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Streit zwischen London und Buenos Aires schwelt weiter

Der Falklandkonflikt - heute und vor 30 Jahren

Von Jochen Spengler, Studio London

Ein britischer Soldat bei der Sicherung eines von Argentinien aufgegebenen Waffen- und Munitionslagers auf den Falklandinseln (1982) (picture alliance / dpa / PA)
Ein britischer Soldat bei der Sicherung eines von Argentinien aufgegebenen Waffen- und Munitionslagers auf den Falklandinseln (1982) (picture alliance / dpa / PA)

Der Falklandkrieg erinnert die Argentinier bis heute an eine schmerzliche Niederlage gegen die Briten. Noch heute streiten sich die Regierungen beider Länder um das Schicksal der Inseln, die seit 30 Jahren unter britischer Flagge stehen. Ein Blick in die Vergangenheit und die Gegenwart.

Nach sechs Wochen Trennung hat Catherine, Herzogin von Cambridge, ihren Gemahl längst wieder zurück. Anfang Februar war Prinz William als Rettungshubschrauberpilot der Royal Airforce routinemäßig versetzt worden - auf die 12.000 Kilometer entfernten Falkland-Inseln.

Williams Einsatz aber sorgte in Argentinien für Empörung. Es erhebt Besitzanspruch auf den windigen Archipel, der 350 Kilometer vor ihrer Küste liegt. Obwohl er bei der britischen Besiedlung unbewohnt war und Argentinien noch gar nicht existierte. Das letzte Wort über die Malvinas sei noch nicht gesprochen, verkündet die Präsidentin Cristina Fernandez de Kirchner:

"Wir verlangen, dass sich Großbritannien mit uns an den Verhandlungstisch setzt, wie es die UN-Resolution fordert. Wir sehen, dass es im 21. Jahrhundert noch immer eine grobe Kolonialmacht ist, aber eine, die sich im Niedergang befindet."

Noch immer schmerzt die Niederlage im Falklandkrieg vor 30 Jahren.

In der Nacht zum 2. April 1982 überfallen Hunderte Soldaten auf Befehl der argentinischen Militärjunta handstreichartig die 3000 Falkländer. Ein Tondokument enthüllt, wie der Moderator des Inselradios von einem Soldaten bedroht wird.

"Wenn Sie das Gewehr von meinem Rücken nehmen, dann verlese ich auch ihre Mitteilung."

Sir Hunt, der britische Gouverneur, wünscht in seiner letzten Radioansprache den Landsleuten viel Glück und verspricht ihnen die Rückkehr.

"Um 10 Uhr morgens ist alles vorbei - einige Dutzend Royal Marines ergeben sich der Übermacht."

"Während in Buenos Aires Hunderttausende auf der Plaza de Mayo den Sieg feiern, wird in London das Unterhaus zu einer Sondersitzung einberufen. "

Margaret Thatcher:

"Wir sind hier, weil das erste Mal seit vielen Jahren britisches souveränes Territorium durch eine fremde Macht besetzt wurde. Ich bin sicher, dass das ganze Haus mir beipflichtet in der klaren Verurteilung dieser unprovozierten Aggression durch die Regierung von Argentinien gegen britisches Gebiet."

Premierministerin Maggie Thatcher, innenpolitisch unter starkem Druck, zeigt sich entschlossen, die Argentinier rasch zurückzuschlagen. Auch wenn der befreundete US-Präsident Ronald Reagan ihr davon abrät

Die eiserne Lady bringt eine Kriegsschiffarmada auf den weiten Weg. Drei Monate dauert der brutale Krieg um die öde Inselgruppe, ehe die Premierministerin am 14. Juni 1982 vor dem Unterhaus verkündet:

"Eine große Anzahl argentinischer Soldaten hat ihre Waffen niedergelegt. Sie schwenken die weiße Fahne über Port Stanley. Nun werden Gespräche geführt über die Kapitulation der argentinischen Streitkräfte."

Die Bilanz des Krieges: 255 Marines, drei Inselbewohner und 649 argentinische Soldaten sterben - mehr als 300 allein als ein britisches Atom-U-Boot r den Kreuzer General Belgrano versenkte.

"I know it was right to sink her and I would do the same again."

Rechtfertigt Frau Thatcher die umstrittene Entscheidung. In den Jahren nach dem Krieg nehmen sich rund 300 britische Veteranen das Leben. Auch der Fallschirmspringer Tony Banks leidet lange Jahre an den psychischen Folgen des Krieges erzählt er im BBC-Interview:

"Wir waren nicht vorbereitet auf die Brutalität des Krieges, darauf, Kameraden zu verlieren, und Tod, Zerstörung und Verzweiflung zu sehen sagt er im BBC-Interview. Männer, die schreien in Todesqual, verbrannte Haut die wie Kerzenwachs vom Körper tropft, den Geruch werde ich nicht vergessen für den Rest meiner Tage."

Aber Margret Thatcher feiert ein Jahr nach dem Krieg ihre Wiederwahl und alle Pläne Großbritanniens für eine allmähliche Überführung der Falklands in die Souveränität Argentiniens verschwinden in der Schubalde sind Makulatur. Auf den Inseln wird bis heute links gefahren, Tee getrunken und inbrünstig die Hymne intoniert.

Derweil verstärkt Argentinien den politischen Druck. Fast alle Staaten Südamerikas unterstützen seinen Souveränitätsanspruch und verweigern Schiffen mit Falklandflagge und gelegentlich auch solchen aus Großbritannien den Hafenzugang. Besorgniserregend findet das konservative Unterhaus-Abgeordnete Andrew Rosindell und fragt seinen Regierungschef:

"Stimmt der Premierminister mit mir überein, dass die Handlungen der argentinischen Regierung höchst bedauerlich sind. Und wird er Argentinien daran erinnern, dass es den Falklandkrieg verloren hat."

Einer solchen Erinnerung bedarf es kaum. Aber die alten Reflexe funktionieren und David Cameron verspricht, militärisch wachsam zu bleiben.

"Der absolut wichtigste Punkt aber ist klarzumachen, dass die Zukunft der Falkland-Inseln eine Sache der Falkländer selbst ist; solange sie Teil des United Kingdom bleiben wollen, sollen sie dies dürfen. Was die Argentinier sagen, klingt viel eher nach Kolonialismus, weil nämlich die Bewohner britisch bleiben wollen, während die Argentinier von ihnen etwas anderes erwarten."

Trotz der akuten Spannungen muss man derzeit keinen neuen Waffengang befürchten - 2000 Marines schützen die 3000 Insulaner mit Typhoon-Jets, Luftabwehr und Schiffen. Fast 60 Prozent der Briten halten die Verteidigung der Falklands für richtig. Sie kostet offiziellen Angaben zufolge 72 Millionen, nach inoffiziellen Schätzungen über 200 Millionen Euro jährlich.

Auch die Versorgung des Archipels mit frischen Lebensmitteln ist kompliziert und erfolgt per Luftfracht von Chile aus - Argentiniens Präsidentin droht mit dem Entzug der Überflugerlaubnis.

Vermutlich wäre London längst kompromissbereit - hätte man nicht vor der Nordküste der Inseln Öl gefunden. Sollte sich die Vorkommen als förderwürdig erweisen, dann dürften die Spannungen im Südatlantik noch zunehmen.

 

Letzte Änderung: 02.10.2013 13:50 Uhr

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