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Staatsanwaltschaft prüft Demjanjuks Verhandlungsfähigkeit

Anklage wirft ihm Beihilfe zum Mord an 29.000 Juden vor

Der mutmaßliche NS-Kriegsverbrecher John Demjanjuk in Cleveland (AP)
Der mutmaßliche NS-Kriegsverbrecher John Demjanjuk in Cleveland (AP)

Die Münchner Staatsanwaltschaft will in den kommenden Wochen Anklage gegen den mutmaßlichen NS-Kriegsverbrecher John Demjanjuk erheben. Ein ärztlicher Sachverständiger wurde damit beauftragt, die Verhandlungsfähigkeit des 89-Jährigen zu prüfen.

Nach seiner Abschiebung aus den USA ist der mutmaßliche NS-Kriegsverbrecher John Demjanjuk heute in München angekommen. Die dortige Staatsanwaltschaft will den gebürtigen Ukrainer wegen Beihilfe zum Mord an 29.000 Juden im NS-Vernichtungslager Sobibor vor Gericht stellen.

Dort war Demjanjuk ein halbes Jahr lang als Wachmann tätig.

Demjanjuk wurde heute ins Gefängnis Stadelheim gebracht, wo ihm der Haftbefehl präsentiert wurde. Nach Angaben der Gefängnisleitung ist sein Gesundheitszustand stabil. Demjanjuk soll in der Pflegeabteilung der Anstalt untergebracht werden.

Der Leiter des Zentrums für Antisemitismusforschung an der TU Berlin, Wolfgang Benz, ordnet den ausgelieferten John Demjanjuk als Henkersgehilfe der SS ein. Ob der "bedauernswerte alte Mann" letztlich Haftverschonung bekomme, sei nicht das Wichtigste, sagt Benz.

Laut US-Behörden der Ausweis des mutmaßlichen NS-Kriegsverbrechers John Demjanjuk (AP)Laut US-Behörden der Ausweis des mutmaßlichen NS-Kriegsverbrechers John Demjanjuk (AP)Demjanjuk weist alle Vorwürfe zurück. Er sei im Gegenteil ein Kriegsgefangener der Nationalsozialisten gewesen. Mit der Abschiebung endet eine jahrelange juristische Auseinandersetzung. Bis zuletzt hatte Demjanjuk in den USA unter Hinweis auf seinen Gesundheitszustand versucht, eine Überstellung nach Deutschland zu verhindern.





Erster Abschiebeversuch des angeblich schwerkranken mutmaßlichen NS-Kriegsverbrecher John Demjanjuk (89). Tage später wurde er angeblich beim Einkaufen gesichtet. (AP)Erster Abschiebeversuch des angeblich schwer kranken mutmaßlichen NS-Kriegsverbrechers John Demjanjuk (89). (AP)US-Fernsehssender zeigten beim ersten Abschiebeversuch im April einen offenbar schwer kranken 89-Jährigen im Rollstuhl, was diesen Eindruck zu bestätigen schien. Der Abschiebeversuch wurde in letzter Minute abgebrochen. Nur wenige Tage später jedoch wurde - laut US-Medien - Demjanjuk bei einem Einkauf beobachtet, aufrecht gehend.

Die Sondermaschine, die Demjanjuk nach Deutschland brachte, war vorsorglich mit medizinischem Gerät ausgestattet worden, um den 89-Jährigen jederzeit behandeln zu können.

Demjanjuk - nur ein "kleines Licht?"

Der Leiter der Zentralstelle zur Aufklärung von NS-Verbrechen, Kurt Schrimm, wundert sich über die öffentliche Aufmerksamkeit, die dem mutmaßlichen NS-Kriegsverbrecher John Demjanjuk zuteil wird. Demjanjuk sei ein "kleines Licht". Gleichwohl rechnet Schrimm mit weiteren NS-Ermittlungen.

 

Letzte Änderung: 02.10.2013 13:33 Uhr

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