Aktuell-Archiv des früheren dradio.de-Auftritts / Archiv /

 

Staatstrauer nach Fußball-Krawallen in Ägypten

Muslimbrüder beschuldigen Mubarak-Anhänger

Bei Ausschreitungen im ägyptischen Port Said kamen über 70 Menschen ums Leben (picture alliance / dpa / Stringer)
Bei Ausschreitungen im ägyptischen Port Said kamen über 70 Menschen ums Leben (picture alliance / dpa / Stringer)

Der in Ägypten regierende Militärrat hat nach den schweren Fußball-Krawallen mit mehr als 70 Toten in Port Said eine dreitägige Staatstrauer angeordnet. Soldaten bezogen in der Stadt Posten, um neue Unruhen zu verhindern. Demonstranten warfen der Polizei Untätigkeit vor.

Die Massenschlägerei im Stadion der Stadt Port Said am Suezkanal hatte gestern nach dem Abpfiff eines Spiels zwischen der örtlichen Mannschaft Al-Masri und dem Kairoer Klub Al-Ahlis begonnen. Anhänger des örtlichen Klubs stürmten das Spielfeld und machten Jagd auf Spieler der gegnerischen Mannschaft. Die Gewalt kostete nach aktuellen Angaben der Regierung 71 Menschen das Leben; von den über 1000 Verletzten sind nach Darstellung des Gesundheitsministeriums noch Hunderte in Behandlung.

47 Verdächtige festgenommen

Der Chef des Militärrats, Mohammed Hussein Tantawi, versprach, dass die Verantwortlichen für die Ausschreitungen bestraft würden. Innenminister Mohammed Ibrahim sagte, es seien schon 47 Verdächtige festgenommen worden.

Vorwürfe gegen Polizei

Noch in der Nacht gab es in Kairo spontane Proteste gegen die Polizei. Tausende Demonstranten warfen ihr vor, angesichts der Gewaltorgie im Stadion untätig geblieben zu sein. Der Trainer der Mannschaft von Al-Ahlis Kairo sagte, es seien an die 3000 Sicherheitskräfte im Stadion gewesen, aber niemand von den Gewalttätern sei verhaftet worden. Die Polizei habe sich darauf beschränkt, Spieler und Trainer in gepanzerten Fahrzeugen in Sicherheit zu bringen.

Fragen nach Hintermännern

Die bei den kürzlich abgehaltenen Parlamentswahlen siegreiche Muslimbruderschaft äußerte den Verdacht, dass die Ausschreitungen von Anhängern des Mubarak-Regimes inszeniert worden seien. Auch die Verantwortung der Sicherheitskräfte müsse geklärt werden. Ein Vertreter des Militärrats wies die Vorwürfe zurück. Die Gewalt sei so spontan ausgebrochen wie die Proteste gegen Präsident Mubarak vor einem Jahr. Trotz sorgfältiger Sicherheitsplanung habe die Polizei sie nicht verhindern können.

Blatter spricht von "schwarzem Tag" für den Fußball

FIFA-Präsident Blatter nannte die Ereignisse von Port Said einen schwarzen Tag für den Fußball. Niemand habe sich vorstellen können, dass ein Spiel in einem derartigen Gewalt-Exzess habe enden können. Sein Mitgefühl gelte den Opfern.

Video-Link:

Mehr als 70 Menschen sterben bei Ausschreitungen in Port Said (tagesschau.de)


Mehr zum Thema bei dradio.de:

Themen der Woche: Ägypten ein Jahr nach der Revolution

Ägyptische Schriftstellerin Mansura Eseddin warnt vor militärischem und religiösem Faschismus

Perthes: Militärrat will Macht abgeben und Privilegien behalten



Mehr bei deutschlandradio.de
 

Letzte Änderung: 02.10.2013 13:47 Uhr

Beitrag hören

 
 
Dradio Audio
Kein Audio aktiv
 
 
 
 
 

Für dieses Element wird eine aktuelle Version des Flash Players benötigt.

Jetzt Im Radio

Deutschlandfunk

MP3 | Ogg

seit 16:35 Uhr Forschung aktuell

Deutschlandradio Kultur

MP3 | Ogg

seit 15:30 Uhr Tonart

DRadio Wissen

MP3 | Ogg

seit 10:00 Uhr Grünstreifen

Aus unseren drei Programmen

Jesidin in Deutschland"Es ist Angst, Angst, Angst"

Teilnehmer des Kulturtages der Jesiden sitzen am 20.08.2016 in einem traditionellen Zelt in Celle (Niedersachsen). Die gr (dpa)

Die Jesidin Irina Badavi erlebte ihre Ehe als Leidensweg. Ihr Mann vergewaltigte und verprügelte sie, Solidarität von anderen Familienmitgliedern blieb aus. Badavi macht die Religion mitverantwortlich für die Gewalt. Seit sie ihre Erfahrungen öffentlich gemacht hat, gilt sie als Verräterin.

Die Rhetorik des Joachim GauckBetroffenheit durch Kunstpause

Gauck mit ernstem Blick vor einem Weihnachtsbaum und einer Bundesfahne. (Markus Schreiber / dpa)

Bundespräsident Joachim Gauck geht - und mit ihm ein ganz spezieller Redestil: pastoral, menschelnd, bedeutungsschwanger. Wie macht er das? Wir haben den Kulturwissenschaftler Gernot Wolfram nach den rhetorischen Kniffen des Präsidenten gefragt.

"Der Geschmack von Laub und Erde"Das Leben aus der Perspektive eines Tieres

Ein Dachs im Tierpark Eeckholt in der Nähe des schleswig-holsteinischen Großenaspe. (picture alliance / dpa / Carsten Rehder)

Skurrile Zivilisationsflucht: Tierarzt Charles Foster lebt versuchsweise wie ein Tier im Wald. Das gestattet ihm einen neuen Blick aufs eigene Menschsein. Seinen augenzwinkernden Bericht lesen auch Zivilisationsfreunde mit Gewinn.

WikileaksObama begnadigt Whistleblowerin Manning

ARCHIV - HANDOUT - Die ehemalige Wikileaks-Informantin Chelsea Manning (undatierte Aufnahme) mit Perücke. Der scheidende US-Präsident Barack Obama hat die 35-jährige Haftstrafe für die Whistleblowerin Manning verkürzt. Die ehemalige Wikileaks-Informantin solle das Gefängnis am 17. Mai 2017 verlassen dürfen, teilte das Weiße Haus am Dienstag mit. (U.S. Army / dpa - Bildfunk+++)

Nur wenige Tage vor seinem Ausscheiden als US-Präsident hat Barack Obama die Haftstrafe für die Whistleblowerin Chelsea Manning deutlich verkürzt. Sie soll schon im Mai freikommen. Manning hatte vertrauliche Dokumente des US-Militärs an Wikileaks weitergeleitet.

Politische MoralIst Solidarität aus der Mode gekommen?

Königsallee in Düsseldorf (picture alliance / dpa / Foto: Martin Gerten)

Mehr Solidarität wagen! Dafür plädiert die Soziologin Sabine Hark. Sie sagt: Wir brauchen eine Sprache der universellen, politischen Moral - in Zeiten globaler Ungleichheiten mehr denn je.

125. Geburtstag Oliver HardyEin Schwergewicht der Komik

18. Januar 1951: Die legendären Komiker Stan Laurel (l) und Oliver Hardy (r) mit einer Geburtstagstorte im Billancourt Studio in Paris. (picture alliance / dpa / keystone)

Oliver Hardy, das war der Dick im legendären Duo "Stan und Ollie", in Deutschland vor allem bekannt als "Dick und Doof". Seine Lebensrolle als großspuriger Möchtegern-Mann-von-Welt, dem bei besten Absichten immer alles misslingt, spielt er fast 30 Jahre.

 

Nachrichten

 
 

Nachrichten

Terrorabwehr  Minister de Maizière (CDU) will alle Gefährder erneut überprüfen lassen | mehr

Kulturnachrichten

Dokumente des Kölner Stadtarchivs kehren zurück  | mehr

Wissensnachrichten

Hamster  Mütter fressen auf Mais-Diät ihre Kinder | mehr