Aktuell-Archiv des früheren dradio.de-Auftritts / Archiv /

 

Strategie gegen Islamisten in Mali

Militärische Planungskonferenz beginnt in Bamako

Eine Familie aus Nord-Mali, mit Hab und Gut in die Hauptstadt Bamako geflüchtet (picture alliance / dpa / Tanya Bindra)
Eine Familie aus Nord-Mali, mit Hab und Gut in die Hauptstadt Bamako geflüchtet (picture alliance / dpa / Tanya Bindra)

Internationale Verteidigungsexperten wollen von heute an ein Konzept für einen Militäreinsatz gegen radikale Islamisten im Norden Malis entwerfen. Deutschland könnte unter anderem bei der Ausbildung der malischen Streitkräfte helfen.

An der Planungskonferenz in der malischen Hauptstadt Bamako nehmen Vertreter der Afrikanischen Union (AU), der westafrikanischen Staatengemeinschaft ECOWAS, der UNO und Malis teil. Es geht darum, den Kampf gegen die radikalen Islamisten aufzunehmen, die den Norden von Mali seit Monaten terrorisieren, berichtet unser Korrespondent Alexander Göbel. Malis Partnerländer befürchten eine Destabilisierung der gesamten Region, wenn die Extremisten nicht gestoppt werden. Das Strategiepapier soll bis zum 15. November dem Weltsicherheitsrat vorgelegt werden.

Nachbarstaaten wollen 3.000 Soldaten entsenden

Die ECOWAS versucht seit den 1990er Jahren, Konflikte in der Region zu lösen - mit diplomatischen Initiativen und militärischen Interventionen. Treibende Kraft dabei ist das größte Mitgliedsland Nigeria. Jetzt will das Bündnis aus 15 Staaten 3.000 Soldaten in den Norden von Mali entsenden, um die islamistischen Milizen zu vertreiben. Die EU und Deutschland haben grundsätzliche Hilfe bei Logistik und Training zugesagt. Insbesondere die ehemalige Kolonialmacht Frankreich dringt auf ein höheres Tempo der Diskussion.

Kanzlerin Merkel gab grünes Licht für eine Beteiligung der Bundeswehr

Bundeskanzlerin Merkel bei einer Gefechtsübung der Bundeswehr (dpa / Jochen Lübke)Kanzlerin Angela Merkel erklärte grundsätzliche Bereitschaft für einen Einsatz (dpa / Jochen Lübke)Kanzlerin Angela Merkel erklärte bereits vorige Woche die grundsätzliche Bereitschaft für einen Mali-Einsatz: "Freiheitliche demokratische Staaten können nicht akzeptieren, dass der internationale Terrorismus im Norden des Landes ein sicheres Rückzugsgebiet erhält", hatte sie auf einer Bundeswehrtagung in Strausberg festgestellt. "Wir wissen, dass die Streitkräfte Malis zu schwach sind zu handeln. Sie brauchen Unterstützung."

Auch bei einem Ausbildungseinsatz der Bundeswehr müssten deutsche Soldaten bewaffnet sein, was wiederum ein Bundestagsmandat voraussetzen würde. Derzeit wird die Unterstützung der malischen Streitkräfte durch Training und Ausbildung der Bundesregierung kontrovers diskutiert.

Konflikt in Mali: Clinton trifft Algeriens Präsidenten Bouteflika

Us-Außenministerin Hillary Clinton trifft algerischen Präsidenten Bouteflika (picture alliance / dpa / Ryad Kramdi)Us-Außenministerin Hillary Clinton trifft den algerischen Präsidenten Bouteflika (picture alliance / dpa / Ryad Kramdi)US-Außenministerin Hillary Clinton hat am Montag mit Algeriens Präsident Abdelaziz Bouteflika Lösungsstrategien für den Konflikt in Mali diskutiert. Der Staatschef des größten nordafrikanischen Landes galt lange als einer der einflussreichsten Kritiker von Plänen für einen internationalen Militäreinsatz in Mali. Die beiden Länder haben eine fast 1400 Kilometer lange gemeinsame Grenze.

Mittlerweile gilt es als wahrscheinlich, dass Bouteflika eine Militärintervention afrikanischer Staaten unter UN-Mandat zumindest stillschweigend dulden würde.

Einsatz in Mali wird immer wahrscheinlicher

Seit Monaten ist Mali faktisch gespalten. Im Frühjahr hatte es in der Hauptstadt Bamako einen Militärputsch gegen den gewählten Präsidenten Amadou Toumani Touré gegeben. Seitdem wurde zwar wieder eine zivile Übergangsregierung eingesetzt, jedoch beschränkt sich deren Autorität auf den Süden des Landes. Im Norden haben Islamisten, die in Kontakt mit dem Terror-Netzwerk Al Kaida stehen, die Macht übernommen. Sie führen dort die islamische Scharia ein, mit drakonischen Strafen für nach westlichem Verständnis einfache Delikte. So wurden mehreren mutmaßlichen Dieben Körperteile abgeschnitten. Ein unverheiratetes Paar wurde gesteinigt. Sicherheitsexperten befürchten die Entstehung einer neuen Terroristen-Hochburg, das Schlagwort von einem "zweiten Afghanistan" macht die Runde.

Mehr zum Thema bei dradio:

Das zerrissene afrikanische Land- Gefahr der Radikalisierung in Mali
"Mali ist einfach nicht wichtig genug" - New Yorker Kulturwissenschaftler warnt vor Zerfall des afrikanischen Staates

 

Letzte Änderung: 02.10.2013 14:00 Uhr

Beitrag hören

 
 
Dradio Audio
Kein Audio aktiv
 
 
 
 
 

Für dieses Element wird eine aktuelle Version des Flash Players benötigt.

Jetzt Im Radio

Deutschlandfunk

MP3 | Ogg

seit 23:10 Uhr Das war der Tag

Deutschlandradio Kultur

MP3 | Ogg

seit 23:05 Uhr Fazit

DRadio Wissen

MP3 | Ogg

seit 21:00 Uhr Green goes Black

Aus unseren drei Programmen

Italien vor dem VerfassungsreferendumRenzis Kampf um die Reformen

Der italienische Ministerpräsident Matteo Renzi geht über eine Bühne, im Hintergrund stehen die Wand projeziert die Wörter "Si". (imago/Pacific Press Agency)

Über 50 Millionen Italiener werden am 4. Dezember über die größte Reform ihrer Verfassung entscheiden. Sie soll den Gesetzgebungsprozess vereinfachen und das Land reformierbarer machen. Doch das ist umstritten. Für Italiens Ministerpräsident Matteo Renzi, Befürworter der Reform, hängt viel von dem Ausgang des Referendums ab.

USA"Polizisten sind nicht immun gegen Angst"

Skid Row ist ein Viertel von L.A. - etwa 50 Häuserblöcke im Schatten der glitzernden Wolkenkratzer von Downtown. Hier leben rund 10.000 Obdachlose. Viele von ihnen sind drogenabhängig. Die meisten haben einen afro- oder lateinamerikanischen Hintergrund. Skid Row ist das Revier von Officer Deon Joseph. 

Anne Franks Schicksal als TanzstückHineinversetzen in den Schrecken

Ein Foto von Anne Frank, entstanden um das Jahr 1941. Anne Frank war damals ungefähr 11 Jahre alt. (picture-alliance / dpa / Anne Frank Fonds Basel)

Das Nordharzer Städtebundtheater hat die Schicksale der Mädchen Anne Frank und Lilly Cohn in dem Tanztheaterstück "Ich schweige nicht" szenisch umgesetzt - unter anderem in der Klaussynagoge Halberstadt. Die jungen Tänzer haben das Stück selbst entwickelt.

Nachruf auf Gisela MayVon Mutter Courage zu "Muddi"

Gisela May 1973 im Frankfurter Schauspielhaus (dpa / picture alliance / Manfred Rehm)

Sie spielte Brecht am Berliner Ensemble und sang Brecht in aller Welt: Gisela May war eine der renommiertesten Bühnenkünstlerinnen der DDR. Nach der Wiedervereinigung trat sie in der erfolgreichen Fernsehserie "Adelheid und ihre Mörder" auf. Heute ist Gisela May im Alter von 92 Jahren gestorben.

Neues Nachrichten-Angebot "Niemanden von Informationen ausschließen"

Die Nachrichten-Redaktion des DLF erhält die Auszeichnung "Land der Ideen" für "nachrichtenleicht" (Land der Ideen)

Von heute an sendet der Deutschlandfunk freitags nach den regulären Nachrichten um 20 Uhr in einem Wochenrückblick die wichtigsten Nachrichten in "Einfacher Sprache". Das Angebot richtet sich an Menschen, die den üblichen Sendungen nicht ohne Weiteres folgen können - aus den verschiedensten Gründen.

US-WahlBitte nachzählen

In drei Bundesstaaten der USA muss nach der Präsidentschaftswahl noch einmal ausgezählt werden. Doch das ist gar nicht so einfach, wie es klingt. Weil sich die Wahlverfahren unterscheiden und vom Retro-Wahlcomputer aus den Achtzigern bis zum Feld, das ausgemalt und nicht angekreuzt werden darf, alles dabei ist.

 

Nachrichten

 
 

Nachrichten

Syrien  Rebellen räumen weiteren Vorort von Damaskus | mehr

Kulturnachrichten

Schauspielerin und Sängerin Gisela May gestorben  | mehr

Wissensnachrichten

Genetik  Nach der Befruchtung regiert die Eizelle | mehr