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Stichwahl in Ägypten fortgesetzt

Wahlbeteiligung nur sehr schwach

Nach Angaben von Beobachtern beteiligen sich nur wenige Ägypter an der Wahl. (picture alliance / dpa / Amel Pain)
Nach Angaben von Beobachtern beteiligen sich nur wenige Ägypter an der Wahl. (picture alliance / dpa / Amel Pain)

Es herrscht ein Klima des Misstrauens: In Ägypten hat der letzte Tag der Präsidentenwahl begonnen. Dabei entscheiden die Wähler, ob der Alt-Kader des Regimes, Ahmed Schafik, oder ob der Muslimbruder Mohammed Mursi an die Macht kommt. Die Wahlbeteiligung war zu Beginn des Urnengangs nur sehr schwach.

Mursis Organisation warb im Wahlkampf für eine "islamische Renaissance", Schafik, unter dem frühen Präsidenten Husni Mubarak bereits Minister, warb mit seiner Erfahrung. Zwischen den beiden sagen ägyptische Kommentatoren ein Kopf-an-Kopf-Rennen voraus. Die Auszählung soll in der Nacht zum Montag beginnen. Das offizielle Ergebnis ist dann für Mittwoch angekündigt.

Geringe Wahlbeteiligung

Dem ägyptischen Rechtsanwälte-Syndikat zufolge hatte die Wahlbeteiligung am ersten Tag in den meisten Wahllokalen nicht einmal 15 Prozent betragen. In Kairo und den bevölkerungsreichen Städten des Nil-Deltas machte sie nicht einmal fünf bis sieben Prozent aus, wie es in einem Bericht des Syndikats hieß. In der ersten Wahlrunde im Mai hatte die Wahlbeteiligung bei 46 Prozent gelegen.

Schafik steht für viele für das alte Regime

Viele Ägypter fürchten, dass mit Schafik die alte Riege wieder an die Macht zurückkehren könnte. Der ehemalige Luftwaffenoffizier soll dem regierenden Militärrat nahe stehen. Seine Kandidatur war am Donnerstagvom Verfassungsgericht für rechtmäßig erklärtworden. Gleichzeitig erklärte das Gericht das vor sechs Monaten gewählte Parlament für ungültig.

Damit ist fraglich, ob der herrschende Militärrat die Macht wie geplant Ende Juni an eine zivile Regierung abtreten wird. Der Militärrat hatte die Geschäfte übernommen, nachdem Präsident Husni Mubarak im Februar des vergangenen Jahres nach Massenprotesten zurücktreten musste.

Mursi gibt sich weniger radikal

Präsidentschaftskandidat Mohammed Mursi (picture alliance / dpa / Romain Beurrier)Mohammed Mursi (picture alliance / dpa / Romain Beurrier)Sein Kontrahent Mohammed Mursi repräsentiert die gemäßigten Islamisten und versteht sich als Kämpfer gegen eine Rückkehr des alten Regimes. Zuletzt hatte er im Wahlkampf den Schwerpunkt auf die Wirtschaft gelegt und weniger radikale Ansichten bei gesellschaftspolitischen Themen geäußert: Mit Versprechen an die Frauen, die jungen, linken "Revolutionäre" und die Christen versuchte er, auch Wählerschichten zu mobilisieren, die seiner Organisation eigentlich skeptisch gegenüberstehen.

Die Präsidentschaftswahl wird angesichts der Spannungen von einem Großaufgebot an Sicherheitskräften begleitet. Mehr als 400.000 Soldaten sind im Einsatz. In der ersten Runde im Mai hatte keiner der Kandidaten die erforderliche Mehrheit erreicht. Mit ersten inoffiziellen Ergebnissen wird Sonntagabend gerechnet.

Ban hofft auf "friedliche und offene Atmosphäre"

UN-Generalsekretär Ban Ki Moon rief zu friedlichen Wahlen in Ägypten auf. Kurz vor Öffnung der Wahllokale in dem nordafrikanischen Land sagte Ban in New York, er hoffe, dass die Stichwahl um die Präsidentschaft in einer "friedlichen und offenen Atmosphäre" verläuft. Die Wahlen seien "wichtiger Teil des Übergangs zu größerer Demokratie, für die das ägyptische Volk so geduldig und friedlich gekämpft" habe, so Ban.

Franziska Brantner, Europarlamentsabgeordnete der Grünen, zeigte sich im Gespräch mit dem Deutschlandfunk besorgt über die Lage in Ägypten. Auch nach einem Sieg Mohammed Mursis würde das Militär weiter in Ägypten herrschen, denn: "Sie müssen dann auch Deals mit den Militärs machen und dadurch die Glaubwürdigkeit jeglichen Neuanfangs in der Politik verlieren", erklärte Brantner. Ein erstes Zeichen sei die stark abnehmende Wahlbeteiligung, so die Politikerin weiter.

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Letzte Änderung: 02.10.2013 13:53 Uhr

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