Aktuell-Archiv des früheren dradio.de-Auftritts / Archiv /

 

"Stern"-Reporterin wirft Brüderle Aufdringlichkeit vor

FDP-Spitzenkandidat wird mit unangemessenen Bemerkungen zitiert

Von Verena Herb

Rainer Brüderle, FDP (picture alliance / dpa / Michael Kappeler)
Rainer Brüderle, FDP (picture alliance / dpa / Michael Kappeler)

Eine 29-jährige Autorin schildert im neuen "Stern", wie ihr der jetzige FDP-Spitzenkandidat Rainer Brüderle am Vorabend des Dreikönigstreffens 2012 angeblich verbal zu nahe getreten sei, somit ein Jahr nach dem Vorfall. Reaktionen gibt es viele, aber noch keine von Brüderle selbst.

Sie will Rainer Brüderle nicht an den Pranger stellen, sagt die "Stern"-Autorin Laura Himmelreich dem Deutschlandfunk. Ihre Intention war aufzuzeigen, dass Brüderle ein Politiker sei, der aus der Zeit gefallen zu sein scheint. Und dass der 67-Jährige nun als Spitzenkandidat der FDP im Wahljahr 2013 ins Rennen geschickt wird – das passe nicht. Laura Himmelreich lässt sich nur zitieren, sie will nichts ins Mikrofon sagen: Das übernimmt der Chefredakteur des Stern, Thomas Osterkorn. Er steht voll hinter dem Artikel und seiner Autorin:

"Das ist ein gesellschaftlich relevantes Thema und das wird jetzt breit über einzelne Parteien hinaus diskutiert. Wie nämlich Frauen sich oft gegen Annäherungsversuche, Witze, komische Anmache von Männern wehren können und wie man damit umgeht. Und wo die Grenze ist zwischen einem harmlosen Spruch und Herrenwitz und einer gewissen Zudringlichkeit, die einzelne Grenzen überschreitet."

Die Diskussion, die im politischen Berlin und in den Medien geführt wird, ist indes eine ganz andere. Im Fokus steht nicht allein die Schilderung von Laura Himmelreich, wie Rainer Brüderle ihr am Vorabend des Dreikönigstreffens der FDP im vergangenen Jahr zu nahe getreten ist. Dass er ihr auf den Busen geschaut und gesagt haben soll, sie "könne ein Dirndl ausfüllen" ... Vielmehr reiben sich die Kritiker daran, dass die 29-jährige Journalistin ihre Erlebnisse mit dem FDP-Spitzenkandidaten erst jetzt, ein Jahr später, veröffentlicht. Bundesaußenminister Guido Westerwelle bezeichnete "diese Art der Berichterstattung ein Jahr nach einem angeblichen Vorfall" gegenüber der Deutschen Presseagentur DPA als "zutiefst unfair". Sein Parteikollege Rainer Stinner geht noch weiter:

"Das ist so durchsichtig, und das ist so primitiv. Dass ich sage: Das fällt eher auf den Journalismus des Stern zurück, als auf Herrn Brüderle."

Laura Himmelreich erklärt, vor einem Jahr habe der Stern keinen Grund gesehen, ein Stück über Rainer Brüderle zu schreiben. Ihr Chefredakteur ergänzt, warum das 2012 kein Thema war:

"Weil ein solches Erlebnis als Einzelerlebnis keine Geschichte gewesen wäre. Laura Himmelreich hat vor einem Jahr eine Langzeitbeobachtung von Rainer Brüderle begonnen. Hat ihn sich angeguckt, hat ein unangenehmes Erlebnis gehabt und hat ihn dann sehr häufig im vergangenen Jahr bei verschiedenen Terminen und Veranstaltungen gesehen und beobachtet. Und ist dann zu dem Schluss gekommen, dass dieser Mann eine etwas merkwürdige Art im Umgang mit Frauen hat. Verbal und auch sonst."

Silvana Koch-Mehrin, einstige Vorzeigefrau der Liberalen, findet es gut, dass die "Stern"-Redakteurin den Mut hat, das Thema Anzüglichkeiten so offen zu benennen. Die Begründung Himmelreichs, durch Brüderles Kür zum Spitzenkandidaten haben die Dinge eine andere Relevanz bekommen, könne Koch-Mehrin verstehen, wird sie von der Nachrichtenagentur Reuters zitiert.

Rainer Brüderle selbst äußert sich nicht zu den Vorwürfen. Und auch aus der FDP-Parteizentrale heißt es nach wie vor: Kein Kommentar.

 

Letzte Änderung: 02.10.2013 14:05 Uhr

Beitrag hören

 
 
Dradio Audio
Kein Audio aktiv
 
 
 
 
 

Für dieses Element wird eine aktuelle Version des Flash Players benötigt.

Jetzt Im Radio

Deutschlandfunk

MP3 | Ogg

seit 06:50 Uhr Interview

Deutschlandradio Kultur

MP3 | Ogg

seit 05:07 Uhr Studio 9

DRadio Wissen

MP3 | Ogg

seit 06:30 Uhr Hielscher oder Haase

Aus unseren drei Programmen

ItalienBeppe Grillos Jagd auf den Killer-Journalismus

Beppe Grillo, der Anführer der "5-Sterne"-Bewegung, wirbt am 2. Dezember 2016 in Turin für ein "Nein" beim Referendum über eine Verfassungsreform in Italien. (dpa / picture alliance / ANSA / Alessandro Di Marco)

Roms Bügermeisterin Virginia Raggi war angetreten, die Regierungsfähigkeit von Beppo Grillos Fünf-Sterne-Bewegung zu demonstrieren. Doch stattdessen sorgt sie fast täglich für schlechte Presse. Grillo macht dafür einen Killer-Journalismus verantwortlich. Nun stellt er besonders verhasste Medienvertreter gezielt an den Pranger.

Zur Merkel-Kritik von Walter Kohl"Man schaut in einen fürchterlichen Abgrund"

Der Unternehmer und Coach Walter Kohl ist der älteste Sohn von Altkanzler Helmut Kohl. (dpa/picture-alliance/Inga Kjer)

Walter Kohl beschuldigt die Kanzlerin Angela Merkel, Anteil am Tod seiner Mutter zu haben. Der älteste Sohn von Hannelore und Helmut Kohl kritisiert Merkels Umgang mit der CDU-Parteispendenaffäre. Unser Kollege Stephan Detjen sieht die Aussagen als Ausdruck zerrütteter Familienverhältnisse.

KorruptionsregisterEin Gesetzentwurf ohne große Chancen

Bauarbeiter errichten ein Stahlgeflecht in Brandenburg.  (dpa-Bildfunk / Patrick Pleul)

Das Bundeswirtschaftsministerium will Unternehmen, die durch Korruption und andere Delikte auffällig wurden, von öffentlichen Aufträgen ausschließen. Das soll über ein Wettbewerbsregister geschehen. Volker Finthammer meint: Angesichts der vielen Parallelen mit früheren Versuchen liege die Vermutung nahe, dass auch dieser Vorstoß ins Leere laufe.

Lohme auf RügenBürgermeister kämpft für ein zweites Sylt

Der Bürgermeister der Gemeinde Lohme auf Rügen, Matthias Ogilvie: Er und seine Mitstreiter wollen einen Investor im Ort ein Hotel mit "Medical Spa" bauen lassen. Außerdem Appartements, Wohnhäuser und  (picture alliance / dpa / Stefan Sauer)

Ein großartiger Blick von der Steilküste - der lässt sich doch vermarkten! In dem hoch verschuldeten Dorf Lohme auf Rügen tobt der Streit um ein neues Wellness-Zentrum, das Touristen in Massen anlocken soll. Wird sich der Bürgermeister aus dem Westen durchsetzen können?

Themenreihe Mittelpunkt MenschLehrer und blind

(Deutschlandradio / Jan Lehmann)

Martin Park erkennt jeden seiner Schüler an der Stimme. Denn sehen kann er sie nicht: Der Französisch- und Erdkundelehrer ist blind. Dass er trotz seiner Behinderung an einem Gymnasium unterrichten kann, verdankt er seinem Biss - aber auch Menschen, die ihm etwas zugetraut haben. Für ihn bedeutet Inklusion daher: Fordern, aber auch gefordert werden.

KARNEVAL UND FASCHINGFest für Herpes und Geschlechtskrankheiten

Heute beginnt in den Faschings-, Fastnachts- und Karnevalshochburgen die ganz heiße und sündige Zeit: Es wird gesoffen, geknutscht und gefummelt. Doch Vorsicht: Auch Herpesviren und Geschlechtskrankheiten lieben die tollen Tage.

 

Nachrichten

 
 

Nachrichten

USA  Trump will Atomwaffenarsenal ausbauen | mehr

Kulturnachrichten

Der "César" gibt sich die Ehre  | mehr

Wissensnachrichten

Artenschutz  Hunde spüren Geparden auf | mehr