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Steinbrück gibt sich kämpferisch

SPD-Kanzlerkandidat setzt auf Rot-Grün

Kämpferischer Kanzlerkandidat: Peer Steinbrück beim Parteitag der NRW-SPD (picture alliance / dpa / Friso Gentsch)
Kämpferischer Kanzlerkandidat: Peer Steinbrück beim Parteitag der NRW-SPD (picture alliance / dpa / Friso Gentsch)

Am Tag nach seiner Kür zum Kanzlerkandidaten der Sozialdemokraten fordert Peer Steinbrück die SPD zur Geschlossenheit auf, lehnt eine Große Koalition ab - und verkündet, dass er eine rot-grüne Regierung anstrebt. Die Grünen reagieren gespalten.

Auf dem Landesparteitag der nordrhein-westfälischen SPD in Münster sagte er, er strebe keine Große Koalition mit der Union an. "Ich bin nicht zu gewinnen für ein Kabinett Merkel," erklärte der frisch gekürte Kanzlerkandidat bei seinem ersten Auftritt vor der Parteibasis.

Gestern hatte der SPD-Parteivorsitzende Sigmar Gabriel Steinbrück als Kandidaten vorgeschlagen, nachdem auch Fraktionschef Frank-Walter Steinmeier verzichtet hatte.

Die Nachricht sorgte für Zustimmung bei der SPD, aber auch bei der politischen Konkurrenz. Von den Grünen kamen gemischte Reaktionen auf die Kanzlerkandidatur Steinbrücks. Fraktionschefin Renate Künastsagte im Deutschlandfunk, Steinbrück verfüge über ausreichend Lebens- und Berufserfahrung. Zudem habe er gute Ideen zur Regulierung der Finanzmärkte und Banken.

Höhn: Steinbrück nicht unser Wunschpartner

Die stellvertretende Fraktionsvorsitzende der Grünen-Bundestagsfraktion, Bärbel Höhn (AP)Die stellvertretende Fraktionsvorsitzende der Grünen-Bundestagsfraktion, Bärbel Höhn (AP)Dagegen ist für Bärbel Höhn, die stellvertretende Vorsitzende der Bundestagsfraktion der Grünen und ehemalige Ministerin im Kabinett Steinbrück in Nordrhein-Westfalen, Peer Steinbrück offenbar nicht der ideale Kanzlerkandidat. "Steinbrück ist sicher nicht unser Wunschpartner", sagte Höhn im Deutschlandradio Kultur. Aber für sie sei "immer eine goldene Regel", dass ein möglicher Koalitionspartner sein Führungspersonal selber aussuche. "Von daher muss man am Ende immer mit den Leuten versuchen, eine gute Politik zu machen, die da ausgewählt sind", so Höhn.

Zurückhaltend zeigten sich auch einige linke Politiker innerhalb der SPD. Die SPD-Parteilinken-Sprecherin Hilde Mattheis will Steinbrück in die Pflicht nehmen. "An die Parteibeschlüsse etwa zur Vermögenssteuer oder zur Abgeltungsteuer ist auch ein Kanzlerkandidat gebunden", sagte sie der "Frankfurter Rundschau". Die SPD- Jugendorganisation, die Jusos, sieht ebenfalls Klärungsbedarf. "Wir werden mit Peer Steinbrück in den nächsten Wochen über das ein oder andere sprechen, wie wir uns einen Wahlkampf vorstellen", kündigte Juso-Chef Sascha Vogt im Deutschlandfunk an.

Müntefering und Gabriel loben den Kandidaten

Im Deutschlandradio Kultur lobte der frühere SPD-Vorsitzende Franz Müntefering Steinbrück hingegen als einen sehr guten Kandidaten für das Jahr 2013. Zwar gebe es einzelne Personen in der SPD, "die da Sympathien oder Antipathien haben". Allerdings gehe er davon aus, dass sich die Partei geschlossen hinter Steinbrück stellen werde.

SPD-Parteichef Sigmar Gabriel bezeichnete Steinbrück in der "Bild"-Zeitung als den "besseren Kanzler". Auch Alt-Bundeskanzler Gerhard Schröder hält Steinbrück für eine gute Wahl. "Ich begrüße das ausdrücklich. Er will das, und er kann das", sagte Schröder der "Rheinischen Post". Steinbrück könne Merkel im Rennen ums Kanzleramt schlagen. Schröder empfahl seiner Partei zugleich, eine Ampel-Koalition mit Grünen und FDP nach der Bundestagswahl 2013 nicht auszuschließen.

Steinbrück-Kür nährt Ampel-Spekulationen

Auch die Liberalen lobten die Kanzlerkür der SPD. Wolfgang Kubicki, Mitglied im FPD-Bundesvorstand, nannte die Festlegung auf Steinbrück eine "sehr kluge Entscheidung der SPD". "Peer Steinbrück ist einer, der auch der Bundeskanzlerin Angela Merkel Schach bieten kann", sagte Kubicki der "Leipziger Volkszeitung".

Einige Sozialdemokraten liebäugeln offenbar bereits mit einer Ampelkoalition im Bund. Der Sprecher des einflussreichen konservativen Seeheimer Kreises in der SPD, Johannes Kahrs, sagte dem Magazin "Focus", seine Partei strebe Rot-Grün an, doch wenn es dafür nicht reiche, wäre eine Ampelkoalition aus SPD, FDP und Grünen die "deutlich bessere Alternative" als eine Große Koalition mit der Union. Ähnlich äußerte sich auch der saarländische Wirtschaftsminister Heiko Maas (SPD). Dafür müsse sich die FDP aber wieder zu einer Bürgerrechtspartei entwickeln, so Maas im "Focus".

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Letzte Änderung: 02.10.2013 13:59 Uhr

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