Aktuell-Archiv des früheren dradio.de-Auftritts / Archiv /

 

Steinbrücks Plan gegen die Banken

SPD-Politiker will Finanzmärkte stärker gegen Krisen wappnen

Peer Steinbrück gilt als einer der möglichen Kanzlerkandidaten der SPD (picture alliance / dpa / Boris Roessler)
Peer Steinbrück gilt als einer der möglichen Kanzlerkandidaten der SPD (picture alliance / dpa / Boris Roessler)

Mit Bankenrettung kennt Peer Steinbrück (SPD) sich aus: In der Bankenkrise war er damit als Bundesfinanzminister beschäftigt. Mit einem längerfristigen Konzept legt er jetzt nach, um die Finanzbranche weniger krisenanfällig zu machen - und erntet dafür Kritik

Steinbrück bringt seinen Vorschlag medienwirksam in die Öffentlichkeit. Am Montag sprach er unter anderem im Nachrichtenmagazin "Der Spiegel" darüber, einen Tag später stellte er das Papier der SPD-Fraktion im Bundestag vor, und heute soll die Öffentlichkeit Details erfahren, die längst durchgesickert sind. Medien sekundieren dem möglichen Kanzlerkandidaten der SPD mit Schlagzeilen wie "Frontalangriff auf Finanzbranche" und "Attacke auf Banken".

Nur 30 Seiten umfasst Steinbrücks Konzept, das Teil des SPD-Wahlprogramms werden soll – und enthält wenig Neues: Europas Banken sollen sich selbst helfen, wenn sie in finanzielle Schwierigkeiten geraten; Ähnliches plant auch die EU-Kommission. Finanzinstitute sollen nicht mehr mit Rohstoffen spekulieren dürfen. Außerdem sollen sie dem Papier zufolge zwei wichtige Bereiche bankintern voneinander trennen: das Investmentgeschäft und das Kredit- und Einlagengeschäft. So will Steinbrück verhindern, dass Banken riskante Investitionen mit dem Geld kleiner Anleger betreiben – und bei Misserfolgen auch das übrige Bankgeschäft mit in die Pleite gerissen wird.

Kritiker sehen wenig Neues im Konzept

Die Bankbranche reagierte erwartungsgemäß unzufrieden. Der Hauptgeschäftsführer des Bankenverbands, Michael Kemmer, sagte in der ARD: "Das klingt sehr griffig, aber es wird niemandem etwas helfen". So sei etwa die Lehman-Bank, deren Pleite die Finanzkrise 2008 mit ausgelöst hatte, eine reine Investmentbank gewesen. Der Präsident des Deutschen Industrie- und Handelskammertags, Hans Heinrich Driftmann, sagte der "Rheinischen Post": "Eine einfache Trennung in gutes Bankgeschäft und schlechtes Bankgeschäft ist nicht ohne Weiteres möglich." Und eine Finanzkrise ließe sich so ohnehin nicht verhindern.

"Das Bankensystem bändigen"

Der Bremer Wirtschaftswissenschaftler Rudolf Hickel (picture alliance / dpa / Ingo Wagner)Der Bremer Finanzwissenschaftler Rudolf Hickel (picture alliance / dpa / Ingo Wagner)Ebenso wie der Unions-Finanzpolitiker Klaus-Peter Flosbach hält auch der Finanzwissenschaftler und Publizist Rudolf Hickel die Ideen zwar auch nicht für neu. Im Deutschlandfunk begrüßte Hickel aber, dass sie jetzt Themen des Bundestagswahlkampfs würden. "Es geht darum, im Kern nicht das ganze Bankensystem abzuschaffen, sondern, so wie ich das formuliert habe, das Bankensystem wieder zu bändigen, so sagt Steinbrück, und ich sage, zurückzuführen auf seine dienende Funktion."



Mehr zum Thema:

Ein Rettungsschirm für Geldinstitute - Peer Steinbrück stellt sein neues Bankenkonzept vor
"Die Idee ist in gewisser Weise eine Selbstverständlichkeit" - für Finanzwissenschaftler Rudolf Hickel hat Steinbrücks geforderte Bankenregulierung keine Novität

 

Letzte Änderung: 02.10.2013 13:58 Uhr

Beitrag hören

 
 
Dradio Audio
Kein Audio aktiv
 
 
 
 
 

Für dieses Element wird eine aktuelle Version des Flash Players benötigt.

Jetzt Im Radio

Deutschlandfunk

MP3 | Ogg

seit 23:10 Uhr Das war der Tag

Deutschlandradio Kultur

MP3 | Ogg

seit 23:05 Uhr Fazit

DRadio Wissen

MP3 | Ogg

seit 21:00 Uhr Green goes Black

Aus unseren drei Programmen

Clinton oder TrumpWen wählt der amerikanische Wutbürger?

US-Wahlkampf 2016: Hillary Clinton und Donald Trump kämpfen um das Amt. (picture / alliance / dpa / Collage Deutschlandradio)

Ob die Demokratin Hillary Clinton als erste Frau das US-Präsidentenamt übernimmt oder ob die größte Demokratie der Welt künftig von dem republikanischen Populisten Donald Trump angeführt wird: Ausschlaggebend werden die Stimmen der Unentschlossenen sein.

GesellschaftGlücklichsein gegen den Terror

Ein kleines Mädchen wirft vor Freude die Arme in die Luft. (imago stock&people)

Ist es egoistisch, in Zeiten von Terror und Gewalt auch Glück zu empfinden? Nein, meint die Soziologin Hilke Brockmann. Vielmehr sei das auch ein Statement gegen Terroristen, die genau dieses Glück beschädigen wollten.

Armin Nassehi"Religion ist etwas Wildes"

(dpa / picture alliance / Erwin Elsner)

Der Münchner Soziologe Armin Nassehi ist Sohn einer katholisch sozialisierten Schwäbin und eines Iraners. Er hat sich als junger Mann für die Taufe entschieden. Heute bezeichnet er sich als Kultur-Katholik. Er hadert immer wieder mit der Religion. Denn "sie kann sehr gefährlich sein."

Papst in AuschwitzIn aller Stille

Papst Franziskus berührt mit dem rechten Arm die sogenannte "Schwarze Wand" in Auschwitz. (picture alliance / dpa / Radek Pietruszka / PAP)

Papst Franziskus hat im früheren deutschen Konzentrations- und Vernichtungslager Auschwitz der Opfer der Nationalsozialisten gedacht. Anders als seine Vorgänger verzichtete er auf öffentliche Worte. Stattdessen betete Franziskus lange und traf sich mit Überlebenden.

Rücktritt von Schweinsteiger"Es war mir eine Ehre"

Bastian Schweinsteiger applaudiert dem Publikum bei der EM 2016 (imago sportfotodienst)

Der Weltmeistertitel bleibt sein krönender Abschluss: Kapitän Bastian Schweinsteiger beendet nach 120 Länderspielen seine Karriere in der deutschen Fußball-Nationalmannschaft. Er habe den Bundestrainer gebeten, ihn in Zukunft bei der Nominierung nicht mehr zu berücksichtigen.

Politologin Gesine Schwan"Ich lebe, um die Welt besser zu machen"

Gesine Schwan im Studio von Deutschlandradio Kultur (Stefan Ruwoldt / Deutschlandradio)

Um Demokratie und Rechtsstaat gegen Populisten zu verteidigen, müssen alle mittun: Das verlangt die Politologin Gesine Schwan. Sie komme aus einer konfliktreichen Familie, in der beim Essen viel über politisches Engagement und den Weltfrieden diskutiert wurde.

 

Nachrichten

 
 

Nachrichten

Pro-Erdogan-Demo  Gabriel warnt vor Spaltung der Gesellschaft | mehr

Kulturnachrichten

Georg Uecker findet Zuspruch bei Freunden und Kollegen  | mehr

Wissensnachrichten

Beziehungen  Bei Streiten an die Zukunft denken | mehr