Aktuell-Archiv des früheren dradio.de-Auftritts / Archiv /

 

"Stern"-Redakteurin erklärt Hintergrund ihres Brüderle-Porträts

Laura Himmelreich rechnete nicht mit jetzigen Reaktionen

Von Verena Herb

Rainer Brüderle, FDP (dpa)
Rainer Brüderle, FDP (dpa)

Rainer Brüderle (FDP) soll am Vorabend des Dreikönigstreffens 2012 der "Stern"-Journalistin Laura Himmelreich angeblich verbal zu nahe getreten sei. Diese Begnung beschrieb die Reporterin aktuell in einem Porträt des Politikers.

Der Tenor ihres Artikels sollte nie sein: Sie wurde von Rainer Brüderle belästigt und jetzt will sie ihn an den Pranger stellen. Das erklärt die "Stern"-Autorin Laura Himmelreich gegenüber dem Deutschlandfunk. Ins Mikrofon will sie nichts sagen, doch liegt ihr daran, ihre Intention des Artikels persönlich klar zu stellen.

Zitieren ist also erlaubt.

Ihre Absicht sei es gewesen, aufzuzeigen, dass Brüderle ein Politiker sei, der aus der Zeit gefallen zu sein scheint. Und dass der 67-Jährige nun als Spitzenkandidat der FDP im Wahljahr 2013 ins Rennen geschickt wird – das passe nicht.

Längst ist die Diskussion in Medien und Politik eine andere: schon seit gestern Nachmittag sorgt "Der Herrenwitz" - so der Titel des Himmelreich Artikels - für Empörung. Der Fokus liegt dabei auf den Schilderungen der jungen Frau, wie Rainer Brüderle ihr am Vorabend des Dreikönigstreffens der FDP im vergangenen Jahr zu nahe getreten sei. Laura Himmelreich berichtet über ihre Zitat – "ganz eigenen Erfahrungen mit dem Mann, dem die FDP jetzt folgt". Sie zitiert Brüderle mit anzüglichen Sätzen – er habe Ihr auf den Busen geschaut und gesagt: "Sie können ein Dirndl auch ausfüllen". Sie beschreibt, wie er im Laufe des Gesprächs ihre Hand nimmt, diese küsst und sagt: "Ich möchte, dass sie meine Tanzkarte nehmen".

Schon seit gestern Nachmittag dreht sich das Reaktionen-Karussel – und immer mehr - Leser, Politiker und Medien - steigen auf: Vor allem die Tatsache, dass die Journalistin ihre Erlebnisse mit Rainer Brüderle erst jetzt, ein Jahr später, veröffentlicht, sorgt für Kritik. Rainer Stinner, der außenpolitische Sprecher der FDP-Bundestagsfraktion erklärt dazu heute früh im Deutschlandfunk,

"dass ich es für völlig unprofessionell halte. Und für abwegig halte, dass eine junge Dame, die sich vor über einem Jahr belästigt gefühlt hat, nach einem Jahr diese Belästigung auskramt. Und zwar genau zu dem Zeitpunkt, wo derjenige, von dem sie sich belästigt gefühlt hat, eine neue herausragende Position in einer Partei, die die Zeitung, in der sie schreibt, deutlich nicht gewogen ist, macht ... das ist so durchsichtig, und das ist so primitiv. Dass ich sage: Das fällt eher auf den Journalismus des 'Stern' zurück, als auf Herrn Brüderle."

Auch Doris Buchholz, Vorsitzende der FDP-Frauenorganisation, sagte der Nachrichtenagentur dapd, sie wisse nicht, warum die Journalistin ein ganzes Jahr warte und jetzt so eine Story daraus mache. FDP-Präsidiumsmitglied Jörg-Uwe Hahn spricht in "Spiegel Online" von einem Tabubruch.

Rainer Brüderle selbst hat sich bislang öffentlich nicht geäußert. Auch gibt es keine offizielle Stellungnahme seiner Partei.

Laura Himmelreich reagierte gestern bereits auf Twitter. Gegenüber dem Deutschlandfunk erklärt sie: Vor einem Jahr habe der "Stern" keinen Grund gesehen, ein Stück über Rainer Brüderle zu schreiben. Aufgrund seiner exponierten Position habe sich die Lage geändert.

Erst kürzlich hatte eine Reporterin von "Spiegel Online" über ähnliche Erfahrungen mit Mitgliedern der Piraten-Partei berichtet. Sie hatte geschildert, wie diffamierende Gerüchte über sie verbreitet wurden und sie öffentlich als Prostituierte bezeichnet wurde. Der Vorstand der Berliner Piraten entschuldigte sich später in einem öffentlichen Brief.

Die "Stern"-Journalistin Himmelreich erklärt gegenüber unserem Programm: Sie finde es wichtig, dass die Debatte über den Umgang zwischen Politikern und jungen Journalistinnen geführt werde. Allerdings habe sie nie beabsichtigt, diese Debatte anzustoßen. Und mit den heftigen Reaktionen – damit hatte sie nicht gerechnet.

Der folgende Beitrag wurde im Deutschlandradio vor den Äußerungen von Laura Himmelreich gegenüber dem DLF gesendet.

Mehr auf dradio.de:
"Stern"-Reporterin wirft Brüderle Aufdringlichkeit vor



Mehr bei deutschlandradio.de
 

Letzte Änderung: 02.10.2013 14:05 Uhr

Beitrag hören

 
 
Dradio Audio
Kein Audio aktiv
 
 
 
 
 

Für dieses Element wird eine aktuelle Version des Flash Players benötigt.

Jetzt Im Radio

Deutschlandfunk

MP3 | Ogg

seit 21:00 Uhr Nachrichten

Deutschlandradio Kultur

MP3 | Ogg

seit 20:03 Uhr Konzert

DRadio Wissen

MP3 | Ogg

seit 21:00 Uhr Green goes Black

Aus unseren drei Programmen

Italien vor dem VerfassungsreferendumRenzis Kampf um die Reformen

Der italienische Ministerpräsident Matteo Renzi geht über eine Bühne, im Hintergrund stehen die Wand projeziert die Wörter "Si". (imago/Pacific Press Agency)

Über 50 Millionen Italiener werden am 4. Dezember über die größte Reform ihrer Verfassung entscheiden. Sie soll den Gesetzgebungsprozess vereinfachen und das Land reformierbarer machen. Doch das ist umstritten. Für Italiens Ministerpräsident Matteo Renzi, Befürworter der Reform, hängt viel von dem Ausgang des Referendums ab.

USA"Polizisten sind nicht immun gegen Angst"

Skid Row ist ein Viertel von L.A. - etwa 50 Häuserblöcke im Schatten der glitzernden Wolkenkratzer von Downtown. Hier leben rund 10.000 Obdachlose. Viele von ihnen sind drogenabhängig. Die meisten haben einen afro- oder lateinamerikanischen Hintergrund. Skid Row ist das Revier von Officer Deon Joseph. 

Anne Franks Schicksal als TanzstückHineinversetzen in den Schrecken

Ein Foto von Anne Frank, entstanden um das Jahr 1941. Anne Frank war damals ungefähr 11 Jahre alt. (picture-alliance / dpa / Anne Frank Fonds Basel)

Das Nordharzer Städtebundtheater hat die Schicksale der Mädchen Anne Frank und Lilly Cohn in dem Tanztheaterstück "Ich schweige nicht" szenisch umgesetzt - unter anderem in der Klaussynagoge Halberstadt. Die jungen Tänzer haben das Stück selbst entwickelt.

Nachruf auf Gisela MayVon Mutter Courage zu "Muddi"

Gisela May 1973 im Frankfurter Schauspielhaus (dpa / picture alliance / Manfred Rehm)

Sie spielte Brecht am Berliner Ensemble und sang Brecht in aller Welt: Gisela May war eine der renommiertesten Bühnenkünstlerinnen der DDR. Nach der Wiedervereinigung trat sie in der erfolgreichen Fernsehserie "Adelheid und ihre Mörder" auf. Heute ist Gisela May im Alter von 92 Jahren gestorben.

Neues Nachrichten-Angebot "Niemanden von Informationen ausschließen"

Die Nachrichten-Redaktion des DLF erhält die Auszeichnung "Land der Ideen" für "nachrichtenleicht" (Land der Ideen)

Von heute an sendet der Deutschlandfunk freitags nach den regulären Nachrichten um 20 Uhr in einem Wochenrückblick die wichtigsten Nachrichten in "Einfacher Sprache". Das Angebot richtet sich an Menschen, die den üblichen Sendungen nicht ohne Weiteres folgen können - aus den verschiedensten Gründen.

US-WahlBitte nachzählen

In drei Bundesstaaten der USA muss nach der Präsidentschaftswahl noch einmal ausgezählt werden. Doch das ist gar nicht so einfach, wie es klingt. Weil sich die Wahlverfahren unterscheiden und vom Retro-Wahlcomputer aus den Achtzigern bis zum Feld, das ausgemalt und nicht angekreuzt werden darf, alles dabei ist.

 

Nachrichten

 
 

Nachrichten

Syrien  Rebellen räumen weiteren Vorort von Damaskus | mehr

Kulturnachrichten

Schauspielerin und Sängerin Gisela May gestorben  | mehr

Wissensnachrichten

Genetik  Nach der Befruchtung regiert die Eizelle | mehr