Aktuell-Archiv des früheren dradio.de-Auftritts / Archiv /

 

Startschuss für die Eurasische Wirtschaftsunion

Neues Wirtschaftsgremium ehemaliger Sowjetstaaten vereinbart

Von Robert Baag

Der russische Präsident Dmitri Medwedew bei einem Interview  (AP)
Der russische Präsident Dmitri Medwedew bei einem Interview (AP)

Russland, Weißrussland und Kasachstan haben ein Abkommen zur Gründung eines gemeinsamen Wirtschaftsgremiums unterzeichnet. Die drei Länder wollen bis 2015 einen einheitlichen Wirtschaftsraum begründen, sagte der russische Präsident Dmitri Medwedew.

Bei all seiner offensichtlich guten Laune konnte Kreml-Hausherr Dmitri Medwedjew sich am Ende einen kleinen Seitenhieb dann doch nicht verkneifen:

"Wir wissen, wer in unserer Union als Mitglied dabei ist","

sagte Russlands Staatspräsident und lächelte ein wenig spöttisch,

""ich möchte ja nicht auf die Europäische Union anspielen, aber die haben zum Teil die Katze im Sack gekauft. Mit unserer Situation hat das nichts zu tun..."

Und prophezeite dann per landesweiter Live-Übertragung im Fernsehen der jedoch abschließend noch zu gründenden so genannten "Eurasischen Wirtschaftsunion" eine goldene Zukunft.

Flankiert von seinem kasachischen Amtskollegen Nursultan Nazarbaew und Weißrusslands Staatsoberhaupt Akleksandr Lukaschenko hatten die Drei sich heute in Russlands Hauptstadt zusammengesetzt und darauf verständigt, die "Eurasische Wirtschaftsunion" ins Leben zu rufen, eine Art EWG, wie es sie als Vorläufer der EU zu Zeiten des "Kalten Krieges" auch geraume Zeit in Westeuropa gegeben hatte. Und auch hier sei das Fernziel die Gründung einer politischen "Eurasischen Union". Eine Idee, die ursprünglich vom amtierenden russischen Ministerpräsidenten Wladimir Putin formuliert worden ist und offenbar die ehemaligen Sowjetrepubliken ökonomisch enger miteinander verzahnen soll.

Neben der GUS, der Gemeinschaft Unabhängiger Staaten ehemaliger Sowjetrepubliken, der OVKS, der Militärorganisation für die Kollektive Sicherheit im postsowjetischen Raum oder der russisch-weißrussischen Union gebe es jetzt noch eine weitere bürokratische Struktur, bemängelten bereits im Vorfeld diverse Kritiker. Von einem insgeheim betriebenen russischen Plan, eine Art "Neo-Sowjetunion" anstreben zu wollen, war mehrfach zu hören. Befürchtungen, die Kasachstans Präsident Nazarbaew - einst selber hoher kommunistischer Funktionär - aber zu entkräften versuchte, auch wenn er zugleich Kasachstans bleibende Selbstständigkeit unterstrich. Eurasische Wirtschaftsunion hin oder her:

"Die Sowjetunion existierte aufgrund ihres harten Kommandoverwaltungssystems und ihrem totalen Zugriff auf alle Wirtschaftsformen des Landes. - Können Sie sich heute wieder eine 'Staatliche Planbehörde', ein staatliches Verteilsystem vorstellen??! - Das sind doch Phantome, Gespenster unser Oppositionellen oder ganz einfach Feinde, die gegen eine Integration auf diesem Gebiet sind..."

Die anderen Ex-Sowjetrepubliken indes sehen einigermaßen interessiert zu, warten aber erst einmal höflich den Gang der Dinge ab. Nur Weißrusslands Lukaschenko, den bekanntlich nicht wenige "Europas letzten Diktator" nennen, freute sich herzlich auf Wohltaten seitens der beiden Unionsbruderstaaten für seine außerordentlich klamme, inflationsgeplagte Republik - man sei jetzt auf dem richtigen Weg...



Mehr bei deutschlandradio.de
 

Letzte Änderung: 02.10.2013 13:45 Uhr

Beitrag hören

 
 
Dradio Audio
Kein Audio aktiv
 
 
 
 
 

Für dieses Element wird eine aktuelle Version des Flash Players benötigt.

Jetzt Im Radio

Deutschlandfunk

MP3 | Ogg

seit 01:05 Uhr Deutschlandfunk Radionacht

Deutschlandradio Kultur

MP3 | Ogg

seit 05:05 Uhr Aus den Archiven

DRadio Wissen

MP3 | Ogg

seit 00:00 Uhr DRadio Wissen

Aus unseren drei Programmen

Multimedia-ReportageGrimme Online Award für Deutschlandradio Kultur

Tausende Sizilianer zogen in den 1960er-Jahren nach Solingen, um dort zu arbeiten. Was wurde aus ihrem Heimatgefühl, was aus ihren Träumen? Darum geht es in der ausgezeichneten Multimedia-Reportage.

Der Grimme Online Award geht unter anderem an eine Multimedia-Reportage vom Deutschlandradio Kultur. "Trappeto-Solingen-Trappeto" erzählt von Zuwanderern aus Sizilien, die nach Solingen kamen.

EU-Austritt Großbritanniens"Schotten könnten Unabhängigkeit vom Königreich verlangen"

Graham Watson, Vorsitzender der Liberalen-Fraktion im Europäischen Parlament (ALDE) (imago stock & people)

In Schottland hat es beim Referendum eine große Mehrheit für den Verbleib in der EU gegeben. Wenn die Engländer nun auf den EU-Austritt bestünden, dann könnte es dazu kommen, dass es kein Vereinigtes Königreich mehr geben werde, sagte Graham Watson, britischer Abgeordneter der Liberaldemokraten im EU-Parlament, im DLF.

BayernVom Freistaat zum freien Staat?

Sogenannte "Schellenrührer" ziehen am beim Faschingstreiben in Mittenwald durch den Ort. Mit dem Lärm der großen Kuhglocken sollen nach altem Brauch die bösen Wintergeister ausgetrieben werden. (dpa / picture alliance /  Angelika Warmuth)

Bayern ist zwar nicht Großbritannien - doch für mehr Unabhängigkeit vom Bund sprechen sich rund 40 Prozent der Bayern aus. Folgt nach dem Brexit bald der bayerische Ausstieg?

Nach dem Brexit-Entscheid"Ein sehr bitteres English Breakfast"

Stadtbild von London (AFP / Rob Stothard)

"Ein schlechter Tag für Europa", "historisch", "ein politisches Erdbeben" - die Entscheidung der Briten, der EU den Rücken zuzukehren, bewegt die Menschen in Europa. Erste Reaktionen.

SelbststeuerungDie Auto-Autos kommen

Der Straßenverkehr steht vor einem Umbruch - mit Selbststeuerung.  (picture alliance / dpa / Julian Stratenschulte)

Fahrzeuge handeln immer selbstständiger - mit Folgen für Fahrer, Umwelt und Gesellschaft. Der Straßenverkehr steht vor einem Umbruch. Nun wird versucht, die kleinen und großen Unwägbarkeiten dieses Wandels vorauszuahnen.

AlltagskunstSelfies ins Museum

Mädchen sitzt in ihrem Zimmer auf dem Boden und macht Selfies (imago / Felix Jason)

Selfies sind banal? Selfies sind Kunst! Ein renommiertes New Yorker Fotografiemuseum hat das endlich erkannt. Im International Center of Photography versöhnen sich die großen Fotografen mit den Social-Media-Fotos.

 

Nachrichten

 
 

Nachrichten

Brexit  Juncker befürchtet weitere Anti-Europa-Referenden | mehr

Kulturnachrichten

Brexit bereitet Studio Babelsberg Sorge  | mehr

Wissensnachrichten

Forschung  Antikörper gegen Zika und Dengue gefunden | mehr