Aktuell-Archiv des früheren dradio.de-Auftritts / Archiv /

 

Studie: Kohle- und Atomstrom teurer als Ökostrom

Ökostromanbieter und -produzenten wehren sich gegen Vorwurf der Preistreiberei

Das Kohlekraftwerk im saarländischen Ensdorf. (picture alliance / dpa / Becker&Bredel Claus Kiefer)
Das Kohlekraftwerk im saarländischen Ensdorf. (picture alliance / dpa / Becker&Bredel Claus Kiefer)

Einer Studie des Forums Ökosoziale Marktwirtschaft (FÖS) zufolge kommt die Förderung von Kohle- und Atomstrom den Verbraucher drei Mal teurer zu stehen als die Förderung von Strom aus erneuerbaren Energien. Bundesumweltminister Peter Altmaier fordert unterdessen eine bessere Koordination der Energiewende.

Würden bisher angefallene Kosten summiert und auf den Strompreis aufgeschlagen, läge eine solche Kohle- und Atomstromumlage bei 10,2 Cent je Kilowattstunde, ergab die in Berlin vorgestellte Studie des FÖS. Das wäre dreimal so hoch wie die über den Strompreis zu zahlende Umlage nach dem Erneuerbare-Energien-Gesetz (EEG). Es sei daher unfair, Ökostrom als Preistreiber zu kritisieren, hieß es.

Für die Studie des Forums Ökologisch-Soziale Marktwirtschaft (pdf-Datei)haben die Forscher eine fiktive Umlage bestimmt, wie sie für Kohle- und Atomkraftwerke nötig wäre - gesetzt den Fall, die Kosten dafür müssten auch über so einen Zusatzbeitrag wie die EEG-Umlage zusammenkommen. In sie flossen die bislang indirekt bezahlten Kosten für Strom aus Atom- und fossilen Energien wie Kohle ein. So wird zum Beispiel die Atommüll-Entsorgung zu einem großen Teil vom Staat bezahlt. Die Studie wurde im Auftrag von Greenpeace Energy und dem Bundesverband Windenergie erstellt.

Der Ausbau erneuerbarer Energien könnte nach Ansicht von Wissenschaftlern deutlich kostengünstiger für die Verbraucher gestaltet werden. Zu diesem Ergebnis kommt eine Studie des Rheinisch-Westfälischen Instituts für Wirtschaftsforschung (pdf-Datei). Sie wurde von der arbeitgebernahen Initiative Neue Soziale Marktwirtschaft (INSM) in Auftrag gegeben. Danach sollten die Vergütungen für erneuerbare Energien durch ein Quotensystem ersetzt werden: Es würde die Energieversorger dann dazu verpflichten sogenannte Grünstromzertifikate in Höhe einer vorgegebenen Ökostromquote zu kaufen.

Teurer Wettbewerb der Bundesländer

Bundesumweltminister Peter Altmaier CDU (dpa / Marcus Brandt)Bundesumweltminister Peter Altmaier CDU (dpa / Marcus Brandt)Die EEG-Umlage steht derzeit in der Diskussion. Wer erneuerbare Energie ins Stromnetz einspeist, bekommt dafür höhere Einspeisevergütungen als für Strom aus Atom-, Kohle- oder Gaskraftwerken. Das bezahlt der Verbraucher - mit einem Aufschlag nach dem EEG. Das Problem: Nördliche und südliche Bundesländer liefern sich schon jetzt einen Wettlauf beim Einspeisen von Windenergie. Sie produzieren mehr Ökostrom als geplant - deshalb steigen die Strompreise rasant.

Umweltminister Peter Altmaier (CDU) forderte deshalb heute "ein abgestimmtes Konzept von Bund und Ländern, wie viel Windenergie in den nächsten Jahren wo ausgebaut wird". So sollten weitere Überkapazitäten von Bund und Ländern vermieden werden. Ob die Energiewende teurer werde, hänge auch davon ab, wie sie in den kommenden Monaten organisiert werde, sagte Altmaier im Deutschlandfunk. Ohne Koordination drohten mittelfristig Überkapazitäten von bis zu 50 Prozent.

Vattenfall erwartet Preissteigerungen von über 30 Prozent bis 2020

Zugleich widersprach der Umweltminister einer vom Energiekonzern Vattenfall vorgelegten Prognose, nach der der Strompreis bis 2020 um bis zu ein Drittel steigen wird. Die Prognose beziehe sich auf längere Fristen und sei nicht seriös zu kalkulieren, kritisierte er.

Der Europachef des Versorgungsunternehmens, Tuomo Hatakka, hatte in der "Süddeutschen Zeitung" gesagt, die Umstellung auf alternative Stromquellen werde länger dauern als geplant. Schuld seien Verzögerungen bei Großprojekten wie etwa dem Anschluss von Hochsee-Windparks ans Netz. Allein in den nächsten zehn Jahren seien für die Energiewende Investitionen von 150 Milliarden Euro nötig, die per Stromrechnung an die Verbraucher weitergegeben würden.

Weitere Informationen auf Deutschlandradio.de:

Umwelt und Verbraucher - Checkliste für die Energiewende <br> Der Zehn-Punkte-Plan des Bundesumweltministers (DLF)

Wirtschaft und Gesellschaft - Energiewende: Neuer Skeptizismus <br>EU-Kommission legt Strategie zum Ausbau erneuerbare Energien vor

Wirtschaft und Gesellschaft - Rösler im Energiewende-Gegenwind <br>Haftungsfrage für Offshore-Windparks geklärt

Umwelt und Verbraucher - Umwelthilfe kritisiert Vorzugspreise für Strom-Großverbraucher: Die Industrie und die Finanzierung der Energiewende (DLF)

Wettbewerbsmodell Erneuerbare Energien

 

Letzte Änderung: 02.10.2013 13:57 Uhr

Beitrag hören

 
 
Dradio Audio
Kein Audio aktiv
 
 
 
 
 

Für dieses Element wird eine aktuelle Version des Flash Players benötigt.

Jetzt Im Radio

Deutschlandfunk

MP3 | Ogg

seit 13:00 Uhr Nachrichten

Deutschlandradio Kultur

MP3 | Ogg

seit 13:00 Uhr Nachrichten

DRadio Wissen

MP3 | Ogg

seit 10:00 Uhr Grünstreifen

Aus unseren drei Programmen

ImmobilienkaufDamit die Traumwohnung nicht zum Albtraum wird

"Hier entstehen exklusive Eigentumswohnungen" steht auf einem Werbebanner im Bezirk Mitte in Berlin. (picture alliance / dpa / Foto: Wolfram Steinberg)

Die Traumwohnung ist gefunden. Die Lage stimmt, der Preis. Damit das so bleibt, gilt es aber, genauer hinzuschauen. Vor allem in das Wohnungseigentumsgesetz, die Teilungserklärung und die Protokolle. Letztere geben nicht nur Auskunft über die laufenden Kosten, sondern auch über das soziale Miteinander im Haus.

Margarethe von Trotta wird 75"Sie hat Filme gemacht, die uns alle begleitet haben"

Die Regisseurin Margarethe von Trotta posiert am 14.10.2016 in Köln auf dem roten Teppich beim International Film Award NRW im Rahmen des Film Festival Cologne. (picture alliance / dpa / Horst Galuschka)

Freu dich, dass du so schöne Filme gemacht hast: Das wünscht Jeanine Meerapfel der Regisseurin Margarethe von Trotta zum 75. Geburtstag. "Die bleierne Zeit" und "Rosa Luxemburg" seien wichtig und unvergessen, so die Präsidentin der Akademie der Künste in Berlin.

BUZZFEED-INITIATIVE GEGEN FILTERBLASENDas Denken der Anderen

Wir alle leben in einer Onlinefilterblase, in der uns nur noch die Wahrheiten auf unserer Timeline erreichen, die unser Weltbild bestätigen. Das Onlinemagazin Buzzfeed will das ändern und hat mit "Outside Your Bubble" ein Tool entwickelt, das Lesern einen Blick über den Tellerrand ermöglichen soll.

Microsoft-Gründer Bill Gates"Auf eine Pandemie sind wir am wenigsten vorbereitet"

Microsoft-Gründer Bill Gates während der Münchner Sicherheitskonferenz. (dpa-Bildfunk / Matthias Balk)

Drei Szenarien machen Microsoft-Gründer Bill Gates Angst: Ein Atomkrieg, eine Pandemie und der Klimawandel. Die Ausbreitung einer Krankheit über Kontinente hinweg bereite ihm aber am meisten Sorgen, sagte Gates im Deutschlandfunk. Denn darauf sei die Weltgemeinschaft am wenigsten vorbereitet. Und auch die neue US-Regierung beunruhige ihn.

SPD-Arbeitsmarktpolitik"Die Agenda 2010 wird nicht in Frage gestellt"

Der stellvertretende SPD-Vorsitzende Thorsten Schäfer-Gümbel. (imago / Jens Jeske)

Eine Abkehr von den umstrittenen Arbeitsmarktreformen ist es nicht: Der stellvertretende SPD-Bundesvorsitzende Thorsten Schäfer-Gümbel hält aber Korrekturen an der Agenda 2010 des früheren Bundeskanzlers Schröder für notwendig. Es habe Nebenwirkungen gegeben, die sich in den vergangenen Jahren verschärft hätten, sagte er im DLF.

Strukturen oder PersonenWer macht Geschichte?

Büste Napoleons (deutschlandradio.de / Annette Riedel)

Sind gesellschaftliche Strukturen entscheidend für den Gang der Geschichte? Oder schreiben doch die "großen Männer" Geschichte, wie Napoleon und jetzt Trump mit seinen vielen Dekreten? In einer Persönlichkeit verdichten sich Tendenzen einer Zeit, meint der Historiker Thomas Brechenmacher.

 

Nachrichten

 
 

Nachrichten

Urteil  18 Monate Haft für israelischen Soldaten wegen Tötung eines Palästinensers | mehr

Kulturnachrichten

Grütters lobt erneut Theaterpreis des Bundes aus  | mehr

Wissensnachrichten

Persönlichkeit  Von wegen Opa ändert sich nicht mehr | mehr