Aktuell-Archiv des früheren dradio.de-Auftritts / Archiv /

 

Sterbehilfe: Gerichtshof für Menschenrechte fällt kein Urteil

Deutsche Gerichte formal beanstandet

Wer soll über das Lebensende entscheiden? (AP)
Wer soll über das Lebensende entscheiden? (AP)

Gibt es ein Grundrecht auf Sterbehilfe? Diese Frage hat der Europäische Gerichtshof für Menschenrechte nicht beantwortet. Den Richtern lag die Beschwerde eines Witwers vor, dessen schwerstbehinderte Frau in Deutschland vergeblich eine Genehmigung für den Erwerb einer tödlichen Dosis Schlafmittel beantragt hatte.

Zur Sachfrage, ob deutsche Behörden einer querschnittsgelähmten Frau ein tödliches Medikament hätten gewähren müssen, nahmen die Straßburger Richter nicht Stellung. Die deutschen Gerichte hätten den Fall jedoch nicht ausreichend geprüft, beanstandeten die Richter. Der Witwer der Frau sei deshalb in seinen Rechten aus der Europäischen Menschenrechtskonvention verletzt. Deutschland wurde angewiesen, dem Kläger 2500 Euro Schmerzensgeld zu zahlen und rund 26.700 Euro für die entstandenen Kosten.

Deutsche Behörden hatten einer querschnittsgelähmten Frau ein tödliches Medikament verweigert. Sie war nach einem Sturz im Jahr 2002 gelähmt und auf künstliche Beatmung sowie ständige Betreuung angewiesen und wollte daher ihrem Leben ein Ende setzen. Ihr Mann brachte sie dann im Jahr 2005 in die Schweiz, wo sie sich mit Unterstützung des Sterbehilfe-Vereins Dignitas getötet hat. Der in Braunschweig lebende Witwer reichte Beschwerde beim Europäischen Gerichtshof für Menschenrechte ein - er sieht das Recht auf ein menschenwürdiges Sterben verletzt.

Nach Überzeugung des Witwers hat Deutschland gegen Artikel 8 der Europäischen Menschenrechtskonvention verstoßen, der das Recht auf Schutz des Privatlebens garantiert. Dazu gehöre das Recht, selbstbestimmt und in Würde zu sterben, argumentiert der 69-Jährige. Auch seine Rechte seien verletzt worden, weil er mit seiner Frau gelitten habe und die letzte Reise habe organisieren müssen.

Deutsche Gerichte hatten die Klagen des Mannes abgewiesen, da er nicht in eigenen Rechten verletzt sei und auch nicht im Namen seiner verstorbenen Frau klagen könne. Das kritisierte der Gerichtshof: Aufgrund der engen persönlichen Verbundenheit habe der Kläger "ein starkes und fortbestehendes Interesse" gehabt, seine Beschwerde gerichtlich prüfen zu lassen. Dem hätten die deutschen Gerichte nicht entsprochen


Mehr zum Thema auf dradio.de:

"Aus altruistischen Motiven" - Regierung streitet über Verbot von Sterbehilfe
Passive Sterbehilfe ist nicht strafbar - Bundesgerichtshof spricht Anwalt, der Sterbehilfe empfahl, frei
Ärztliche Sterbehilfe im Luxushotel - In den Niederlanden soll eine einzigartige Klinik entstehen
Maßnahmen gegen Sterbetourismus - Schweiz erwägt strengere Auflagen für Sterbehilfeorganisatoren
Ein Teil des Lebens - Zu Besuch bei der Sterbehilfeorganisation "Exit"

 

Letzte Änderung: 02.10.2013 13:55 Uhr

Beitrag hören

 
 
Dradio Audio
Kein Audio aktiv
 
 
 
 
 

Für dieses Element wird eine aktuelle Version des Flash Players benötigt.

Jetzt Im Radio

Deutschlandfunk

MP3 | Ogg

seit 10:10 Uhr Sprechstunde

Deutschlandradio Kultur

MP3 | Ogg

seit 11:00 Uhr Nachrichten

DRadio Wissen

MP3 | Ogg

seit 10:00 Uhr Grünstreifen

Aus unseren drei Programmen

Microsoft-Gründer Bill Gates"Auf eine Pandemie sind wir am wenigsten vorbereitet"

Microsoft-Gründer Bill Gates während der Münchner Sicherheitskonferenz. (dpa-Bildfunk / Matthias Balk)

Drei Szenarien machen Microsoft-Gründer Bill Gates Angst: Ein Atomkrieg, eine Pandemie und der Klimawandel. Die Ausbreitung einer Krankheit über Kontinente hinweg bereite ihm aber am meisten Sorgen, sagte Gates im Deutschlandfunk. Denn darauf sei die Weltgemeinschaft am wenigsten vorbereitet. Und auch die neue US-Regierung beunruhige ihn.

SPD-Arbeitsmarktpolitik"Die Agenda 2010 wird nicht in Frage gestellt"

Der stellvertretende SPD-Vorsitzende Thorsten Schäfer-Gümbel. (imago / Jens Jeske)

Eine Abkehr von den umstrittenen Arbeitsmarktreformen ist es nicht: Der stellvertretende SPD-Bundesvorsitzende Thorsten Schäfer-Gümbel hält aber Korrekturen an der Agenda 2010 des früheren Bundeskanzlers Schröder für notwendig. Es habe Nebenwirkungen gegeben, die sich in den vergangenen Jahren verschärft hätten, sagte er im DLF.

Strukturen oder PersonenWer macht Geschichte?

Büste Napoleons (deutschlandradio.de / Annette Riedel)

Sind gesellschaftliche Strukturen entscheidend für den Gang der Geschichte? Oder schreiben doch die "großen Männer" Geschichte, wie Napoleon und jetzt Trump mit seinen vielen Dekreten? In einer Persönlichkeit verdichten sich Tendenzen einer Zeit, meint der Historiker Thomas Brechenmacher.

 

Nachrichten

 
 

Nachrichten

Justizreform  Polen erwartet Ende des Streits mit EU-Kommission | mehr

Kulturnachrichten

Kunstförderin und Journalistin Sofia Imber gestorben  | mehr

Wissensnachrichten

Wilderei  Waldelefanten vom Aussterben bedroht | mehr