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Suche nach Chemiewaffen in Syrien

UNO-Inspektoren sollen Einsatz von Nervengift prüfen

Es war ein monatelanges Tauziehen zwischen Syrien und der UNO – heute haben die Chemiewaffenexperten mit ihrer Arbeit begonnen. Sie sollen klären, ob im syrischen Bürgerkrieg international geächtete Waffen zum Einsatz kamen.

Aufgabe der 20 UNO-Inspektoren ist es, drei Orte zu untersuchen, an denen angeblich Chemiewaffen eingesetzt worden waren. Die Oppositionstruppen werfen dem Regime von Präsident Baschar al-Assad vor, Giftgas verwendet zu haben. Die Rede ist von mehr als zehn Fällen in den Provinzen Damaskus-Land, Homs und der umkämpften Millionenmetropole Aleppo. Die Regierung behauptet dagegen, die Oppositionstruppen hätten Chemiewaffen eingesetzt. Insgesamt liegen der UNO Berichte Syriens, der USA, Frankreichs und Großbritanniens über 13 Orte vor, an denen Giftgas verwendet worden sein soll.

Die UNO-Delegation soll allerdings nur klären, ob Chemiewaffen wie das Nervengift Sarin eingesetzt wurden, nicht aber welche der verfeindeten Parteien sie verwendet hat. Der Chemiewaffen-Experte Ralf Trapp sagte im Deutschlandfunk, durch die zeitliche Verzögerung könnten bestimmte Spuren möglicherweise nicht mehr gefunden werden. Trotzdem sei eine unabhängige Untersuchung der Hinweise wichtig. Beweise für einen Chemiewaffeneinsatz wären auch deswegen brisant, da ihn die USA als Grund für eine militärische Intervention genannt hatten. US-Präsident Barack Obama hatte im August vergangenen Jahres in diesem Kontext vor dem Überschreiten einer "roten Linie" gewarnt.

Langes Tauziehen um Mission der UNO-Inspekteure

UN-Generalsekretär Ban Ki Moon (dpa / picture alliance / Sandro Campardo)UNO-Generalsekretär Ban Ki Moon (dpa / picture alliance / Sandro Campardo)Die syrische Regierung hatte sich der Untersuchung der Vorwürfe durch UNO-Inspektoren lange widersetzt, Ende Juli letztlich aber doch zugestimmt. Seitdem hatte das Expertenteam in Den Haag auf die Klärung letzter Details gewartet und war gestern schließlich in Syrien angekommen. UNO-Generalsekretär Ban Ki Moon hatte die syrische Regierung für ihre Einlenkung gelobt. Sie solle die Experten ungehindert arbeiten lassen. Ziel bleibe eine völlig unabhängige und unparteiische Untersuchung. Die Verwendung von chemischen Waffen - egal durch welche Seite und unter welchen Umständen - nannte Ban ein empörendes Verbrechen.

Der Bürgerkrieg in Syrien dauert seit fast zweieinhalb Jahren an. Der UNO zufolge wurden bei den Kämpfen zwischen Oppositions- und Regierungstruppen mehr als 100.000 Menschen getötet. Millionen Menschen sind auf der Flucht.

Weiterführende Informationen:
Syrien stirbt im Bürgerkrieg - Das Land braucht mehr als Lippenbekenntnisse
UN: Lebensmittelproduktion in Syrien stark beeinträchtigt - WFP-Deutschland-Chef beklagt schwierige Versorgungslage der syrischen Bevölkerung
Die chemische Gefahr - Forscher plädieren für Anpassung der Chemiewaffenkonvention an aktuelle Bedrohungen

 

Letzte Änderung: 02.10.2013 14:16 Uhr

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