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Stephanie Gebert

»Ich bin angekommen.«

schwarz-weißes Porträtfoto von Stephanie Gebert
Stephanie Gebert (Deutschlandradio)

Ich bin eine Spätzünderin – jedenfalls wenn es um meine Liebe zum Radio geht. Gern erzählen Journalisten die Anekdote, wie sie sich schon als Kind ständig mit dem Rekorder aufgenommen haben. Das würde mir nicht über die Lippen kommen. Es musste die erste Lebenskrise her, um meine Leidenschaft für den Hörfunk zu entfachen.

Stephanie Gebert ist Redakteurin und Moderatorin beim Deutschlandradio.

Dann aber hat es ordentlich gefunkt und ich habe lange Zeit daraufhin gearbeitet und alle Hürden genommen, die nötig waren, um vors Mikrofon zu kommen.Dafür musste ich in der niedersächsischen Heimat erst einmal über den zweiten Bildungsweg mein Abitur machen. Und das hieß: drei Jahre lang täglich mit dem Bus über die Dörfer in die nächstgrößere Stadt zuckeln, um wieder die Schulbank zu drücken.

Danach ging es zum Journalistikstudium nach Leipzig und von dort weiter zum Volontariat nach Köln. Anderthalb Jahre lang habe ich bei der Deutschen Welle gearbeitet, als diese noch ein deutsches Radioprogramm produzierte, und bin schließlich beim Deutschlandfunk gelandet.

Was mich hier immer wieder begeistert, ist die Abwechslung: Woran glauben die Bahá'í, welche Ziele verfolgen die Sandinisten in Nicaragua und warum ist die Tobinsteuer niemals eingeführt worden? – Ich habe das Privileg, auf viele meiner Fragen Antworten finden zu können und damit auch noch meinen Lebensunterhalt zu verdienen. Gleichzeitig wechsle ich ständig meine Position: Ich bin als Nachrichtenredakteurin bei DRadio Wissen für das Schreiben der Meldungen, aber auch für die Präsentation vor dem Mikrofon verantwortlich. Außerdem moderiere ich die ›Deutschlandfunk Radionacht‹ und begleite Hörerinnen und Hörer durch diese ganz besondere (Tages-) Zeit. Und dabei hält auch das Nachtprogramm vor allem Vielfalt bereit. Denn hier werden die besten Sendungen und Beiträge vom Tage wiederholt und es tauchen neben den Kommentaren zur aktuellen politischen Lage in der Welt eben auch die ›Sternzeit‹ – der astronomische Blick auf den Tag – oder der Beitrag über außergewöhnliche Kunstaktionen in New York auf. Seit einem Jahr bin ich außerdem als Reporterin für ›Das Wochenendjournal‹ in ganz Deutschland unterwegs und sitze bei Menschen zu Kaffee und Kuchen auf der Couch, die als Weinkönigin mit Kanzler Willy Brandt getanzt haben oder als Drag Queen das Publikum verzaubern.

Ob ich den Hörern nun also nachts um drei über den Äther nahe bin oder meinen Interviewpartnern nachmittags um drei auf dem Sofa: Ich habe erreicht, was ich wollte, ohne genau zu wissen, dass dies das Ziel war – damals in den drei Jahren Busfahrt zur Hochschulreife. Aber mir scheint: Ich bin angekommen.

Stephanie Gebert

 

 

 

 

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