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Suhrkamp zwischen Pleite und Neustart

Über den Streit der Anteilseigner

Regal des Suhrkamp Verlags (picture alliance / dpa / Tobias Kleinschmidt)
Regal des Suhrkamp Verlags (picture alliance / dpa / Tobias Kleinschmidt)

Seit zwei Jahren streiten sich die Eigentümer von Suhrkamp um ihren Verlag - einen der bedeutendsten des Landes. Von ersten Konflikten bis zum Insolvenzverfahren: Wir beantworten Ihnen die wichtigsten Fragen zur Krise bei Suhrkamp.

Was macht den Suhrkamp Verlag so besonders?

Der Suhrkamp Verlag, 1950 von Peter Suhrkamp gegründet, hat mit seinen regenbogenfarbenen Bänden jahrzehntelang das intellektuelle Klima in der Bundesrepublik Deutschland geprägt. Große Autoren wie Bertolt Brecht, Hermann Hesse, Martin Walser fanden dort ihre geistige Heimat. Heute gehören Namen wie Durs Grünbein, Sybille Lewitscharoff und Uwe Tellkamp zum Programm.

Nach dem Tod des Verlagsgründers übernahm 1959 der frühere Lektor Siegfried Unseld das Haus und führte über Jahrzehnte die vielgerühmte "Suhrkamp-Kultur" weiter. "Wir verlegen keine Bücher, sondern Autoren", lautet der Leitsatz. Seit 2003 steht Verlegerwitwe Ulla Unseld-Berkéwicz an der Geschäftsspitze und hält an einem exquisiten Programm fest. Der Verlag zog auf Betreiben der Verlegerin Anfang 2010 von seinem Stammsitz in Frankfurt nach Berlin.

Mehr als 10.000 Titel hat das Haus in seinen verschiedenen Reihen herausgebracht. Zur Verlagsgruppe gehören neben dem Flaggschiff Suhrkamp auch der Inselverlag, der Deutsche Klassiker Verlag, der Jüdische Verlag und der von Berkéwicz neu gegründete Verlag der Weltreligionen.

Wer streitet - und worum geht es den Gesellschaftern?

Um den Verlag tobt seit Jahren ein erbitterter Machtkampf zwischen den beiden Hauptgesellschaftern, also den Anteilseignern. Die Verlegerin Ulla Unseld-Berkéwicz hält 61 Prozent der Anteile, der Medienunternehmer Hans Barlach den Rest.

Barlach sieht Einnahmen des Verlags von der Geschäftsführung um Ulla Unseld-Berkéwicz veruntreut und hat als Anteilseigner die Geschäftsführung verklagt. Er wirft Unseld-Berkéwicz vor, mit Geld des Verlags in ihrem Privathaus im Berliner Stadtteil Nikolassee Räume für Lesungen und Autoren zu mieten, ohne ihn als Mitgesellschafter vorher zu fragen. Unseld-Berkéwicz argumentiert, die kritisierten Veranstaltungen gehörten zum Programm und damit zum Geschäft. Mit zwei Urteilen gibt das Landgericht Frankfurt Barlach recht und hat entschieden, dass Suhrkamp knapp 2,2 Millionen Euro aus dem Bilanzgewinn des Jahres 2010 an Minderheitsgesellschafter Barlach zahlen muss und sichert ihm Informationsrechte über Entscheidungen der Geschäftsführung zu.

Warum meldete der Verlag nun Insolvenz an?

Der Verlag will nun durch ein sogenanntes "Schutzschirmverfahren" sein Überleben sichern. Die Geschäftsführung reichte am Montag, den 27. Mai 2013, beim Amtsgericht Berlin-Charlottenburg einen Antrag dazu ein und hofft damit auf eine Lösung nach dem "Gesetz zur weiteren Erleichterung der Sanierung von Unternehmen". Das Haus will so verhindern, dass aus den Einnahmen des Geschäfts ein Gewinn an die Anteilseigner und damit an Barlach ausgeschüttet wird.

Steht der Verlag nun vor dem Aus?

Durch das jetzt beantragte Verfahren müsse der Gewinn nicht ausgeschüttet werden, der Verlag werde so in seiner Existenz geschützt, argumentiert Suhrkamp. Das Schutzschirmverfahren sei kein klassisches Insolvenzverfahren. Damit bleibe der Verlag uneingeschränkt handlungs- und zahlungsfähig. Mitarbeiterverträge seien durch die Antragstellung nicht betroffen, Autorenverträge blieben bestehen. Für den Erhalt des Verlags wichtige Entscheidungen werden nun nicht mehr von den zerstrittenen Gesellschaftern getroffen, sondern von dem vom Gericht bestellten Sachwalter Rolf Rattunde von der auf Insolvenzen spezialisierten Kanzlei Leonhardt Rechtsanwälte (Berlin).

Wie werden mit diesem "Schutzschirmverfahren" nun die Forderungen Barlachs behandelt?

"Wenn Herr Barlach seinen Wunsch auf Auszahlung der 2,2 Millionen in der zweiten Instanz bestätigt bekommt, müssten seine Forderungen ans Unternehmen insolvenzrechtlich behandelt werden", erklärte der vom Gericht bestellte Generalbevollmächtigte Frank Kebekus. Diese Forderungen wären aber dann nachrangig zu behandeln. Als vom Gericht eingesetzter Generalbevollmächtigter strebe er nun eine Restrukturierung von Suhrkamp an. "Man kann im Rahmen des Insolvenzplans alle gesellschaftsrechtlichen Möglichkeiten ergreifen, die juristisch zulässig sind", sagte er. "Wenn man schon ins Fegefeuer geht, dann sollte man möglichst alle Probleme lösen."

Links auf dradio.de:
"Gefahr einer richtigen Insolvenz" beim Suhrkamp Verlag- Mediation gescheitert, Schuldenmoratorium nötig: Die ungewisse Zukunft des renommierten Buchverlags
Suhrkamp-Streit: "Kommunikations-Pathologie" als Hauptproblem - Philosoph Axel Honneth kann sich Joachim Gauck als Vermittler vorstellen
"Der Suhrkamp Verlag gehörte zur Ikonografie der alten Bundesrepublik"- Der Publizist Gustav Seibt zur Krise bei Suhrkamp

 

Letzte Änderung: 02.10.2013 14:12 Uhr

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