Aktuell-Archiv des früheren dradio.de-Auftritts / Archiv /

 

Syrien-Diplomatie: Westerwelle im Kreml

Mehr als 14.000 Menschen sollen bei Kämpfen gegen das Assad-Regime getötet worden sein

Die Zerstörung nimmt kein Ende - hier in der Provinz Idlib. (dpa / Ärzte ohne Grenzen)
Die Zerstörung nimmt kein Ende - hier in der Provinz Idlib. (dpa / Ärzte ohne Grenzen)

Der Kreml blockiert bislang alle Versuche, den syrischen Präsidenten Assad zum Rücktritt zu bewegen. Außenminister Westerwelle hat bei einem Besuch in Russland versucht zu vermitteln - ohne Erfolg.

Es gibt nach wie vor keine einheitliche Linie. Bei einem Treffen mit Außenminister Guido Westerwelle (FDP) in Moskau machte sein russischer Amtskollege Sergej Lawrow deutlich, dass sein Land anders als der Westen keinen Regimewechsel in Syrien anstrebt. Das syrische Volk müsse selbst über die Zukunft des Landes entscheiden - "ohne Einmischung von außen". Eine Intervention werde Russland nicht unterstützen, sagte er.

Außenminister Westerwelle und sein russischer Amtskollege Lawrow (picture alliance / dpa /)Außenminister Westerwelle und sein russischer Amtskollege Lawrow (picture alliance / dpa /)Die russische Führung hat eine Resolution gegen das syrische Regime im UN-Sicherheitsrat bislang blockiert und lehnt auch Rücktrittsforderungen an den syrischen Präsidenten Baschar al-Assad kategorisch ab.

Während andere Staaten einen Regierungswechsel in Syrien nur ohne Assad und die bisherige Führungsriege für möglich halten, will Russland den alten Machthaber nicht ausschließen. Die syrische Opposition lehnt einen Dialog mit Assads Regierung aber ab.

Ein "Durchbruch" sei nicht zu erwarten gewesen, meinte Westerwelle nach dem Treffen. Er reiste ohne Ergebnisse weiter nach Paris, wo morgen das dritte Treffen der "Freunde Syriens" ansteht - eine im Kern von den USA, Frankreich, Großbritannien und Deutschland sowie mehreren arabischen Ländern gebildete Gruppe, die nach einer Lösung für den Konflikt in dem arabischen Land sucht, dabei aber nicht auf die Führung unter Assad setzt. Russland und China werden nicht an dem Treffen teilnehmen.

Lawrow: Berlin ersuchte Moskau um politisches Asyl für Assad

Deutschland hat nach den Worten des russischen Außenministers Lawrow die Führung in Moskau gebeten, dem syrischen Staatschef Assad politisches Asyl zu gewähren. Als erste habe dies Bundeskanzlerin Merkel bei ihrem Treffen mit Präsident Putin am 1. Juni in Berlin angesprochen. Allerdings sei es aus russischer Sicht sinnlos, über Assads Schicksal zu diskutieren, bevor nicht die Syrer miteinander verhandelten. Die russische Seite habe die Anfrage für einen "Witz" gehalten, so Lawrow.

UN-Beobachter können wegen der Kämpfe nicht arbeiten

UN-Beobachter im Gespräch mit Bürgern in Damakus, Syrien, Mai 2012 (picture alliance / dpa / Sana / Handout)UN-Beobachter im Gespräch mit Bürgern in Damakus (picture alliance / dpa / Sana / Handout)Der Chef der Beobachtermission der Vereinten Nationen in Syrien, Robert Mood, hat derweil das Gewaltniveau im Land als "beispiellos" bezeichnet. Seit dem Beginn der Proteste gegen das Assad-Regime im März 2011 wurden laut Schätzungen von Aktivisten mehr als 14.000 Menschen getötet. Die Eskalation hindere die UN-Beobachter daran, zu beobachten, zu bestätigen, zu berichten und den Dialog zu suchen, klagte der norwegische Generalmajor in der Hauptstadt Damaskus. Nur ein Waffenstillstand könne daran etwas ändern.

Die UN-Beobachter hatten ihre Arbeit wegen der erhöhten Gefahr Mitte Juni unterbrochen. Ihr Mandat endet am 20. Juli. Die rund 300 Beobachter können laut Mood ihre Unterkünfte seit Wochen wegen der anhaltenden Kämpfe nicht mehr verlassen - wollen ihre Arbeit in Syrien aber in der kommenden Woche wieder aufnehmen.


Mehr auf dradio.de:

Ehemaliger KFOR-Oberbefehlshaber warnt vor Militärschlag gegen Syrien - General a.D. Reinhardt: Russland muss sich bei Sanktionen beteiligen
Die Toten von Hama: Syrien und das System Assad
Konfliktzone Syrien-Iran-Türkei <br> Das Ringen um den neuen Nahen Osten

 

Letzte Änderung: 02.10.2013 13:54 Uhr

Beitrag hören

 
 
Dradio Audio
Kein Audio aktiv
 
 
 
 
 

Für dieses Element wird eine aktuelle Version des Flash Players benötigt.

Jetzt Im Radio

Deutschlandfunk

MP3 | Ogg

seit 07:05 Uhr Information und Musik

Deutschlandradio Kultur

MP3 | Ogg

seit 07:05 Uhr Feiertag

DRadio Wissen

MP3 | Ogg

seit 00:00 Uhr Soundtrack

Aus unseren drei Programmen

Kultur des TodesWenn der Friedhof stirbt

Jahrhundertelang war er der einzige Ort, um die Toten zu bestatten. Doch allmählich stirbt der Friedhof selbst. Immer mehr Menschen finden ihn als letzte Ruhestätte zu teuer und die strengen Vorgaben nicht zeitgemäß. Sie lassen ihre Asche lieber übers Meer verstreuen, sich unter einem Baum beerdigen oder neben dem geliebten Haustier.

Soziologe Khosrokhavar über Terror in EuropaWarum der Dschihadismus weiter andauern wird

Der iranisch-französische Soziologe Farhad Khosrokhavar ist Studienleiter an der École des Hautes Études en Sciences Sociales in Paris. (AFP / Damien Meyer)

Seit fast 30 Jahren erforscht Farhad Khosrokhavar das Phänomen der Radikalisierung unter Moslems. Europa werde das nächste Jahrzehnt mit dschihadistischem Terror leben müssen, ist sich der iranisch-französische Soziologe sicher.

Unruhen in IndienDie Wut der Jugend von Kaschmir

Jugendliche werfen Steine auf ein indisches Polizeiauto während der Unruhen in Srinagar, der Sommerhauptstadt des indischen Teils Kaschmirs. (picture alliance / dpa / Farooq Khan)

Seit dem 8. Juli gehören Tote und Verletzte zum traurigen Alltag im indischen Teil Kaschmirs. Damals erschossen Soldaten den Kämpfer Burhan Wani. In den Augen der indischen Regierung ein Terrorist, für viele Jugendliche ein Held und Märtyrer. Seitdem gehen seine Anhänger regelmäßig demonstrieren - doch immer seltener geht es dabei friedlich zu.

Holocaust-ZeitzeugeMax Mannheimer ist tot

Der Holocaust-Zeitzeuge Max Mannheimer (dpa / picture-alliance / Andreas Gebert)

Der Holocaust-Überlebende Max Mannheimer ist im Alter von 96 Jahren in einer Münchner Klinik gestorben. Er galt als wichtige Stimme für die sechs Millionen von den Nationalsozialisten ermordeten Juden.

Yvonne Hofstetter: "Das Ende der Demokratie"Big Data in der Politik

Blick in die Zukunft? - Was kann künstliche Intelligenz (dpa)

Die Big Data-Unternehmerin Yvonne Hofstetter warnt in ihrem neuen Buch davor, welche Konsequenzen künstliche Intelligenz für die Politik haben könnte: Es drohe das "Ende der Demokratie". Und sie zeigt Auswege an, wie eine digitale Zukunft human gestaltet werden kann.

MedizinWach, wacher, Kaffeeschock

Kaffee ist eigentlich eine Art Psychostimulanzie, die sich auf den ganzen Körper auswirkt: der Blutdruck steigt, wir können uns besser konzentrieren und sind aktiver. Nur manchmal trinken wir eine Tasse zu viel - Dr. Johannes Wimmer weiß, was dann zu tun ist.

 

Nachrichten

 
 

Nachrichten

Syrien  UNO-Sicherheitsrat zu Dringlichkeitssitzung zusammengerufen | mehr

Kulturnachrichten

Überraschung beim Filmfestival in San Sebastián  | mehr

Wissensnachrichten

Fitness-Armbänder  Nicht zwangsläufig hilfreich beim Abnehmen | mehr