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Strauss-Kahn wird gegen Kaution aus Haft entlassen

Anklage gegen ehemaligen IWF-Chef erhoben

IWF-Chef Dominique Strauss-Kahn vor dem Manhattan Criminal Court in New York (AP)
IWF-Chef Dominique Strauss-Kahn vor dem Manhattan Criminal Court in New York (AP)

Nachdem der erste Antrag auf Freilassung gegen Kaution am Montag abgelehnt wurde, darf der zurückgetretene IWF-Chef Dominique Strauss-Kahn die Gefängnisinsel Rikers Island verlassen. Die Suche nach seinem Nachfolger dauert an.

Die Kautionsauflagen sind umfassend: Strauss-Kahns Reisepass ist sichergestellt, eine Millionen Dollar in bar und Sicherheiten in Höhe von weiteren fünf Millionen Dollar muss Strauss-Kahn leisten. Der 62-Jährige wird in einem Appartement in Manhattan unter Hausarrest gestellt, das elektronisch überwacht wird.

Die Ankläger hatten sich bis zuletzt gegen eine Freilassung Strauss-Kahns gewehrt. Das Fluchtrisiko sei beträchtlich, sagte Vizestaatsanwalt John McConell, da Strauss-Kahn nach seiner Flucht alle Mittel habe außerhalb amerikanischer Rechtsbefugnisse ein schönes Leben zu führen.

Formelle Anklage erhoben

Fast zeitgleich mit der Kautionsentscheidung wurde durch ein Votum der Geschworenen offizielle Anklage erhoben. Die Grand Jury bestätigte alle Vorwürfe der Staatsanwaltschaft. Allein die beiden Vorwürfe sexueller Belästigung ersten Grades könnten bei einer Verurteilung mehr als 20 Jahre Haft bedeuten, berichtet Klaus Remme im Deutschlandradio Kultur . Der nächste Gerichtstermin soll am 6. Juni stattfinden.

Kritik an "medialem Pranger"

Dominique Strauss-Kahn vor Gericht in New York (picture alliance / dpa)Öffentlich präsentiert: Strauss-Kahn vor Gericht in New York (picture alliance / dpa)Die Bilder des gefesselten Strauss-Kahn gingen um die Welt. Die amerikanische Praxis des "perp walk", des öffentlichen Ganges des Festgenommenen von der Zelle zum Haftrichter, sei ein "vorverurteilender Schritt, der für den Beschuldigten von größter Persönlichkeitsrechtsgefährdung ist", sagte Medienanwalt Gernot Lehr im Deutschlandfunk. Durch die mediale Darstellung von Angeklagten sei die Gefahr einer Vorverurteilung durch Geschworene und Laienrichter in den USA noch stärker als in Deutschland oder im übrigen Europa. Tendenzen zu einer "Amerikanisierung" der deutschen Justizbehörden sieht Lehr beispielweise bei den Prozessen um den Ex-Wettermoderator oder der No-Angels-Sängerin Benaissa.

Auch Strauss-Kahns Parteifreund Jack Lang kritisiert dessen mediale Vorverurteilung. Dass Strauss-Kahn gefesselt im Fernsehen vorgeführt wurde, sei "schockierend und erniedrigend". Es sei nicht hinnehmbar, dass jemand an den Pranger gestellt werde, der nicht verurteilt wurde, betonte der ehemalige französische Kulturminister.

Diskussion um Neubesetzung der IWF-Spitze

Strauss-Kahn hatte zuvor seinen Rücktritt von seinem Amt an der Spitze des Internationalen Währungsfonds bekannt gegeben. Auf der Internet-Seite des IWF ist sein knappes Rücktrittsschreiben zu lesen. Der Rücktritt als IWF-Chef macht den Weg frei für eine schnelle Neubesetzung.

Wie auf der Internet-Seite zu lesen ist, will das IWF-Direktorium in naher Zukunft über das Neubesetzungsverfahren informieren. Derzeit führt der US-Amerikaner John Lipsky die Geschäfte.

Diskutiert wird, ob der nächste IWF-Chef wie bisher aus Europa kommen müsse. Schwellenländer wie China, Indien und Brasilien stellen Ansprüche. Die Schwellenländer haben profilierte Finanzexperten für den IWF-Chefposten ins Rennen gebracht. Südafrikas ehemaliger Finanzminister Trevor Manuel hat das Land mit IWF-nahen Rezepten regiert. Der Brasilianer Arminio Fraga Neto führte Brasilien aus der Hochinflation und Verschuldung heraus. Als möglicher Kompromisskandidat für Europäer und BRICS-Staaten (Brasilien, Russland, Indien, China und Südafrika), wird derzeit der türkische Wirtschaftswissenschaftler Kemal Dervis gehandelt.

Grundsätzlich sei ein IWF-Chef aus einem der Schwellenländer denkbar, sagt FDP-Finanzpolitiker Volker Wissing, aber zurzeit brauche es jemanden, "der europäische Abstimmungsprozesse nicht erst lernen muss".

Mehr in unserem Programm:

Reaktionen auf den Rücktritt von Strauss-Kahn in Frankreich (MP3-Audio)

IWF - der Rücktritt und die Begehrlichkeiten der Schwellenländer, DLF (MP3-Audio)

Direktor der Zukunft - Die Schwellenländer und ihre IWF-Chefposten-Kandidaten (Aktuell)

"Da sind die Franzosen einfach gut, auf dieser Klaviatur zu spielen" - Frankreich-Forscher zur Neubesetzung des IWF-Chefposten nach dem Rücktritt von Strauss-Kahn, DLF

Verschwörungstheorien in den Medien - Strauss-Kahn, Kachelmann und andere - Gespräch mit Thomas Leif, Journalist und Medienkritiker, DKultur (MP3-Audio)

 

Letzte Änderung: 02.10.2013 13:42 Uhr

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