Aktuell-Archiv des früheren dradio.de-Auftritts / Archiv /

 

Sport-Chronik der Wende

Der DDR-Sport im Prozess der Wiedervereinigung

Manfred Ewald (l.) 1977 auf einer Pressekonferenz in Frankfurt am Main mit Willi Weyer, einem westdeutschen Sportfunktionär.
Manfred Ewald (l.) 1977 auf einer Pressekonferenz in Frankfurt am Main mit Willi Weyer, einem westdeutschen Sportfunktionär. (AP)

Vor zwanzig Jahren brach das System des Staatssports in der DDR zusammen: In unserer Serie "Sport-Chronik der Wende" beleuchten wir den dynamischen Prozess der Wiedervereinigung von vor 20 Jahren und erinnern an einzelne, prägende Einschnitte.

"Wo ich auch sagen musste: Hoppla, als Arzt, als Human-Medizinier: Was passiert hier?", "Die Leistungen, die unsere Sportler vollbracht haben, finden international Anerkennung." - Zwei Stimmen aus dem DDR-Sport. Dieser war für die Führung der ehemaligen DDR ein, wenn nicht sogar das wichtiges Instrument, um international anerkannt zu werden. Doch mit dem Fall der Mauer kamen auch viele schwarze Seiten dieses staatlichen Systems heraus, beispielsweise das organisiertes Doping, Überwachung durch die Stasi,

Bisher gelaufen:

* Vom Zentralismus zur föderalen Selbstverwaltung: In Ostdeutschland erfolgte die Gründung der Landesportbünde
Im September 1990 steht auch im Sport die deutsche Vereinigung kurz bevor. In den fünf neuen Ländern werden Landessportbünde gegründet, Den Anfang macht Brandenburg am 15. September. Doch sind die ersten Jahre von heftigen politischen Turbulenzen überschattet (Sendedatum: 19. September 2010).

* Auflösungserscheinungen: Die DDR-Fußball-Nationalmannschaft bestreitet ihr letztes Länderspiel
Brüssel am 12. September 1990. Abschiedsstimmung. Nach 293 Spielen sagt die Fußball-Nationalmannschaft der DDR Adieu. Die Gesamtbilanz: 86 Niederlagen und stolze 138 Siege. Entsprechend gemischt sind die Gefühle. Einige trauern, andere freuen sich auf den Neubeginn im Westen (Sendedatum: 12. September 2010).

* Irreversibles und Frühinvaliden: Die Dopingenthüllungen 1990
"Waren alle DDR-Sportler gedopt?", lautete die bange Frage im Ost-Berliner "Sportecho", als 1990 die ersten Doping-Dokumente aus dem ostdeutschen Sport auftauchen. "Start ohne Lynchjustiz!" fordert sogleich ein westdeutscher Trainer. Vor 20 Jahren fand Vertuschung, zähe Aufklärung und anhaltende Negierung der Folgen einer staatlich verordneten Leistungsmanipulation statt (Sendedatum: 5. September 2010).

* Von DDR-Dopingopfern war keine Rede: Der Sport im Einigungsvertrag
Am 31. August 1990 wurde der deutsch-deutsche Einigungsvertrag unterschrieben und danach von den Parlamenten abgesegnet. Auch der Fahrplan der Sportvereinigung war damit zementiert: Die Fachverbände schlossen sich einzeln zusammen (Sendedatum: 29. August 2010).

* Das Schweigekartell der Sportmediziner und -funktionäre
Auch Insider aus dem Sportmedizinischen Dienst der DDR verließen den SED-Staat vor dem Mauerfall. Über sie war in den Jahren 1989/90 kaum etwas zu hören - aus gutem Grund (Sendedatum: 22. August 2010).

* Grünes Licht für NOK-Fusion 1990
Nachdem im Spätsommer 1990 die politischen Weichen zur deutschen Vereinigung längst gestellt waren, gab es am 17. August 1990 auch sportpolitisch grünes Licht: Mit den Präsidenten des Nationalen Olympischen Komitees West, Willi Daume, und des NOK-Ost, Joachim Weiskopf traf sich seinerzeit IOC-Präsident Juan Antonio Samaranch (Sendedatum: 15. August 2010).

* "Unsere Sportler! Das sind doch unsere Größten und unsere Besten!": Die Dimension der Sportförderung in der DDR
Die ehemalige DDR errang zahlreiche Medaillen. Denn für deren Politkader stellte der Sport ein wichtiges Vehikel dar, sich in der Welt zu positionieren. Dementsprechend fiel auch die staatliche Sportförderung aus. Dessen Dimensionen stellte die Funktionäre bei der Fusion der beiden Nationalen Olympischen Komitees sowie der Sportverbände vor große Probleme (Sendedatum: 7. August 2010).

* Gegen den Willen der Altkader: Die hinhaltende Bildung gesamtdeutscher Sport-Mannschaften im Sommer 1990
Zwei Sportverbände wurden nach der Wende zusammengeführt - und sollten eine gemeinsame, starke deutsche Olympiamannschaft bei den Spielen 1992 bilden. Das Team kristallisierte sich im Sommer 1990 heraus - parallel zum politischen Vereinigungsprozess (Sendedatum: 1. August 2010).

* Westgeld für Ostdoping: DDR finanzierte ihre Dopinganalytik mit Häftlingsfreikaufgeldern aus der Bundesrepublik
Als Mitglied im Zentralkomitee der SED und Leiter der vom Ministerium für Staatssicherheit kontrollierten Kommerziellen Koordinierung war Alexander Schalck-Golodkowski einer der mächtigsten Männer der DDR - und nahm maßgeblichen Einfluss auf den Leistungssport und das Dopingsystem der DDR (Sendedatum: 27. Juni 2010).

* "Verschenkter Lorbeer und graue Eminenzen": Vor 20 Jahren wurden die sportpolitischen Weichen für die Einheit des Sports gestellt
Die Chronik der Wende verzeichnet für den Sport in der Jahresmitte 1990 die entscheidenden Kapitel. Vor 20 Jahren, im Juni 1990 wurden die sportpolitischen Weichen im deutsch-deutschen Vereinigungsprozess gestellt. Der Sport hatte sich an den politischen Vorgaben zu orientieren, und die lauteten unter anderem Demokratisierung und Föderalismus (Sendedatum: 13. Juni 2010).

Freundschaftslauf Berlin-MoskauSportministerin Cordula Schubert (links). (Bundesarchiv Bild 183-1990-0706-306, Robert Roeske)* Ministerin auf Abruf: Die kurze Amtszeit von DDR-Sportministerin Cordula Schubert
Vor 20 Jahren eskalierte die Auseinandersetzung zwischen der ersten und einzigen DDR-Sportministerin Cordula Schubert und dem DDR-Sportverband DTSB. Der DTSB und seine Alt-Kader forderten den Rücktritt der gerade angetretenen Ministerin. Frau Schubert kündigte an, die Zahlungen an den Dachverband einzustellen. Es war, wenige Monate vor der deutschen Einheit, eine ganz heiße Phase (Sendedatum: 16. Mai 2010).

* Politisch vorgegebene Vereinigungsprozesses - auch im Sport: Die Monate März und April 1990
Renitente Stasi-Altkader und gierige Glücksritter aus dem Westen - die Wendezeit war geprägt von zwielichtigen Gestalten. Auch im Sport. Ein Rückblick auf turbulente Monate (Sendedatum: 5. April 2010).

* "Es musste wirksam und billig gehen: Der Monat Januar 1990
Ewalds Rücktritt, Sammers Wechsel, Maskes Schlingerkurs - das Wendejahr 1990 startet mit zahlreichen spektakulären Ereignissen. Doch der Sport war Nebensache in dieser revolutionären Phase (Sendedatum: 17. Januar 2010).

* Die großen Enthüllungen über die dunklen Seiten ließen noch auf sich warten: Sportchronik der Wende zum Jahreswechsel 1989/90
Zum Neujahrslauf am 1. Januar 1990 trafen sich in Berlin 30.000 Menschen - aus beiden Teilen der Stadt. Im Frühjahr 1990 sollen nach Angaben von Historikern rund 5.000 innerdeutsche Sportbegegnungen stattgefunden haben. Wenn man so will, fand eine Sportvereinigung von unten statt, lange vor der politischen Wiedervereinigung, lange vor den sportpolitischen Verschmelzungen (Sendedatum: 2. Januar 2010).

* "Moral statt Medaillen": Sport-Chronik der Wende zum Jahresschluss 1989
Die Mauer war noch nicht lange gefallen, da entdeckten auch schon die zahlreichen DDR-Sportler die Bundesrepublik für sich. Den Start für die Abwanderungswelle machte die Handballerin Katja Kittler (Sendedatum: 27. Dezember 2009).

* Man wollte retten, was nicht mehr zu retten war: Die Monate Oktober und November 1998
Ende Oktober wurde die Leistungssportförderung zunehmend öffentlich kritisiert. Eine wirklich harte Debatte aber begann erst später. Noch gab es Tabus wie etwa das Dopingsystem (Sendedatum: 25. Oktober 2009).

* Die Stasi im DDR-Sport
Die Liste der hauptamtlichen und inoffiziellen Stasi-Mitarbeiter, die in den vergangenen 20 Jahren öffentlich verhandelt wurden, ist ellenlang. Die Taten und der Grad der Verstrickung jedoch sind ganz unterschiedlich (Sendedatum: 26. September 2010).

* "Vom SC Traktor zum SV Germania" - Der Sportverein im Prozess der deutschen Einheit
Vor 20 Jahren verschwanden auch die Betriebs-Sportgemeinschaften, die an die Stelle der "bürgerlichen" Vereine getreten waren. Viele gaben sich ihre früheren Vereinsnamen zurück. Zugleich damit verbunden war der Wechsel von Kommando-Strukturen in eine demokratisch strukturierte Sportbewegung (Sendedatum: 3. Oktober 2010).

 

Letzte Änderung: 02.10.2013 13:37 Uhr

Beitrag hören

 
 
Dradio Audio
Kein Audio aktiv
 
 
 
 
 

Für dieses Element wird eine aktuelle Version des Flash Players benötigt.

Jetzt Im Radio

Deutschlandfunk

MP3 | Ogg

seit 05:05 Uhr Informationen am Morgen

Deutschlandradio Kultur

MP3 | Ogg

seit 05:07 Uhr Studio 9

DRadio Wissen

MP3 | Ogg

seit 00:00 Uhr DRadio Wissen

Aus unseren drei Programmen

WissenEin Denkmal für Wikipedia

Im polnischen Slubice wird das Online-Lexikon Wikipedia mit einem Denkmal geehrt.

Am Mittwoch wurde im polnischen Slubice ein Denkmal für Wikipedia enthüllt. Der Organisationstheoretiker Leonhard Dobusch begrüßt die Würdigung des Online-Lexikons: Man könne dessen Bildungsbeitrag nicht hoch genug einschätzen.

Karstadt-KriseVom Klassenprimus zum Krisenfall

Der Eingang zur der Karstadt Filiale am 01.10.2014 in Köln.

Seit Jahren sorgen Schlagzeilen und Spekulationen immer wieder für Verunsicherung bei den Karstadt-Angestellten. Der neue Eigentümer René Benko lässt keinen Zweifel an einer scharfen Sanierung. Das Konzept dazu wird morgen im Aufsichtsrat diskutiert.

Postheroismus Wenn Helden nicht mehr nötig sind

PHILIPPINES, Manila :Comic-Fans haben sich als ihre Helden verkleidet.

Heroische Werte sind in westlichen Gesellschaften nicht mehr en vogue. Was aber passiert, wenn die Figur des Helden nur noch als Superman oder Harry Potter anrückt? Über Helden und eine Gesellschaft, die scheinbar keine mehr braucht.

Obdachlose in GriechenlandFührung durch die Hinterhöfe Athens

Ein Obdachloser liegt auf seinem Schlafplatz auf dem Bürgersteig vor einer Filiale der Emporiki Bank in Athen

Die Wirtschaftskrise hat die Griechen besonders hart getroffen - auf Arbeitslosigkeit folgte häufig ein Leben auf der Straße. Doch einige der Obdachlosen haben nun einen neuen Job: Sie organisieren Stadtführungen in die dunklen Ecken Athens.

Junge Frauen beim ISPartnersuche im Dschihad

Ein von Dschihadisten ausgehändigtes Foto zeigt mutmaßliche Mitglieder der Terrorgruppe IS, darunter der Militärchef und gebürtiger Georgier Abu Omar al-Shishani (links)

Mehrere hundert Mädchen und Frauen aus Europa sollen nach Syrien gereist sein, um sich der Terrorgruppe IS anzuschließen. Viele von ihnen hoffen, dort einen Ehemann zu finden, sagt Florian Endres vom Bundesamt für Migration.

NotfallIn drei Minuten vor Ort

United Hazalah ist eine mobile Gruppe von freiwilligen Ersthelfern in Israel. Dank App und "Ambucycles" sind sie innerhalb von drei Minuten beim Patienten - der Krankenwagen braucht in Deutschland zum Beispiel deutlich länger.

 

Nachrichten

 
 

Nachrichten

Kanada  : Hintergründe des Anschlags in Ottawa unklar | mehr

Kulturnachrichten

Biennale di Venezia 2015:  Kurator Okwui Enwezor stellt sein Gedankengebäude vor | mehr

Wissensnachrichten

WHO  1,5 Millionen Tuberkulose-Tote in 2013 | mehr