Aktuell-Archiv des früheren dradio.de-Auftritts / Archiv /

 

Syrien schießt türkischen Kampfjet ab

Türkei kündigt "entschlossene Reaktion" an

Ein türkisches Kampfflugzeug dieses Typs wurde von Syrien abgeschossen (dpa / Stefan Puchner)
Ein türkisches Kampfflugzeug dieses Typs wurde von Syrien abgeschossen (dpa / Stefan Puchner)

Die Türkei droht immer mehr in den Bürgerkrieg im benachbarten Syrien hineingezogen zu werden. Nach der Aufnahme von zehntausenden syrischen Flüchtlingen ist nun ein türkisches Kampfflugzeug abgeschossen worden. Das syrische Militär bestätigte den Abschuss. Das Nato-Mitglied Türkei könnte nun den Bündnisfall ausrufen.

Die staatlichen Beziehungen zwischen Syrien und der Türkei sind ohnehin schon angespannt. Das Verhältnis hat sich mit der gewaltsamen Niederschlagung seit Beginn der Proteste gegen Machthaber Baschar al-Assad im März 2011 merklich verschlechtert. Mit dem Abschuss eines türkischen Kampfflugzeugs durch Assads Militärregime droht die Lage in der Region nun zu eskalieren.

Die Türkei ist Nato-Mitglied und könnte den sogenannten kollektiven Verteidigungsfall ausrufen. Der Angriff auf einen Partner des Militärbündnisses wird nach Artikel 5 des Nordatlantikvertrages "als ein Angriff gegen sie alle angesehen". Das war in der 60-jährigen Nato-Geschichte bisher nur einmal der Fall: nach dem Terroranschlag vom 11. September 2001.

Türkei will "die sich aufdrängenden Maßnahmen ergreifen"

Der türkische Ministerpräsident Tayyip Erdogan spricht im Bundeskanzkleramt in Berlin nach einem Treffen mit Angela Merkel (AP)Der türkische Ministerpräsident Tayyip Erdogan (AP)Die Maschine vom Typ F4-Phantom sei rund 13 Kilometer vor der syrischen Küstenstadt Latakia ins Mittelmeer gestürzt, hieß es aus dem Büro von Türkeis Ministerpräsident Racep Tayyip Erdogan. Nach den zwei Piloten und dem Flugzeugwrack werde noch gesucht. Die Maschine sei am Mittag von den Radarschirmen verschwunden. Die vermissten Piloten sollen nach ARD-Informationen am Leben sein. Sie seien aus syrischen Gewässern geborgen worden und befänden sich in Damaskus.

Der Kampfjet soll sich auf einem Aufklärungsflug befunden haben, in der Nähe des engen Luftkorridors, der die Türkei mit den türkischen Soldaten auf Nordzypern verbindet. "Die Türkei wird ihre endgültige Haltung mitteilen und mit Entschlossenheit die sich aufdrängenden Maßnahmen ergreifen, wenn der Vorfall vollständig aufgeklärt ist", hieß es. Der türkische Staatschef Abdullah Gül erklärte: "Unsere Ermittlungen werden sich darauf konzentrieren, ob das Flugzeug innerhalb unserer Grenzen abgeschossen wurde oder nicht". Es sei ein "Routinevorgang", dass Militärflugzeuge mit hoher Geschwindigkeit kurzzeitig Grenzen überqueren. In einem Versuch der Deeskalation räumte Gül aber auch eine mögliche versehentliche Verletzung des syrischen Luftraums durch den Jet ein.

Das syrische Militär ortete nach Angaben der staatlichen Nachrichtenagentur SANA ein "nicht identifizierbares Ziel" in syrischem Luftraum. Es sei in geringer Höhe und mit hoher Geschwindigkeit geflogen. Nach Abschuss des Flugobjekts habe sich herausgestellt, dass es sich um ein türkisches Militärflugzeug gehandelt habe. Syrische Schiffe seien an der Suche nach dem Wrack beteiligt.

Vom Verbündeten zum schärfsten Kritiker

Vor Beginn der Arabischen Revolution in Syrien galten Ankara und Damaskus als Verbündete. Seitdem wurde die Türkei zu einem der schärfsten Kritiker von Assads Regime. Schätzungsweise 80.000 Syrer haben ihre Heimat aus Angst vor weiteren Repressionen in Richtung Türkei verlassen; einige davon suchen in Jordanien Schutz.

Die Regierung in Damaskus wirft der Türkei vor, die syrische Opposition zu unterstützen und Aufständische von ihrem Gebiet aus aktiv werden zu lassen. Eine Nato-Sprecherin äußerte sich jüngst "sehr besorgt" über den Beschuss aus Syrien auf ein türkisches Flüchtlingslager.

UN-Sonderbeauftragter für Syrien Kofi Annan mit Syriens Staatschef Baschar al-Assad (picture alliance / dpa / Sana)UN-Sonderbeauftragter für Syrien Kofi Annan mit Syriens Staatschef Baschar al-Assad (picture alliance / dpa / Sana)Die Türkei war Gastgeber mehrerer Konferenzen der "Freunde Syriens". Erdogan besuchte die Flüchtlingslager; seine Regierung forderte schließlich den Rücktritt von Assad. Syrien befindet sich nach Einschätzung der Vereinten Nationen im Bürgerkrieg. Der UN-Sondergesandte Kofi Annan warnte, "je länger wir warten, desto düsterer wird Syriens Zukunft sein".

Um die Gewalt in Syrien zu beenden, sieht Annan Teheran in einer wichtigen Rolle. "Ich habe klargemacht, dass ich glaube, dass der Iran Teil der Lösung sein sollte", sagte der frühere UN-Generalsekretär. Allerdings haben sich die USA bislang vehement gegen eine von Russland geforderte Einbindung Teherans gestemmt.

Ungeachter der internationalen Kritik hält Syriens Präsident Assad an seinem harten Kurs fest. Anderthalb Monate nach der Parlamentswahl ernannte er per Dekret eine neue Regierung. Neuer Regierungschef wird Riad Hidschab. Außenminister Walid al-Muallim bleibe ebenso auf seinem Posten wie der Verteidigungs- und der Innenminister. Die syrische Opposition hatte die Parlamentswahl Anfang Mai boykottiert und als "Farce" bezeichnet.

 

Letzte Änderung: 02.10.2013 13:54 Uhr

Beitrag hören

 
 
Dradio Audio
Kein Audio aktiv
 
 
 
 
 

Für dieses Element wird eine aktuelle Version des Flash Players benötigt.

Jetzt Im Radio

Deutschlandfunk

MP3 | Ogg

seit 17:05 Uhr Streitkultur

Deutschlandfunk Kultur

MP3 | Ogg

seit 17:05 Uhr Studio 9 kompakt

Deutschlandfunk Nova

MP3 | Ogg

seit 14:00 Uhr Grünstreifen

Aus unseren drei Programmen

Helmut Lethen über sein Buch "Die Staatsräte"Fiktive Gespräche mit Gründgens

Gustaf Gründgens als Mephisto während einer Aufführung der Hamburger Gründgens-Inszenierung des Faust im Rahmen der Berliner Festwochen im September 1959. (dpa)

Durch die Nazi-Zeit lavierten Carl Schmitt, Gustaf Gründgens, Ferdinand Sauerbruch und Wilhelm Furtwängler mit Anpassung. In seiner literarischen Doku-Fiktion "Die Staatsräte" verwickelt Helmut Lethen diese nun in fiktive Gespräche, schwankend zwischen "Faszination" und "Entsetzen", wie er sagt.

Angriffe auf Ost-Ghuta in Syrien"Man ist den Bomben ausgeliefert"

Rauch steigt von Gebäuden im Dorf Mesraba auf, das im Rabellengebiet Ost-Ghuta außerhalb von Damaskus liegt. (AFP - Hamza Al-Ajweh)

"Man kommt aus diesem Gefängnis nicht raus." Mit diesen dramatischen Worten beschreibt der Syrien-Experte Elias Perabo die Lage der Menschen in Ost-Ghuta in Syrien. Seit fünf Tagen wird die Region von syrischen und russischen Kampfjets bombardiert. Für die Menschen gebe es keinerlei Schutz, sagte er im Dlf.

Reisen und HelfenEs werde Licht!

Anne Duchstein und Sebastian Haffner sind schon seit mehr als zwei Jahren auf Weltreise. Aber nicht allein zum Spaß. Sie haben Licht für Entwicklungsländer im Gepäck: Unterwegs installieren sie in abgeschiedenen Dörfern und bei bedürftigen Menschen Solaranlagen.

Aktivist Firas Abdullah in Ost-Ghouta"Ich höre Kinder weinen durch die Fenster ihrer Zimmer"

Ost-Ghouta: Ein Mann läuft in der Stadt Douma eine mit Trümmern übersäte Straße entlang, im Hintergrund sind Rauchwollken zu sehen. (AFP / Hamza Al-Ajweh)

Die Assad-Armee und russische Jets setzen offenbar gezielt auf Doppel-Schläge: Nach einem Angriff folge wenige Minuten später ein neuer - um möglichst viele Unschuldige zu treffen, berichtet der regimekritische Aktivist Firas Abdullah aus Ost-Ghouta. Seine Forderung: Die deutsche Politik müsse endlich handeln und etwas gegen Assad tun.

Pfarrer gegen Neo-Nazis Laut sein gegen rechts

Pfarrer Wilfried Manneke (l.) demonstriert 2011 in Eschede bei Celle gegen ein Treffen von Neonazis. (dpa / picture-alliance)

Drohbriefe, ein Molotow-Cocktail, tote Tiere vor der Kirchentür - weil Pfarrer Wilfried Manneke sich gegen Rechtsradikalismus engagiert, wird er oft bedroht. Die meisten in seiner Gemeinde schweigen. Manche sagen: "Die Rechtsextremen tun doch keinem was."

Der TagTafeln nur für Deutsche?

Brot verteilen ehrenamtliche Helferinnen in Wiesbaden (Hessen) am 13.12.2012 in der Tafel der Stephanusgemeinde an Bedürftige. Zur Klientel der ausschliesslich spendenfinanzierten Tafel gehören unter anderem Rentner, Arbeitslose, Alleinerziehende und Geringverdiener. Foto: Boris Roessler dpa (Zu dpa-lhe Blickpunkt "Wenn es nicht reicht: Tafeln in Hessen haben grossen Zulauf" vom 16.12.2012) | Verwendung weltweit (dpa)

Die Essener Tafel hat entschieden, vorerst keine Ausländer mehr aufzunehmen. Das sorgt für Kritik. Die Kollegen in Bochum haben die gleichen Probleme, gehen aber einen anderen Weg. Und: Kann man die amerikanische Waffenlobby verteidigen? Man kann!

 

Nachrichten

 
 

Nachrichten

Vor Parlamentswahl  Große Demonstrationen in Italien - Stimmung aufgeheizt | mehr

Kulturnachrichten

Archäologen entdecken Totenstadt in Ägypten  | mehr

 

| mehr