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Stasi-Beauftragter: Firmen sollen DDR-Zwangsarbeit offenlegen

Mehrere Handelskonzerne in der Kritik

Roland Jahn bei einem Besuch in einem ehemaligen Stasi-Gefängnis in Chemnitz (picture alliance / dpa / Jan Woitas)
Roland Jahn bei einem Besuch in einem ehemaligen Stasi-Gefängnis in Chemnitz (picture alliance / dpa / Jan Woitas)

Die Häftlingsarbeit in der DDR ist für Firmen in der Bundesrepublik ein rotes Tuch. Der Stasi-Bundesbeauftragte Roland Jahn verlangt von deutschen Firmen Aufklärung darüber, ob sie vor 1989 von DDR-Häftlingsarbeit profitiert haben.

Kameras, Waschmaschinen, Kühlschränke - in der DDR Mangelware. Häftlinge des Unrechtsstaates sollen Wissenschaftlern zufolge für zahlreiche westdeutsche Handelsketten diese Produkte hergestellt haben. Der Chef der Stasiunterlagen-Behörde, Roland Jahn, fordert nun Aufklärung von diesen Firmen über eine mögliche Beschäftigung von DDR-Zwangsarbeitern.

Jahn verlangt von den Unternehmen, ob sie vor 1989 von DDR-Häftlingsarbeit profitiert haben. "Ich würde es begrüßen, wenn westliche und vor allem bundesdeutsche Unternehmen, die in der DDR produzieren ließen, für Transparenz sorgen würden", sagte Jahn dem Magazin "Focus". Seine Behörde stehe für Recherchen zur Verfügung. Die Firmen sollten für Transparenz sorgen.

Handelskonzerne im Blick

Weitere 16.000 Säcke voller Aktenschnipsel harren ihrer Rekonstruktion. (Bundesbildstelle Bonn)Jahn will Stasi-Akten für Firmen öffnen, die DDR-Häftlinge beschäftigt haben (Bundesbildstelle Bonn)Viele der Firmen sollen nicht gewusst haben, dass ihre Aufträge nicht an reguläre Betriebe gingen. "Das Problem war eigentlich, dass die Firmen im Westen zwar wussten, dass es ein Billiglohnland ist, sich aber für die genauen Bedingungen weniger interessiert haben", sagte der Politologe Steffen Alisch im Deutschlandradio Kultur. "Man weiß es ziemlich genau, von Handelskonzernen." In Medien werden die Konzerne Quelle und Neckermann genannt.

Die eingesetzten DDR-Häftlinge müssten entschädigt werden, forderte der Vorsitzende der Vereinigung der Opfer des Stalinismus, Hugo Diederich, im "Focus". "Wenn die Firmen nicht mehr existieren, muss eben der Staat nach Möglichkeiten für eine Entschädigung suchen." Er habe sich mit diesem Anliegen an Bundesjustizministerin Sabine Leutheusser-Schnarrenberger (FDP) gewandt. Diederich war nach eigenen Angaben DDR-Häftling und hatte von 1986 bis 1987 im sächsischen Stahlwerk Gröditz Röhren für den bundesdeutschen Stahlkonzern Klöckner hergestellt.

DDR-Häftlinge produzierten auch Textilien und Spiegelreflexkameras für bundesdeutsche Discounter und Versandhäuser, berichtete die "Bild"-Zeitung. Brandenburgs CDU-Generalsekretär Dieter Dombrowski, der 20 Monate Häftling in Cottbus gewesen war, sagte der Zeitung: "Ich habe Gehäuse für Praktika-Kameras hergestellt, die in Versandkatalogen im Westen verramscht wurden." Seine Schwestern hätten im Frauengefängnis Hoheneck Bettwäsche für Quelle und andere Versandhäuser genäht.

Die beschuldigten Unternehmer wollen den Berichten zufolge keine Entschädigungen leisten. Heutige Unternehmen seien kein Rechtsnachfolger der möglichen Verursacher, hieß es. Neckermann bestätigte dem "Tagesspiegel", das Versandhaus habe zu DDR-Zeiten Waren "wie Spielzeug, Möbel und Textilien von Lieferanten aus der DDR bezogen".

 

Letzte Änderung: 02.10.2013 13:51 Uhr

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