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Strom aus der Wüste

Desertec-Konsortium trifft sich in München

Das Desertec-Projekt will Solarstrom aus Nordafrika durch das Mittelmeer nach Europa transportieren.  (AP)
Das Desertec-Projekt will Solarstrom aus Nordafrika durch das Mittelmeer nach Europa transportieren. (AP)

Zwölf Großkonzerne haben in München einen Vertrag zur Gründung des Projekts "Desertec" unterzeichnet. Ziel der Initiative: Solarstrom aus Nordafrika in großen Mengen nach Europa zu befördern.

Das sogenannte Desertec-Konsortium hat heute in München zu einem Gründungstreffen geladen. Teilnehmer waren Vertreter deutscher Unternehmen, die bereit sind, in das gleichnamige Desertec-Projekt zu investieren. Hauptziel des Projektes ist der Aufbau von solarthermischen Kraftwerken in der Wüste Nordafrikas. Über ein Hochleistungsstromnetz soll der gewonnene Strom nach Europa transportiert werden. Geplant ist unter anderem ein Solarkraftwerk in Marokko. Auch Algerien hatte im Vorfeld Interesse daran signalisiert, Solarstrom aus der Sahara nach Europa zu leiten.

Hinter dem Desertec-Projekt steht die Desertec-Foundation; eine Stiftung, die den gemeinsamen Umbau der Energieversorgung im Norden Afrikas und Arabiens, aber auch in Europa hin zu regenerativen Energieträgern wie Sonne, Wind, Geothermie und Biomasse anregt.

Wie die Initiative unmittelbar nach dem Treffen mitteilte, sollen innerhalb von drei Jahren fertige Pläne zur Errichtung von Solarkraftwerken in Nordafrika vorgelegt werden. Ziel sei es, bis 2050 bis zu 15 Prozent des europäischen Strombedarfs mit Sonnen- und Windenergie aus den Wüstenregionen zu decken.

Für die Realisierung des Vorhabens, in Deutschland irgendwann Strom aus der Sahara nutzen zu können, sind Investitionen von etwa 400 Milliarden Euro notwendig. Eine teure, aber effiziente Möglichkeit sei es, am Ozeangrund Gleichstromkabel für den verlustfreien Transport zu verlegen. Bei Deutschland als Zielmarkt liefe ein Stromkabel durchs Mittelmeer, das in Spanien oder Italien an Land komme, und dessen Strom dann von da aus nach Deutschland weiter verteile, sagte Tony Patt vom Internationalen Institut für Systemanalyse in Laxenburg im Deutschlandfunk.

Nach Ansicht der Desertec-Foundation profitiert nicht nur Stromempfänger Deutschland von dem Projekt "Strom aus der Wüste". Anliegen sei es auch, mit dem entstehenden Strommarkt das wirtschaftliche Überleben in Nordafrika zu gewährleisten. Zudem stehe ebenfalls der Klimaschutz im Vordergrund. "Wir haben ein Ziel, das ist eine weltweite CO2-freie Stromerzeugung", sagte der Aufsichtsratsvorsitzende der Desertec-Stiftung Gerhard Knies im Deutschlandradio Kultur.

Die Welthungerhilfe und das katholische Hilfswerk Misereor forderten, von dem Projekt dürfe nicht nur Europa profitieren. Auch die Menschen vor Ort müssten den Solarstrom nutzen können.

Zu den Großkonzernen, die heute eine Absichtserklärung für den Beginn des Wüstenstrom-Projekts unterzeichneten, gehören unter anderem Eon, RWE und Siemens. Die Konferenz stand unter der Führung des Finanzkonzerns Münchner Rück.

Als Gegner der deutschen Initiative gilt die französische Atomlobby, die in Marokko gerne eigene Reaktoren errichten würde.

Links:
Projekt Desertec - Wie der Solarstrom aus Afrika nach Europa kommen soll (Hintergrund)
Solarstrom aus der Wüste - Eine Alternative für Europas Energieversorgung (Umwelt und Verbraucher)
Interview mit Stephan Kohler, Deutsche Energie-Agentur (Ortszeit)
Interview mit Max Schön, Präsident der Deutschen Gesellschaft des Club of Rome (Interview)



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Letzte Änderung: 02.10.2013 13:33 Uhr

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