Aktuell-Archiv des früheren dradio.de-Auftritts / Archiv /

 

Streit um Kampfdrohnen für die Bundeswehr

Bundesinnenminister kündigt Entscheidung über Anschaffung für das Frühjahr an

Was die US-Luftwaffe schon lange besitzt, Drohnen (hier vom Typ MQ-9 "Reaper"), soll die Bundeswehr auch bekommen (US DoD)
Was die US-Luftwaffe schon lange besitzt, Drohnen (hier vom Typ MQ-9 "Reaper"), soll die Bundeswehr auch bekommen (US DoD)

Kampfdrohnen - morgens in Afghanistan militärische Gegner attackieren, abends mit der Familie zuhause fernsehen. Die unbemannten, bewaffneten Flugkörper, die die Bundesregierung anschaffen will, sorgen in Politik, Bundeswehr und Zivilgesellschaft für Diskussionen.

Bundesverteidigungsminister Thomas de Maizière (CDU) sprach sich erneut für die Anschaffung aus und kündigte eine Entscheidung noch im Frühjahr an. "Unbemannte, bewaffnete Luftfahrzeuge unterscheiden sich in der Wirkung nicht von bemannten", sagte er der "Bild"-Zeitung: "Immer entscheidet ein Mensch, eine Rakete abzuschießen."

Auch der Vorsitzende des Bundeswehrverbands, Ulrich Kirsch, befürwortete die Anschaffung von Drohnen. Diese hätten einen großen Vorteil, sagte Kirsch im Deutschlandfunk: "Sie müssen kein Personal einsetzen. Und jede Soldatin, jeder Soldat, der nicht unmittelbar im Gefecht stehen muss, ist natürlich wünschenswert." Ähnlich äußerte sich der Wehrbeauftragte des Bundestages, Hellmut Königshaus (FDP). Er sagte den Dortmunder "Ruhr Nachrichten", die Bundesregierung habe klare und für ihn nachvollziehbare Gründe für den Einsatz dieser Maschinen genannt. "Für die Soldaten ist wichtig, dass zwischen dem Erkennen einer Bedrohung und der militärischen Reaktion nicht allzu viel Zeit vergeht. Diesen Vorteil bieten Kampfdrohnen gegenüber reinen Aufklärungsdrohnen." Daher wären diese Waffensysteme im Auslandseinsatz für die Bundeswehr von erheblichem Wert, meinte der FDP-Politiker, der schon im September 2012 für die Anschaffung bewaffneter Drohnen geworben hatte.

Sorgen um das Image der Bundeswehr

Seine Parteifreundin, die Sicherheitsexpertin Elke Hoff, äußerte hingegen Bedenken. Sie sorgt sich um das Image der Bundeswehr: "Meine größten Bedenken liegen darin, dass aufgrund der schon seit langem geführten Debatte über den Einsatz von Kampfdrohnen und durch unsere amerikanischen Verbündeten in Afghanistan und Pakistan der Eindruck entstehen könnte, dass es hier auch um gezielte Tötungen geht", erläuterte die FDP-Politikerin im Hessischen Rundfunk: "Bevor wir bewaffnete Drohnen beschaffen, brauchen wir eine klare sicherheitspolitische Begründung für den Einsatz."

Der verteidigungspolitische Sprecher der SPD-Fraktion, Rainer Arnold, forderte die Bundesregierung auf, sich nicht auf den Kauf von Drohnen festzulegen: Man sei gut beraten, solche kostspieligen Entscheidungen nicht kurz vor der Bundestagswahl zu fällen, sagte er den "Stuttgarter Nachrichten". Der verteidigungspolitische Sprecher der Grünen, Omid Nouripour, drängte auf eine Anpassung des internationalen Rechts. Immer mehr Länder hätten unbemannte Kampfsysteme zur Verfügung, sagte Nouripour im Deutschlandradio Kultur. Deutschland müsse sich international dafür einsetzen, dass für deren Einsatz Regularien geschaffen würden. Solange dies nicht der Fall sei, müsse man die ethische und rechtliche Debatte an den Anfang stellen.

Kirchenvertreter mahnen ethische Abwägung an

Auch Vertreter der Kirchen forderten eine ethische Abwägung und klare Schranken für den Einsatz von Kampfdrohnen. Es dürfe "keinesfalls zu einem gezielten Hinrichten von Personen durch Drohnen kommen. Dies widerspräche zutiefst allen unseren rechtlichen und ethischen Maßstäben", sagte der evangelische Militärbischof Martin Dutzmann.

Der Bamberger Erzbischof Ludwig Schick meinte, es müsse die Frage gestellt werden, "wie verhindert werden kann, dass mit den bewaffneten Drohnen die Schwelle der Gewaltanwendung herabgesenkt wird". Er sieht ein besonderes Problem auch in der wachsenden Präzision der neuen Waffen: "Ist es vertretbar, einen einzelnen Feind zu töten, wie wir es in Afghanistan oder im Nahen Osten inzwischen erlebt haben - oder ist dies nicht doch eine Form der nicht legalen Hinrichtung?"

 

Letzte Änderung: 02.10.2013 14:05 Uhr

Beitrag hören

 
 
Dradio Audio
Kein Audio aktiv
 
 
 
 
 

Für dieses Element wird eine aktuelle Version des Flash Players benötigt.

Jetzt Im Radio

Deutschlandfunk

MP3 | Ogg

seit 19:10 Uhr Sport am Sonntag

Deutschlandradio Kultur

MP3 | Ogg

seit 18:30 Uhr Hörspiel

DRadio Wissen

MP3 | Ogg

seit 00:00 Uhr DRadio Wissen

Aus unseren drei Programmen

Schwimmerin Yusra MardiniLebensretterin trainiert für Olympia

Füße an einem Schwimmbecken (imago stock)

Als Yusra Mardini und ihre Familie aus Syrien flohen, gerieten sie in Seenot. Kurzerhand sprang Mardini ins Wasser und zog das sinkende Boot an die griechische Küste. Nun lebt und trainiert die junge Syrerin in Berlin - und träumt von Olympia.

ForschungTierische Selbstheilung

Bonobos im zoologisch-botanischen Garten Wilhelma in Stuttgart, aufgenommen am 24.04.2015. (picture-alliance / dpa / Benjamin Beytekin)

Tiere werden krank, so wie der Mensch. Affen bekommen Schnupfen und Durchfall, Füchse stecken sich mit Tollwut-Erregern an, Insekten leiden unter Parasiten und Pilzbefall. So wie der Mensch haben sie erstaunliche Fähigkeiten entwickelt, ihre Krankheiten zu behandeln.

FlüchtlingeSoziale Marktwirtschaft für die Welt

Flüchtlingsbewegungen und Weltwirtschaft sind große Themen. Wie hängen beide zusammen? Welche Wirtschaftsstrukturen sorgen dafür, dass Menschen ihre Heimat verlassen wollen? Und wie könnte eine bessere globale Wirtschaftsordnung aussehen?

NeurowissenschaftDas Ganzkörperphantom

Astralreise, Seelenwanderung, Out-of-Body-Experience. Seit Jahrtausenden berichten Menschen immer wieder von Erlebnissen, bei denen sich Seele und Körper zu trennen scheinen. Alles erklärbar, sagt der Neurowissenschaftler Olaf Blanke: Wir haben es hier mit einem Ganzkörperphantom zu tun.

Protestkultur in Husum Nordfriesen proben den Aufstand

Kleine "Protestschweine" auf Husum. (Deutschlandradio / Jenny Marrenbach)

Eigentlich kämpfen Schweine nicht gegen Unterdrückung. Sie stöbern durch Gärten und suhlen sich lieber im Dreck. Das war auch in Husum so - jedenfalls bis 1864. Dann entdeckten die Husumer ihren Hang zum kreativen Protest.

SchiffskreuzfahrtFlanieren auf See

Ein Kreuzfahrtschiff im Hafen von Piräus (dpa/picture-alliance/George Christakis)

Kein Reisemarkt wächst derzeit so rasant wie die Hochsee-Kreuzfahrt. Das schwimmende Hotel entwickelt sich zu einer wichtigen Urlaubsform. Auf welchem Kurs befinden sich Zeitgenossen, wenn sie auf schwimmenden Wohnsilos organisierte Kreuzfahrten unternehmen?

 

Nachrichten

 
 

Nachrichten

AfD-Programm  "Der Islam gehört nicht zu Deutschland" | mehr

Kulturnachrichten

20.000 besuchen neueröffnete Hamburger Kunsthalle  | mehr

Wissensnachrichten

Insekten  Sex wie in einem Splatterfilm | mehr