Aktuell-Archiv des früheren dradio.de-Auftritts / Archiv /

 

Steinbrück fordert umfassende Pflegereform

SPD will bei Wahlsieg für neue Stellen und bessere Bezahlung sorgen

Die Pflegebranche benötigt mehr Personal. (picture alliance / dpa / Jens Kalaene)
Die Pflegebranche benötigt mehr Personal. (picture alliance / dpa / Jens Kalaene)

In Deutschland sind immer mehr Menschen auf Pflege angewiesen, aber es fehlt an Personal. SPD-Kanzlerkandidat Steinbrück verkündet im Wahlkampf, dass er 125.000 zusätzliche Stellen schaffen will. Das Bundesgesundheitsministerium spricht von irreführenden Aussagen.

Kräftezehrende Arbeit, wenig Anerkennung, geringer Lohn: Die deutsche Pflegebranche strotzt nicht gerade vor Attraktivität – so sehen es SPD und Gewerkschaften. SPD-Kanzlerkandidat Peer Steinbrück und der Vorsitzende der Dienstleistungsgewerkschaft ver.di, Frank Bsirske, haben deswegen eine deutlich bessere Bezahlung für das Pflegepersonal gefordert.

Steinbrück und Bsirske warfen der Bundesregierung vor, bei der Reform der Pflegeversicherung versagt zu haben. Sie erklärten, die vergangenen vier Jahre unter der von Union und FDP geführten Regierung seien verlorene Jahre. Geringverdiener könnten sich die private Zusatzversicherung, die von Bundesgesundheitsminister Daniel Bahr (FDP) eingeführt wurde, nicht leisten.


Pflegebedürftige Menschen in Deutschland (Bild: AFP)


Steinbrück fordert mehr altersgerechtes Wohnen und Betreuung vor Ort

Steinbrück und Bsirske forderten deswegen eine umfassende Pflegereform. Ziel soll sein, vor allem die Pflege älterer Menschen zu Hause zu erleichtern. Steinbrück hält mehr altersgerechte Wohnungen und mehr Vor-Ort-Betreuung für nötig. Der Anteil der Pflegebedürftigen in Deutschland werde stark ansteigen. Unter der schwarz-gelben Regierung seien aber nur 9.000 Pfleger eingestellt worden.

Damit mehr junge Menschen den Beruf des Pflegers ergriffen, müssten die Arbeitszeiten besser geregelt und die Ausbildung anders als bisher kostenlos sein, forderten Steinbrück und Bsirske. Steinbrück will außerdem, dass die Bezahlung von Frauen in der Branche an die der Männer angeglichen wird. Mehr Geld für die Beschäftigten helfe auch gegen das Problem, dass es für viele Stellen in der Branche aufgrund mangelnder Attraktivität keine Bewerber gebe. Bsirske brachte ein Lohnplus von zehn bis 20 Prozent ins Gespräch.

Mehr Stellen im Gegenzug für höheren Pflegeversicherungs-Beitrag

Peer Steinbrück in der Debatte über den erweiterten Euro-Rettungsschirm (dpa / picture alliance / Wolfgang Kumm)Peer Steinbrück will mehr Geld für Pflegerinnen und Pfleger. (dpa / picture alliance / Wolfgang Kumm)Der SPD-Kanzlerkandidat will im Zuge seiner geplanten Pflegereform für 125.000 neue Stellen sorgen. Finanziert werden soll dies, indem der Beitrag zur Pflegeversicherung um einen halben Prozentpunkt erhöht wird. Eine Sprecherin des Bundesgesundheitsministeriums nannte diese Kalkulation irreführend: "Die Forderungen von Herrn Steinbrück werden auch durch ständiges Wiederholen nicht richtig."

Unterstützung bekamen SPD und ver.di dagegen vom Kuratorium Deutsche Altershilfe (KDA). Dessen Vorsitzender Jürgen Gohde forderte einen schnellen Ausbau der Altenpflege – ähnlich dem bei der Kleinkindbetreuung. In Deutschland waren Ende 2011 insgesamt 2,5 Millionen Menschen auf Pflege angewiesen. Zwei Drittel von ihnen werden derzeit noch zu Hause betreut - ob das so bleiben wird, ist aufgrund von immer mehr alleinstehenden Senioren und überforderten Familien unsicher, berichtet unser Korrespondent Gerhard Schröder im Deutschlandfunk. Zurzeit fehlen rund 30.000 Pflegekräfte, Studien zufolge könnte sich der Mangel im Jahr 2030 sogar auf bis zu einer halben Million offener Stellen vergrößern.

Mehr zum Thema auf dradio.de:

Weg von der reinen Minutenzählerei - Verbraucherschützer fordern neue Kriterien für Pflegebedürftigkeit
Pflege in Not - Wer garantiert eine gute Versorgung?
Schöner altern - Deutsche Senioren zieht es an den Balaton

 

Letzte Änderung: 02.10.2013 14:15 Uhr

Beitrag hören

 
 
Dradio Audio
Kein Audio aktiv
 
 
 
 
 

Für dieses Element wird eine aktuelle Version des Flash Players benötigt.

Jetzt Im Radio

Deutschlandfunk

MP3 | Ogg

seit 02:30 Uhr Zwischentöne

Deutschlandfunk Kultur

MP3 | Ogg

seit 01:05 Uhr Tonart

Deutschlandfunk Nova

MP3 | Ogg

seit 00:00 Uhr Soundtrack

Aus unseren drei Programmen

Israel Der Konflikt am Tempelberg eskaliert

Israelische Sicherheitskräfte führen einen Palästinenser ab. Am Tempelberg in Jerusalem kam es zu Ausschreitungen wegen der Zugangskontrollen zum Tempelberg. (imago / ZUMA Press)

Der Streit um Metalldetektoren am Tempelberg in Jerusalem eskaliert weiter. Die internationale Gemeinschaft ruft Israel und die Palästinenser zur Mäßigung auf. Aber ein Einlenken zeichnet sich bisher nicht ab.

Nachwuchsprobleme bei der PolizeiWas bleibt vom Freund und Helfer?

Auszubildende bei der Polizei NRW (imago/Jochen Tack)

Es gab Zeiten, da war Polizist eine Art Traumjob - auch wegen der damit verbundenen Unkündbarkeit. Und heute? Die Beamten werden angepöbelt, angegriffen und oft von der Politik allein gelassen. Was bewegt junge Leute, trotz allem zur Polizei zu gehen?

Sieben Jahre nach dem Loveparade-UnglückDie andauernde Katastrophe

Gedenkstätte zur Loveparade 2010 am Karl-Lehr-Tunnel in Duisburg. Der Karl-Lehr-Tunnel und die Rampe des Loveparade-Geländes sind die Orte der Katastrophe vom 24. Juli 2010.  (picture alliance / Revierfoto/Revierfoto/dpa)

Sieben Jahre nach dem Loveparade-Unglück in Duisburg sind die Hintergründe der Katastrophe weiterhin unklar. 21 Menschen starben damals, viele Betroffene sind noch immer traumatisiert. Im Dezember soll es zum Prozess kommen. Unterdessen leiden die Betroffenen weiter.

"Dimension Data"Erstes afrikanisches Team bei der Tour de France

Der Eritreer Daniel Teklehaimanot (M.), Fahrer des "Dimension Data"-Teams, führt das Feld während der 4. Etappe der 103. Tour de France am 05.07.2016 zwischen Saumur und Limoges an. (picture alliance / dpa / EPA / Yoan Valat)

Mit "Dimension Data" fährt seit 2015 ein afrikanisches Team bei der Tour de France mit. Team-Direktor Rolf Aldag schwärmt von seinen 28 Fahrern, die etwa aus Eritrea oder Algerien kommen. In ihrer Heimat werden sie teilweise leidenschaftlich gefeiert.

Trend zu autoritären Herrschern"Die Demokratie vermag sich selbst auszuschalten"

Volker Weiß (Verlag Klett Cotta/Fotografin Annette Hausschild)

Der Historiker Volker Weiß sieht einen Trend zu autoritären Präsidialregimen und Führungsfiguren. Die Gefahr liege darin, dass diese sich auf demokratischem Wege etablierten, sagte Weiß im Dlf. Politiker wie Trump, Erdogan, Putin oder auch Macron inszenierten sich als Alleskönner mit heroischem Gestus.

Monotheistische Religionen in einer Fakultät?"Das Kopftuch war niemals ein Thema"

Die Islamwissenschaftlerin Armina Omerika.  (picture alliance / dpa / Hannibal Hanschke)

Die Professorin Armina Omerika lehrt die Ideengeschichte des Islam. Auf einer Tagung der Katholischen Akademie reflektierte sie darüber, ob eine Fakultät möglich ist, an der unter einem Dach über die monotheistischen Religionen geforscht wird.

 

Nachrichten

 
 

Nachrichten

Türkei  Prozess gegen "Cumhuriyet"-Mitarbeiter beginnt | mehr

Kulturnachrichten

Gothaer Tafelaltar wird gezeigt  | mehr

 

| mehr