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Syrien: Rebellen fliehen aus Kusseir

USA verurteilen das Eingreifen der Hisbollah

Kusseir war wochenlang umkämpft. (picture alliance / dpa / Anne-Beatrice Clasmann)
Kusseir war wochenlang umkämpft. (picture alliance / dpa / Anne-Beatrice Clasmann)

Die strategisch wichtige Kleinstadt Kusseir ist wieder in der Hand des Assad-Regimes. Geholfen hat dabei die schiitische Hisbollah aus dem Libanon. Der Bürgerkrieg in Syrien erreicht damit eine neue Dimension.

In der Schlacht um die seit Wochen belagerte Kleinstadt Kusseir an der Grenze zum Libanon haben die Rebellen der syrischen Armee das Feld überlassen. Regimegegner bestätigten, die Rebellen hätten sich nach massiven Angriffen aus der Stadt zurückgezogen. Demnach waren die Aufständischen am Ende der Streitmacht der Assad-Anhänger nicht mehr gewachsen. Zudem habe es an Munition gemangelt.

Quellen aus dem Umfeld der Rebellen erhoben schwere Vorwürfe: Regierungstruppen und Hisbollah-Kämpfer sollen in Kusseir Hunderte Menschen umgebracht haben. Gegenüber der Nachrichtenagentur Reuters beschrieb ein Kämpfer der Hisbollah-Miliz die nächtliche Attacke: "Wir überraschten sie mit einem plötzlichen Überfall früh am Morgen und kamen in die Stadt. Sie flohen".

USA verurteilen Eingreifen der Hisbollah

Die USA haben den Angriff der syrischen Armee auf die Rebellenhochburg Kusseir verurteilt. Bei der Offensive seien unzählige Zivilisten getötet worden, erklärte ein Sprecher des Weißen Hauses in Washington. Er forderte den Iran und die libanesische Hisbollah auf, ihre Kämpfer aus Syrien abzuziehen. Ohne deren Hilfe hätten die Aufständischen nicht aus Kusseir vertrieben werden können. Zuvor hatte der Generalsekretär der Arabischen Liga, Nabil El Arabi, betont, man lehne jedes Eingreifen von außen in den Bürgerkrieg ab - vor allem aber eine Einmischung der Schiiten-Miliz. Im Osten des Libanon schlugen nach Angaben der Behörden mindestens fünf von syrischem Gebiet abgefeuerte Raketen ein. Dabei seien zwei Menschen verletzt worden. Die eigentlich für diesen Monat geplante internationale Syrien-Friedenskonferenz in Genf wurde unterdessen verschoben. Der internationale Sondergesandte Lakhdar Brahimi gab bekannt, dass sie vermutlich erst im Juli beginnen könne.

Assad nimmt strategisch wichtigen Knotenpunkt ein

Assad gibt der argentinischen Zeitung "Clarin" und der Nachrichtenagentur Telam ein Interview (picture alliance / dpa /  Sana Handout)Für Assad ist es ein strategisch wichtiger Sieg. (picture alliance / dpa / Sana Handout)Mehr als zwei Wochen lang hatten sich Rebellen und regimetreue Verbände erbitterte Gefechte geliefert. Zuletzt war es der syrischen Armee gemeinsam mit Hisbollah-Milizionären gelungen, die Aufständischen im Norden der Stadt einzukesseln. Die staatliche Nachrichtenagentur Sana meldet: "Es herrscht wieder Sicherheit und Stabilität in der Stadt". Weiter berichten Staatsmedien, die syrische Armee habe zahlreiche Rebellen getötet, weitere verhaftet.

Seit seiner Eroberung vor einem Jahr hatte Kusseir als Rebellenhochburg und wichtiger Knotenpunkt für die Nachschublinien der Aufständischen gegolten. Yahya Suleiman, Brigadegeneral der syrischen Armee, sagte in einem TV-Bericht: "Wer auch immer Kusseir kontrolliert, kontrolliert das Zentrum des Landes; und wer auch immer das Zentrum des Landes kontrolliert, hat die Kontrolle über ganz Syrien."

In den letzten Wochen waren beinahe alle Einwohner Kusseir vor den Kriegswirren geflohen. Nach Angaben der Organisation Syrischer Menschenrechtsbeobachter sollen sich aber noch Hunderte von Verletzten in der Stadt aufhalten. Das Rote Kreuz hatte zuletzt vergeblich verlangt, einen Notzugang in die eingekreiste Stadt gewährt zu bekommen.

Chemiewaffeneinsatz: Großbritannien fordert UNO-Untersuchung

Unterdessen nahmen Vertreter der USA und Russland im Vorfeld der inzwischen für Juli geplanten Syrien-Friedenskonferenz Gespräche in Genf auf. Derzeit herrscht Uneinigkeit über die Teilnahme des Irans an dem Treffen. Moskau befürwortet dies, die USA lehnen das bislang ab. Die UNO-Menschenrechtskommissarin Navi Pillay rief die Großmächte dazu auf, endlich an einen Tisch zu kommen, berichtet unser Korrespondent Hans-Jürgen Maurus.

Der Leiter der Forschungsgruppe Sicherheitspolitik bei der Stiftung Wissenschaft und Politik, Markus Kaim, sieht derweil die geplante internationale Friedenskonferenz komplett in Gefahr. Die Position von Staatschef Baschar al-Assad sei durch den militärischen Erfolg gestärkt, sagte Kaim im Deutschlandfunk. Assad habe jetzt wenig Anlass, einem Treffen zuzustimmen.

Nach eigenen Angaben liegen der britischen Regierung inzwischen "physiologische Beweise" dafür vor, dass in Syrien Giftgas eingesetzt wurde. In Proben seien Spuren von der Chemiewaffe Sarin festgestellt worden, sagte ein Regierungssprecher, und sprach in diesem Zusammenhang von einem Kriegsverbrechen. Welche Konfliktpartei das Gas auf dem Schlachtfeld angewandt haben könnte, ist bislang völlig unklar. Im Interview mit Deutschlandradio Kultur warnte auch der Leiter des "Zentrums für Forschung zur Arabischen Welt" der Universität Mainz, Professor Dr. Günter Meyer, vor voreiligen Schlüssen. Großbritannien nennt aber Assads Schergen als Urheber "sehr wahrscheinlich".

Frankreich hatte bereits am Dienstag verkündet, es gebe "keinen Zweifel" mehr daran, dass regimetreue Verbände mindestens ein Mal Sarin eingesetzt hätten. Der britische Außenminister machte sich daraufhin für eine Untersuchung durch die Vereinten Nationen stark. Beide Länder sind Mitglieder der NATO, genau wie die USA. US-Präsident Barack Obama hatte den Einsatz von Chemiewaffen zuvor als "rote Linie" deklariert, ab der ein Eingreifen in den Konflikt gerechtfertigt sei.


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Letzte Änderung: 02.10.2013 14:12 Uhr

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