Aktuell-Archiv des früheren dradio.de-Auftritts / Archiv /

 

Streit unter Griechenlands Geldgebern

Wie schnell müssen die Griechen ihre Schulden abbauen?

Euro-Gruppenchef Jean Claude Juncker und IWF-Chefin Christine Lagarde
Euro-Gruppenchef Jean Claude Juncker und IWF-Chefin Christine Lagarde (picture alliance / dpa / Christine Lagarde)

Zwischen der Eurogruppe und dem Internationalen Währungsfonds (IWF) herrscht Uneinigkeit, ob Griechenland mehr Zeit für den langfristigen Schuldenabbau bekommen soll. Erhält Athen zwei Jahre zusätzlich, könnten die Helenen weitere knapp 33 Milliarden Euro benötigen.

"Es gibt Meinungsverschiedenheiten über eine mögliche Streckung des Zeitplans zum Abbau der Staatsverschuldung", erklärte die Chefin des Internationalen Währungsfonds (IWF), Christine Lagarde, in Brüssel. Ursprünglich sollte Griechenland die von IWF und Eurozone gesteckten Ziele bis 2020 erreichen. "Aus unserer Sicht ist das ein angemessener Zeitplan", so Lagarde.

Berechnungen der EU-Kommission zufolge steigt Athens Schuldenstand von fast 177 Prozent in diesem Jahr auf knapp 189 Prozent im Jahr 2014. Der IWF macht einen Abbau des Schuldenstands auf etwa 120 Prozent zur Bedingung für weitere Hilfen, obwohl dieser Wert noch immer dem Doppelten des eigentlichen EU-Grenzwerts entspricht.

Juncker für Ausdehnung des Zeitplans

Eurogruppenchef Jean-Claude Juncker dagegen hatte sich nach einem Treffen der Mitgliedsländer der Währungsgemeinschaft dafür ausgesprochen, das Ziel eines Schuldenstands von 120 Prozent um zwei Jahre zu verschieben. Es gebe eine große Wahrscheinlichkeit, dass man die Zielmarke von 2020 auf 2022 setze, fügte Juncker hinzu. Lagarde indes bekräftigte: "Wir haben ganz klar unterschiedliche Ansichten."

Für den IWF sei wichtig, dass eine Tragfähigkeit der griechischen Schulden erreicht werde, führte Lagarde aus. Geht es nach dem IWF, dann sollen die Euroländer den Hellenen Schulden erlassen. "Alle Pisten werden geprüft", unterstrich Lagarde ihre Haltung. Diesmal widersprach Juncker: "Mein persönliches Gefühl ist: Zu einer Beteiligung des öffentlichen Sektors wird es nicht kommen."

Einigkeit bei Aufschub des Sparprogramms

Prinzipielle Einigkeit bei den internationalen Geldgebern besteht unterdessen darüber, Athen zur Erfüllung des auferlegten Sparprogramms einen Aufschub von zwei Jahren zu gewähren. Die "geänderten Haushaltsziele" wären "eine angemessene Anpassung angesichts der wirtschaftlichen Entwicklung", hieß es in einer Erklärung der Eurogruppe in der Nacht zum Dienstag. Die griechische Regierung hatte einen Aufschub von zwei Jahren bis 2016 zur Erfüllung der Sparauflagen gefordert. Erhält Griechenland aber zwei Jahre zusätzlich für die Erfüllung der Sparauflagen, könnte Athen demnach weitere knapp 33 Milliarden Euro benötigen. Wie diese Lücke finanziert werden soll, ist unklar. Man denke über viele Maßnahmen nach, zum Beispiel dass die Zinsen etwas gesenkt würden, es vielleicht frisches Geld vom Rettungsschirm ESM oder EFSF für einen Rückkauf von Staatsanleihen gebe, so unser Korrespondent Jörg Münchenberg.

"Man muss aufpassen, dass nicht die kleinen Bürger in Griechenland die Zeche bezahlen", sagte Jürgen Koppelin, Obmann der FDP im Haushaltsausschuss des Bundestags im Deutschlandfunk. Es gehe darum, den Griechen zu helfen und, im deutschen Interesse, die Wirtschaft nicht in Gefahr zu bringen.

Eine Entscheidung über die dringend benötigte nächste Hilfstranche wurde auf nächste Woche vertagt. In einer Sondersitzung wollen sich die Euro-Finanzminister dann noch einmal treffen, um über Bedingungen für die nächste Hilfszahlung an Griechenland zu entscheiden. Denn hier gibt es offenbar noch Klärungsbedarf.


Mehr auf bei dradio.de

Reichste Menschen haben bisher "wenig zur Lösung der Krise beigetragen" - Grüner Europapolitiker Giegold fordert fairere Verteilung der Kosten statt Schuldenschnitt für Krisenstaaten
Kommentar: Die Hilfe hilft nicht - Griechisches Sparpaket verabschiedet
Sendepause in Griechenland - Journalisten des öffentlich-rechtlichen Rundfunks sind im Dauerstreik
Fristverlängerung für Griechenland? Zeitungsbericht: Zwei Jahre mehr zur Budgetsanierung
Troika schlägt weiteren Schuldenschnitt für Griechenland vor - Öffentliche Gläubiger sollen auf Forderungen verzichten

 

Letzte Änderung: 02.10.2013 14:01 Uhr

Beitrag hören

 
 
Dradio Audio
Kein Audio aktiv
 
 
 
 
 

Für dieses Element wird eine aktuelle Version des Flash Players benötigt.

Jetzt Im Radio

Deutschlandfunk

MP3 | Ogg

seit 06:10 Uhr Geistliche Musik

Deutschlandradio Kultur

MP3 | Ogg

seit 04:05 Uhr Tonart

DRadio Wissen

MP3 | Ogg

seit 00:00 Uhr DRadio Wissen

Aus unseren drei Programmen

DVD-CollectionFrancis Ford Coppola

Der Regisseur Francis Ford Coppola freut sich im Jahr 1975 über vier Oscars für den Film "Der Pate – Teil II"

Seine Filme markierten zugleich den Höhe- und Endpunkt des amerikanischen New Hollywoodkinos: Francis Ford Coppola. Das Label Althaus hat nun erstmals in einer einzigen DVD-Edition seine wichtigsten Filme mit viel Bonusmaterial herausgebracht.

Xavier-Laurent Petit: Mein kleines dummes Herz"Eine einzigartige Gemeinschaft"

Frauen auf einem Markt in Touba, Senegal.

Die 9-jährige Sisanda ist die Protagonistin der Geschichte. Gemeinsam lebt sie mit Mutter und Großmutter in einem afrikanischen Dorf. Sisanda leidet an einem Herzfehler und braucht dringend eine Operation, die sie sich nicht leisten kann. Doch sie verliert nie den Mut.

VerfassungsrechtKrisen und Routine auch vor Gericht

Die Verfassungsrichter in Karlsruhe gelten als "Hüter der Demokratie". Susanne Baer ist eine von denen, die die rote Robe tragen dürfen. Die Richterin erzählt aus ihrem Alltag.

Starköche und Paarköche Wie kocht es sich als Sterne-Paar?

Die Starköche Sonja und Peter Frühsammer

Sonja Frühsammer hat gerade ihren ersten Stern bekommen. Ihr Mann Peter hat seinen schon länger. Zusammen kochen die beiden Spitzenköche in ihrem eigenen Restaurant.

Präsidentenwahl TunesienFavorit Essebsi gefällt sich als Vaterfigur

Beji Caid Essebsi hält eine Rede, im Hintergrund ist ein Frauengesicht in Übergröße auf einer Leinwand zu sehen

Tunesien wählt an diesem Sonntag seinen Präsidenten. Zum ersten Mal in einer wirklich freien Wahl. Es ist bereits eine Stichwahl. Übergangspräsident Moncef Marzouki will Präsident bleiben, doch er hat einen starken Herausforderer: Béji Caid Essebsi, Gründer der Partei "Nidaa Tounes".

Random Darknet ShopperZufälliges Zeug aus dem bösen Netz

Im Darkweb tummeln sich Menschen, die die Schnauze von Überwachung voll haben oder kriminell sind. Eine Künstlergruppe wagt eine Expedition ins böse Netz. Dafür haben sie einen Bot entwickelt und ausgesetzt: den Random Darknet Shopper.

 

Nachrichten

 
 

Nachrichten

Doppelmord an zwei Polizisten in New York  - Bezug zu Todesfällen von Schwarzen | mehr

Kulturnachrichten

Nordkorea fordert gemeinsame Ermittlungen mit USA zu Hackerangriff | mehr

Wissensnachrichten

Tiefsee-Fund  Neue Fischart in 8000 Metern Tiefe entdeckt | mehr