Aktuell-Archiv des früheren dradio.de-Auftritts / Archiv /

 

Steuereinnahmen sprudeln, Staatsverschuldung steigt

Bundesregierung erwartet Rekordeinnahmen von mehr als 600 Milliarden Euro

Steuereinnahmen auf Rekordkurs (Stock.XCHNG / Sanja Gjenero)
Steuereinnahmen auf Rekordkurs (Stock.XCHNG / Sanja Gjenero)

Dank der guten Wirtschaftslage sind im September die Steuereinnahmen überraschend stark gestiegen. Bis Ende des Jahres werden Rekordeinnahmen erwartet. Der Bund der Steuerzahler kritisierte, dass trotzdem die Neuverschuldung im Bundeshaushalt 2013 bis dato nicht korrigiert wurde.

Dem deutschen Staat winken in diesem Jahr Rekordsteuereinnahmen. Im September verbuchten die öffentlichen Kassen (mit Ausnahme der reinen Gemeindesteuern) ein Einnahmeplus von 4,2 Prozent im Vergleich zum Vorjahresmonat. Das geht aus dem Monatsbericht des Bundesfinanzministeriums hervor. Für das gesamte Jahr wird ein höherer Einnahmerekord angenommen als bisher erwartet . Zum Jahresende zeichnet sich ab, dass die Steuereinnahmen des Gesamtstaats erstmals die 600-Milliarden-Marke knacken könnten.

Von Januar bis September stiegen die Staatseinnahmen demnach um 5,6 Prozent auf mehr als 403 Milliarden Euro. Die Steuerschätzer waren bislang von 4,0 Prozent ausgegangen, also mehr als 100 Milliarden Euro weniger. Dass die Einnahmen nun derart stark gestiegen sind, hat den Angaben zufolge mehrere Ursachen:

  • Lohnsteuer: Die Löhne wurde in großen Branchen erhöht; die Zahl der Beschäftigungen steigt. Die Einnahmen aus dieser Steuer verbesserten sich im bisherigen Jahresverlauf um 6,6 Prozent auf 106,8 Milliarden Euro, verglichen mit Januar bis September 2011.

  • Körperschaftssteuer: Die "Einkommensteuer" vieler Unternehmen sprudelte wegen der guten Wirtschaftslage besonders stark. Bisher wurden in diesem Jahr 13,0 Milliarden Euro mehr eingenommen. Das entspricht einem Plus von 33,6 Prozent.

  • Umsatzsteuer: Der private Konsum zieht an. Die Steuern vom Umsatz weisen im September mit plus 7,0 Prozent gegenüber dem Vorjahr den im Jahresverlauf bisher größten Zuwachs auf und brachten rund 16,7 Milliarden Euro ein. Im den Monaten bis September sind es 144,7 Milliarden Euro. Das Weihnachtsgeschäft dürfte noch für ein weiteres Plus zum Jahresende sorgen.

Gründe für gute Wirtschaftslage

Deutschland lebt nach wie vor von seinen Exporten und seiner Industrie, sagte der Direktor des Instituts der deutschen Wirtschaft, Michael Hüther, im Deutschlandfunk. Die Bundesrepublik habe im weltweiten Standortvergleich rasant aufgeholt - innerhalb von 15 Jahren von Platz 14 auf 5. "Es muss mehr richtig als falsch gemacht worden sein und das ist ja in einer komplexen Gesellschaft ein beachtliches Ergebnis."

Steuerzahlerbund kritisiert Neuverschuldung

Der Bund der Steuerzahler bemängelt, dass trotz der erwarteten Rekordeinnahmen die Regierungskoalition im Bundeshaushalt 2013 eine Neuverschuldung von 18,8 Milliarden Euro einplant. Notwendig seien nun substanzielle Einsparungen, damit der Etat ohne neue Schulden auskommt. Die Schuldenuhr des Steuerzahlerbundes zeigte um 15:30 Uhr folgende Summe an: 2.055.168.183.758 Euro. Statistisch gesehen hat damit jeder Deutsche 25.124 Euro Schulden - 9 Euro mehr als noch vor einer Woche. Die Schuldenlast von Bund, Ländern und Gemeinden wächst nach dieser Modellrechnung um 1.335 Euro pro Sekunde.

Es gibt zahlreiche andere Forderungen, wofür das Steuerplus verwendet werden soll. Der Verband Familienunternehmer rief dazu auf, das Geld zur Konsolidierung der öffentlichen Finanzen zu nutzen. "Durch teure Ausgabenprogramme wie das Betreuungsgeld oder die Ausweitung von Rentenansprüchen wird die Lösung der Staatsschuldenkrise weiter in die Ferne gerückt", erklärte Verbandspräsident Lutz Goebel in Berlin. Die Arbeiterwohlfahrt forderte, verfügbare Mittel für den Ausbau der Kinderbetreuung zu verwenden. Der Grünen-Finanzexperte Gerhard Schick warnte die Koalition davor, die neuen Steuerdaten als Begründung für Steuersenkungen heranzuziehen. "Höhere Steuereinnahmen sind kein Grund für Wahlgeschenke", mahnte er Union und FDP.

 

Letzte Änderung: 02.10.2013 14:00 Uhr

Beitrag hören

 
 
Dradio Audio
Kein Audio aktiv
 
 
 
 
 

Für dieses Element wird eine aktuelle Version des Flash Players benötigt.

Jetzt Im Radio

Deutschlandfunk

MP3 | Ogg

seit 10:10 Uhr Marktplatz

Deutschlandfunk Kultur

MP3 | Ogg

seit 10:05 Uhr Lesart

Deutschlandfunk Nova

MP3 | Ogg

seit 10:00 Uhr Grünstreifen

Aus unseren drei Programmen

Jemen"Mittlerweile ist der Krieg im Süden für beendet erklärt"

Ein Kämpfer der schiitischen Huthi-Rebellen sitzt am 05.12.2017 in Sanaa (Jemen) in einem Pick-up Truck, der auf der Straße patrouilliert, die zum Haus von Jemens Ex-Präsident Saleh führt.  (dpa / picture alliance / Hani Al-Ansi)

Der Journalist Oliver Ramme ist der einzige Journalist, der aktuell aus dem Süden des Jemen berichten kann. "Die Lage hat sich weitestgehend entspannt", sagte Ramme im Dlf. Der Krieg sei fast überall vorbei. Allerdings würde die wirtschaftliche Lage die Menschen stark beschäftigen und Misstrauen in der Bevölkerung schüren.

Raus aus der FilterblaseWie wollen wir als Gesellschaft zusammenleben?

Anonyme Menschenmenge am Bahnhof  (Unsplash / Timon Studler)

Wie wir in Zukunft miteinander leben wollen, ist für den Aktivisten Shai Hoffmann eine wichtige Frage. Um Antworten zu finden, ist er mit dem "Bus der Begegnungen" durch ganz Deutschland gefahren. Hier teilt er seine drei wichtigsten Erkenntnisse.

Streikrecht für Beamte"Niemand wird gezwungen, Beamter zu werden"

Der Bundesvorsitzende des Deutschen Beamtenbundes, Ulrich Silberbach, spricht am 08.01.2018 in Köln (Nordrhein-Westfalen) auf der Jahrestagung.  (dpa / picture alliance / Oliver Berg)

Das Bundesverfassungsgericht verhandelt aktuell über das Streikrecht von Beamten. Ulrich Silberbach, Vorsitzender des Deutschen Beamtenbundes, lehnte Warnstreiks von Lehrern kategorisch ab. Arbeitsniederlegungen von Beamten würden zu heillosem Chaos im öffentlichen Dienst führen.

 

Nachrichten

 
 

Nachrichten

Sturmtief "Friederike"  Warnung vor Orkanböen | mehr

Kulturnachrichten

Lahav Shani folgt in Tel Aviv auf Zubin Mehta | mehr

 

| mehr