Aktuell-Archiv des früheren dradio.de-Auftritts / Archiv /

 

Sudetendeutsche setzen auf Versöhnung

Seehofer erhält Karls-Preis der Landsmannschaft

Sudetendeutsche in traditioneller Tracht beim 64. Sudetendeutschen Tag in Augsburg (picture alliance / dpa / Andreas Gebert)
Sudetendeutsche in traditioneller Tracht beim 64. Sudetendeutschen Tag in Augsburg (picture alliance / dpa / Andreas Gebert)

Die Sudetendeutsche Landsmannschaft galt jahrzehntelang als äußerst reserviert gegenüber einer Annäherung an Tschechien. Doch nach einem versöhnlichen Besuch des tschechischen Regierungschefs Necas im Februar in Bayern schlagen jetzt auch die Sudetendeutschen neue Töne an. Bei ihrem Treffen in Augsburg verliehen sie Bayerns Ministerpräsident Seehofer ihren Karls-Preis.

Horst Seehofer erhält den Karls-Preis der Sudetendeutschen Landsmannschaft, der nicht zu verwechseln ist mit dem Aachener Karlspreis, für seine Bemühungen um eine deutsch-tschechische Aussöhnung. Bernd Posselt, CSU-Europaabgeordneter und Sprecher der Sudetendeutschen, nannte Seehofer einen "Wegbereiter", "Eisbrecher" und "Antreiber" für eine Annäherung an Tschechien. Horst Seehofer ist der erste bayerische Ministerpräsident, der offiziell die Regierung in Prag besucht hat. Noch Edmund Stoiber hatte einen Prag-Besuch unter Verweis auf die umstrittenen Beneš-Dekrete abgelehnt, die die Vertreibung der Sudetendeutschen nach dem Zweiten Weltkrieg legalisierten. Bayern hat bereits in den 1950er Jahren die Schirmherrschaft für die Sudetendeutschen übernommen. 1962 erkannte der Freistaat die Sudetendeutschen als "vierten Stamm" Bayerns an - neben Altbayern, Franken und Schwaben.

Tschechischer Regierungschef geht auf Sudetendeutsche zu

Die Beneš-Dekrete waren der Grund dafür, dass sich die Sudetendeutsche Landsmannschaft jahrzehntelang einer Aussöhnung mit den Tschechen verweigerte. Es war der tschechische Regierungschef Petr Necas, der im Februar dieses Jahres den ersten Schritt für eine Aussöhnung tat. Bei einem Besuch im Bayerischen Landtag hatte er gesagt: "Wir bedauern, dass durch die Vertreibung und zwangsweise Aussiedlung der Sudetendeutschen nach Kriegsende aus der ehemaligen Tschechoslowakei, die Enteignung und Ausbürgerung, unzähligen Menschen viel Leid und Unrecht angetan wurde."

Auf diesen Satz hatten offenbar viele Sudetendeutsche gewartet. Bei ihrem traditionellen Pfingsttreffen sagte der Vorsitzende der Landsmannschaft, Bernd Posselt: "Dies ist ein Sudetendeutscher Tag des Wendepunktes. Aber, liebe Landsleute, ein Wendepunkt hat einen langen Vorlauf, und man hat noch einen langen Weg vor sich." Damit setzt die Sudetendeutsche Landsmannschaft jetzt auch offiziell auf Versöhnung. Nach eigenen Angaben vertritt sie etwa 220.000 Mitglieder.

Sudetendeutschen-Sprecher Bernd Posselt (CSU, li.) überreicht Ministerpräsident Seehofer (CSU) den Karls-Preis (picture alliance / dpa / Andreas Gebert)Sudetendeutschen-Sprecher Bernd Posselt (CSU, li.) überreicht Ministerpräsident Seehofer (CSU) den Karls-Preis (picture alliance / dpa / Andreas Gebert)

Seehofer: Bundesweiter Vertriebenentag nötig

Horst Seehofer unterstrich seine Forderung nach einem bundesweiten Gedenktag für die Vertriebenen. Er betonte aber zugleich, er als bayerischer Ministerpräsident könne dies nicht entscheiden. Bayern wird ab dem kommenden Jahr einen eigenen Gedenktag einführen. Er soll immer am zweiten Sonntag im September gefeiert werden. Zuvor hatte sich bereits Bundesinnenminister Hans-Peter Friedrich (CSU) für einen bundesweiten Vertriebenentag ausgesprochen. Er räumte jedoch ein, es gebe dafür zurzeit keine politische Mehrheit im Bund.

 

Letzte Änderung: 02.10.2013 14:11 Uhr

Beitrag hören

 
 
Dradio Audio
Kein Audio aktiv
 
 
 
 
 

Für dieses Element wird eine aktuelle Version des Flash Players benötigt.

Jetzt Im Radio

Deutschlandfunk

MP3 | Ogg

seit 15:05 Uhr Corso - Kunst & Pop

Deutschlandradio Kultur

MP3 | Ogg

seit 15:05 Uhr Quasseltag

DRadio Wissen

MP3 | Ogg

seit 10:00 Uhr Grünstreifen

Aus unseren drei Programmen

Attentat von London"Es sieht schon verdammt nach Islamischem Staat aus"

Peter Neumann, Direktor des "International Centre for the Study of Radicalisation" am Londoner King‘s College. (imago / IPON)

Wenn Ermittler in Großbritannien von internationalem Terrorismus sprechen, sei das ein Codewort für Al-Kaida oder den Islamistischen Staat, sagt Peter Neumann, Sicherheitsexperte am Londoner King's College, im DLF. Die Briten seien zwar die Besten bei der Anti-Terror-Abwehr in Europa, aber Anschläge mit Messern und Autos könne man nicht verhindern.

Merkel-Kritikern sammeln sich "Freiheitlich Konservativer Aufbruch" innerhalb der CDU

Bundeskanzlerin Angela Merkel auf dem CDU-Parteitag in Essen. (AFP / Tobias Schwarz)

Konservative Merkel-Kritiker gründen am Wochenende innerhalb der Union die Plattform "Freiheitlich Konservativer Aufbruch". Der CDU-Politiker Christian Wagner will damit im Parteiprogramm zur Bundestagswahl den Wertkonservatismus wieder stärker verankern.

Wie umgehen mit Erdogan & Co.?Klarheit ist manchmal besser als Diplomatie

Bundeskanzlerin Angela Merkel traf am 04.09.2016 den türkischen Präsidenten Recep Tayyip Erdogan zu einem bilateralen Gespräch kurz vor dem offiziellen Beginn des G20-Treffens. (dpa / picture alliance)

Die AKP will nun doch keine Spitzenpolitiker mehr zu Wahlkampfauftritten nach Deutschland schicken. Ein Verdienst der konsequenten Haltung der Bundesregierung? Der Grüne Memet Kilic sieht eher eine völlig wirkungslose Diplomatie gegenüber Autokraten am Werk.

 

Nachrichten

 
 

Nachrichten

Anschlag in London  Täter war Brite und den Sicherheitsbehörden bekannt | mehr

Kulturnachrichten

Alfred-Kerr-Preis für Andreas Breitenstein  | mehr

 

| mehr