD-Austritt ab - Kritik an dem umstrittenen Bundesbänker mehrt sich

 

Letzte Änderung: 02.10.2013 13:37 Uhr

Beitrag hören

 
 
Dradio Audio
Kein Audio aktiv
 
 
 
 
 

Für dieses Element wird eine aktuelle Version des Flash Players benötigt.

Jetzt Im Radio

Deutschlandfunk

MP3 | Ogg

seit 05:05 Uhr Informationen am Morgen

Deutschlandradio Kultur

MP3 | Ogg

seit 05:07 Uhr Studio 9

DRadio Wissen

MP3 | Ogg

seit 00:00 Uhr Soundtrack

Aus unseren drei Programmen

Vierte Amtszeit für die Kanzlerin?"Merkel wird das Wort Obergrenze in den Mund nehmen müssen"

Der Journalist und Politikberater Hans-Hermann Tiedje (picture alliance / dpa / Revierfoto)

Für Hans-Hermann Tiedje steht fest: Angela Merkel braucht die Zustimmung von CSU-Chef Horst Seehofer, will sie 2017 erneut als Kanzlerkandidatin antreten. "Ohne Seehofer geht es nicht", sagte der ehemalige "Bild"-Chefredakteur im DLF. In der entscheidenden Flüchtlingsfrage habe dieser seine Partei hinter sich - sowie die Mehrheit der Gesellschaft.

Radio in GroßbritannienProgramm-Perlen nur via DAB

Ein Radio mit Digitalempfang steht am 09.05.2016 auf dem Medientreffpunkt Mitteldeutschland in Leipzig (Sachsen). (picture alliance / dpa / Jan Woitas)

Das Fernsehen ist längst digital geworden, Radio aber zu einem guten Teil noch nicht. Während der Übergang zur digitalen DAB-Technik in Deutschland nur schleppend vorangeht, ist DAB in Großbritannien ein Erfolg. In britischen Haushalten stehen bereits 30 Millionen DAB-Empfänger. Und das hat seinen Grund.

Ausbau des Digitalradios"Das ist auch Aufgabe der Politik"

(Deutschlandradio - Bettina Fürst-Fastré)

Die öffentlich-rechtlichen Radiosender in Deutschland treiben den Ausbau des Digitalstandards DAB+ voran. Private Sender sträuben sich - zu hoch sind für sie die Umrüstungskosten. Deutschlandradio-Intendant Willi Steul fordert deswegen Politik und Regulierungsbehörden zur Mithilfe auf - denn DAB+ sei längst auch international der technische Standard für qualitativ hochwertiges Radiohören, sagte er im DLF.

Vollverschleierung"Ein Symbol für die Unterdrückung der Frau"

Der Bundesvorsitzende der Polizeigewerkschaft, Rainer Wendt, steht am 30.06.2016 vor einem Polizeibus in Köln. (imago / Eibner)

Der Vorsitzende der Deutschen Polizeigewerkschaft, Rainer Wendt, hält ein Verbot der Vollverschleierung in Deutschland für sinnvoll. Im DLF sagte er, man müsse es nicht dulden, dass häusliche Gewalt in aller Öffentlichkeit praktiziert werde. Die Burka nannte er ein Symbol der Unfreiheit der Frau.

AlleinerziehendeRecht für Väter ist Pech für Mütter

Eine Mutter sitzt mit ihren zwei Kindern auf einer Bank und hält ein Buch in den Händen. (Deutschlandradio / Sabine Demmer)

Alleinerziehende werden in Deutschland allein gelassen. Es gibt noch zu viele bürokratische Lücken, die Unterhaltszahlungen aushebeln, meint die Schriftstellerin und Journalistin Susanne Schädlich. Die Konsequenzen tragen vor allem Mütter und Kinder.

GlobalisierungDer "große Schub" ist vorbei

Chinesische Arbeiter bauen eine Smart-Watch zusammen. (AFP)

Die Globalisierung schreitet immer weiter voran. Wer würde daran zweifeln? Stefan Bielmeier beispielsweise. Der Chefvolkswirt der DZ Bank erklärt, warum die Globalisierung kein zwangsläufiger Prozess ist - und auch kein aktueller Trend mehr.

 

Nachrichten

 
 

Nachrichten

Nordsyrien  USA kritisieren Angriffe der Türkei auf syrische Kurden | mehr

Kulturnachrichten

Hochdotierter Comic-Preis für Zeichnerin PoinT  | mehr

Wissensnachrichten

Mexiko  Avocado-Hunger beschleunigt Abholzung | mehr