Aktuell-Archiv des früheren dradio.de-Auftritts / Archiv /

Stresstest: Sicherheitslücken bei deutschen AKWs

Bericht der EU-Kommission deckt Mängel auf

Atomkraftwerk Biblis
Atomkraftwerk Biblis (dpa / picture alliance / Boris Roessler)

Deutschland Atomkraftwerke müssen nachgerüstet werden. Dies ist nach Agenturberichten das Ergebnis eines sogenannten "Stresstests" der EU-Kommission. Bundesumweltminister Peter Altmaier sieht die deutschen Atomkraftwerke trotzdem gut aufgestellt.

Wie jetzt bekannt wurde, weisen die zwölf deutschen Anlagen erhebliche Sicherheitsmängel auf. Dies geht aus dem Entwurf für einen Bericht der EU-Kommission hervor. Demnach fordert die Brüsseler Behörde, dass die Betreiber die installierten Warnsysteme nachbessern müssen. Zudem seien die Leitlinien für schwere Unfälle nicht umgesetzt.

Bundesumweltminister Peter Altmaier äußerte sich am Morgen im Deutschlandfunk. Der Bericht der EU-Kommission bestätige grundsätzlich den hohen Sicherheitsstandard deutscher Atomkraftwerke, so der Minister. "Wir haben immer gesagt, dass wir im Vergleich auch zu anderen Anlagen in Europa gut aufgestellt sind", erklärte Altmaier. "Das wird, wenn ich das richtig einschätzen kann, auch im Wesentlichen bestätigt."

Sollte der Bericht größere Mängel an den deutschen Atomkraftwerken monieren, werde die Bundesregierung eine offene Diskussion anregen und darauf reagieren, so der CDU-Politiker. Altmaier lehnte es aber ab, sich im Details zu äußern. Der Stresstest sei bisher weder beschlossen noch veröffentlicht.

Schwer beschädigter Reaktor in FukushimaSchwer beschädigter Reaktor in Fukushima (AP)

Kritik von Umweltschützern

DerBund für Umwelt und Naturschutz Deutschland (BUND) forderte eine Beschleunigung des Atomausstiegs. "Der Stresstest hat schon nach einer oberflächlichen und wenig kritischen Analyse deutliche Sicherheitsdefizite in Europas Atomkraftwerken sichtbar gemacht", erklärte BUND-Chef Hubert Weiger. Die Anlagen nachzurüsten sei teuer, eine Verbesserung der Sicherheit fragwürdig. "Echte Sicherheit kann nur die Abschaltung eines AKW bringen."

Auch die Umweltschutzorganisation Greenpeace fordert als Konsequenz aus dem Ergebnis des Berichts eine schnellere Abschaltung der deutschen Atomkraftwerke. "Bestätigt sich, dass Warnsysteme unzureichend sind und die Umsetzung von Leitlinien für schwere Unfälle mangelhaft ist, müssen die betreffenden Reaktoren sofort heruntergefahren werden", sagte Atomexperte Tobias Münchmeyer der "Neuen Osnabrücker Zeitung". Der Stresstest der EU-Kommission sei ein "Fanal für einen ganz-europäischen Atomausstieg".

Es war die Katastrophe im japanischen Fukushima vom vergangenen Jahr, die auch in Europa zu einem Umdenken geführt hatte. Die Frage nach der Sicherheit von Atomkraftwerken müsse neu gestellt werden, meinten damals Politiker und Umweltschützer in vielen EU-Mitgliedsländern. Die EU-Kommission ließ daraufhin alle 145 Meiler in der Europäischen Union überprüfen. Schlechter als die deutschen Atomkraftwerke schnitten die französischen Reaktoren ab.

Ergebnisse von 2011 bestätigt

Die deutschen Atomkraftwerke hatte im vergangenen Jahr bereits die nationale Reaktorsicherheitskommission unter die Lupe genommen – ebenfalls als Reaktion auf das Unglück in Japan. Das Ergebnis: Im Falle eines Absturzes größerer Flugzeuge auf Kernkraftwerke bestünde bei keiner Anlage ausreichender Schutz.

Immerhin schnitten die deutschen AKWs bei der Stromversorgung damals besser ab als die Anlagen in Fukushima. Alle verfügten über mehrere Notstromaggregate, von denen wenigstens zwei gegen äußere Einwirkungen geschützt seien. Eine Empfehlung, einzelne Kraftwerke in Deutschland abzuschalten, sprach die Kommission damals nicht aus.

 

Letzte Änderung: 02.10.2013 13:59 Uhr

Beitrag hören

 
 
Dradio Audio
Kein Audio aktiv
 
 
 
 
 

Jetzt Im Radio

Deutschlandfunk

MP3 | Ogg

seit 20:10 Uhr Aus Kultur- und Sozialwissenschaften

Deutschlandradio Kultur

MP3 | Ogg

seit 20:03 Uhr Konzert

DRadio Wissen

MP3 | Ogg

seit 00:00 Uhr DRadio Wissen

Aus unseren drei Programmen

DemokratieTüröffner und Strippenzieher

Lobby Control

Korruption ist kriminell, Interessenvertretung ganz legal - und oft viel subtiler. Mehr als 5000 Lobbyisten von Firmen und Verbänden arbeiten in der Hauptstadt und knüpfen ihre Netzwerke. Streng genug kontrolliert werden sie noch nicht.

KriminalitätZahl der Verurteilungen bei Vergewaltigungen gesunken

Eine Frau geht im Licht der Straßenlaternen alleine über eine dunkle Straße 

Laut einer Studie erreichen Frauen, die eine Vergewaltigung anzeigen, damit immer seltener eine Verurteilung des Täters. Einer der Gründe ist die Arbeitsüberlastung bei Polizei und Staatsanwaltschaft.

Record Store Day "Am Tresen wird über Platten gesprochen"

Eine Schallplatte wird in einem Musikfachgeschäft in Hannover (Niedersachsen) auf einem Plattenspieler abgespielt. 

Für Musikfans, kleine Labels und Plattenläden ist der "RSD", der ursprünglich aus den USA kommt, ein Fest. Limitierte Schallplatten werden in mehr als 300 Stores verkauft und Bands spielen live. Ein richtiger "Vinyl-Feiertag".

Situation in der Ukraine"Russland schürt den Konflikt"

Gunther Krichbaum (CDU), Vorsitzender des Europaausschusses im Bundestag

In der Ukraine tobe mehr ein Propagandakrieg als ein Bürgerkrieg, sagte der CDU-Politiker Gunther Krichbaum im DLF. Es gebe viele widersprüchliche Nachrichten, die Lage sei bizarr, berichtete er nach einem Besuch in der Stadt Donezk. Dennoch sei für ihn klar, dass Russland die Proteste befeuert.

Präsidentschaftswahl"Das algerische Volk ist müde"

Der algerische Schriftsteller Yasmina Khadra, Oktober 2013 auf der Frankfurter Buchmesse

Die Menschen seien gelähmt von ihrer Angst vor Gewalt, sagt der Schriftsteller Yasmina Khadra über die Lage in seiner Heimat Algerien. So fehle es an Kräften, die das Regime um Präsident Abdelaziz Bouteflika verjagen könnten.

Religion und HandwerkSchwere Zeiten für Glockengießer

Unter dem "Dicken Pitter", der größten Glocke des Kölner Doms liegt am Freitag (07.01.2011) der abgefallene Klöppel. Materialermüdung war der Grund für das Abbrechen des Klöppels, Der Klöppel war am Donnerstag beim Läuten abgefallen und auf die Wartungsebene des Glockenstuhls gestürzt.

Seit Jahrhunderten begleiten Kirchenglocken unseren Alltag. Aber die Situation der Kirchen hat sich verändert. Neue Gotteshäuser werden kaum noch gebaut, immer mehr Kirchen umgewidmet. Die Folgen spüren auch die Glockengießereien.

 

Nachrichten

 
 

Nachrichten

Genfer Ukraine-Gipfel einigt sich  auf Friedensfahrplan | mehr

Kulturnachrichten

Israelischer Journalist  nach Reise in den Libanon inhaftiert | mehr

Wissensnachrichten

Abitur  Abitur: G8 oder G9 macht keinen Unterschied | mehr