Aktuell-Archiv des früheren dradio.de-Auftritts / Archiv /

 

Syrien und seine Verbündeten warnen Westen vor Eingreifen

Obama droht Syrien mit Militärschlag beim Einsatz von Chemiewaffen

Kadri Dschamil, syrischer Vizeregierungschef (picture alliance / dpa / Kirill Kallinikov)
Kadri Dschamil, syrischer Vizeregierungschef (picture alliance / dpa / Kirill Kallinikov)

Der Ton im Syrien-Konflikt wird rauer: Das Regime in Damaskus und seine Verbündeten haben den Westen vor einem militärischen Eingreifen gewarnt, nachdem US-Präsident Barack Obama einen möglichen Militärschlag in Syrien in Erwägung gezogen hat. Die Kämpfe in dem Land halten unvermindert an.

Russland warnte die Vereinigten Staaten indirekt vor einem militärischen Alleingang. Außenminister Sergej Lawrow betonte, man sei strikt gegen ein einseitiges Vorgehen. Moskau lege viel Wert darauf, dass internationales Recht und die Charta der Vereinten Nationen nicht verletzt würden. "Das ist der einzige wahre Weg in der heutigen Situation", sagte Lawrow. In dieser Frage bestehe auch Einigkeit mit China.

Auch Syrien warnte den Westen vor einem militärischen Eingreifen in seine inneren Auseindersetzungen. Das würde den Konflikt über die Grenzen des Landes hinaustragen, sagte der stellvertretende Ministerpräsident Kadri Dschalil in Moskau nach einem Treffen mit Lawrow. Zugleich wies er die die Drohung von US-Präsident Obama als Propaganda zurück. Obamas Äußerungen stünden in Zusammenhang mit der bevorstehenden US-Präsidentschaftswahl. Der Westen suche offenbar nach einem Vorwand, um sich direkt in die Angelegenheiten Syriens einzumischen.

Zurückhaltung aus Deutschland

De deutsche Außenminister Guido Westerwelle regierte zurückhaltend auf eine mögliche Militäraktion in Syrien. Deutschland beteilige sich nicht an Spekulationen über solche Szenarien, sagte er der "Märkischen Allgemeinen Zeitung" aus Potsdam. Westerwelle stellte klar, dass Assad sich vor einem internationalen Gericht verantworten sollte. Allerdings sei auch ein Gang ins Exil denkbar, wenn dadurch die Gewalt beendet würde.

Der französische Präsident Hollande betonte nach einem Treffen mit Vertretern des oppositionellen Syrischen Nationalrats in Paris, es könne mit Assad keine politische Lösung geben. Hollande rief die syrischen Regimegegner auf, sich zusammenzuschließen und den Übergang zur Demokratie vorzubereiten.

Obama zieht eine "Rote Linie"

Scheitert seine Gesundheitsreform vor Gericht? US-Präsident Barack Obama (picture alliance / dpa / Michael Nelson)US-Präsident Barack Obama droht Syrien (picture alliance / dpa / Michael Nelson)US-Präsident Barack Obama hatte dem syrischen Regime am Montag mit einer Militärintervention gedroht, sollte die Regierung in Damaskus chemische oder biologische Waffen einsetzen. Allein die Vorbereitung dessen würde eine "rote Linie" überschreiten, sagte Obama bei einer Pressekonferenz in Washington. Der Konflikt würde sich dadurch spürbar ausweiten, wovon auch Verbündete in der Region wie Israel sowie die USA selbst betroffen wären. "Wir können uns keine Situation erlauben, in der chemische oder biologische Waffen in die Hände der falschen Leute fallen", betonte Obama.

Der Vorsitzende des Auswärtigen Ausschusses, Ruprecht Polenz, sagte der "Neuen Osnabrücker Zeitung", es sei richtig, dass Obama eine rote Linie ziehe.

Syrien soll über Nervengas und biologische Kampfstoffe verfügen

Ende Juli hatten Äußerungen eines Sprechers des syrischen Außenministeriums weltweite Sorge über das syrische Chemiewaffenarsenal ausgelöst. Zunächst hatte der Sprecher erklärt, Syrien würde Chemiewaffen nicht gegen die Aufständischen im eigenen Land, sondern nur gegen "ausländische Aggression" einsetzen. Einen Tag später korrigierte er seine Aussagen und versicherte er, sein Land würde "niemals chemische und biologische Waffen nutzen".

Ralph Sina berichtet im Deutschlandfunk, das syrische Chemiewaffenarsenal gelte als eines der größten der Welt. Nach Erkenntnissen des amerikanischen Geheimdienstes CIA hat das Regime von Damaskus Tausende von Raketenwerfern bereits mit Senfgas und Nervengift bestückt.

Andauernde Kämpfe in Syrien

Ein zerstörter Panzer der Regierung nahe Aleppo. (picture alliance / dpa /Stringer)Ein zerstörter Panzer der Regierung nahe Aleppo. (picture alliance / dpa /Stringer)Unterdessen halten die Kämpfe in Syrien an. Nach Angaben von Aktivisten haben Regierungstruppen heute landesweit 60 Menschen getötet. Heftige Gefechte habe es in Aleppo gegeben. In einem Vorort von Damaskus sollen 20 junge Männer erschossen worden sein. Die Kämpfe in Syrien griffen erneut auch auf den Libanon über. Im Norden des Landes kamen bei Auseinandersetzungen zwischen Anhängern und Gegnern des Assad-Regimes mindestens zwei Menschen ums Leben. Dutzende wurden verletzt. Eine unabhängige Bestätigung der Angaben gibt es nicht.

Tokio bestätigt Tod von japanischer Reporterin

In Aleppo ist eine japanische Journalistin getötet worden. Die 45-Jährige sei dort in ein Feuergefecht geraten, bestätigte das japanische Außenministerium in Tokio. Ein Kollege, der mit ihr unterwegs gewesen sei, habe die Leiche identifiziert. Die Reporterin arbeitete für die japanische Nachrichtenagentur Japan Press. Laut der Syrischen Beobachtungsstelle für Menschenrechte werden außerdem zwei arabische und ein türkischer Journalist in Syrien vermisst. Es ist bereits der vierte Fall von im Syrien-Konflikt getöteten ausländischen Reportern. Auch mehrere syrische Journalisten wurden in dem Konflikt bereits getötet.

Diskussion um deutsches Flottendienstboot

Flottendienstboot "Oker" der Marine weltweit auf Aufklärungsmission (dpa / Marine)Flottendienstboot "Oker" der Marine weltweit auf Aufklärungsmission (dpa / Marine)Derweil bestätigte die Bundesregierung in Berlin, dass ein deutsches Aufklärungsboot im östlichen Mittelmeer agiert, dementierte aber, dass es sich um eine Spionagemission handle. Das Parlamentarische Kontrollgremium des Bundestags sollte sich auf seiner nächsten Sitzung mit dem Einsatz eines deutschen Flottendienstbootes befassen, sagte das Mitglied im Gremium, der CDU-Politiker Manfred Grund, im Deutschlandfunk. Auch er betonte, bei der Mission vor der Küste des Libanon und Syriens gehe es nicht um Spionage, sondern um Aufklärung und Informationsgewinnung. Ob auch Mitarbeiter der Nachrichtendienste an Bord seien, wisse er zum jetzigen Zeitpunkt nicht. Die Bundeswehr sei grundsätzlich selbst in der Lage, Informationen zu sammeln und zu verwerten.

Der Sprecher des Bundesverteidigungsministeriums, Stefan Paris hatte erklärt, bei der "Oker" handele es sich um ein sogenanntes Flottendienstboot - diese Schiffe seien unbewaffnete "Frühwarn-, Fernmelde- und Aufklärungseinheiten", erklärte Paris. Flottendienstboote der deutschen Marine operieren demnach "seit Jahren auch routinemäßig im Bereich des Mittelmeeres".



Mehr zum Thema auf dradio.de:

Syrienbeauftragter warnt vor Militärintervention - Russland und EU wollen Annan-Nachfolger unterstützen
Israel blickt besorgt auf Syrien - Golan-Höhe gerät in den Fokus der Entwicklung
Der US-Wahlkampf bestimmt die Verzögerungstaktik im Syrienkonflikt - Präsident Obamas Politik im Konflikt zwischen Assad und den Rebellen
Syrien droht ein Hungerproblem - FAO zufolge brauchen Millionen Menschen dringend Lebensmittel

 

Letzte Änderung: 02.10.2013 13:57 Uhr

Beitrag hören

 
 
Dradio Audio
Kein Audio aktiv
 
 
 
 
 

Für dieses Element wird eine aktuelle Version des Flash Players benötigt.

Jetzt Im Radio

Deutschlandfunk

MP3 | Ogg

seit 22:05 Uhr Atelier neuer Musik

Deutschlandradio Kultur

MP3 | Ogg

seit 22:00 Uhr Die besondere Aufnahme

DRadio Wissen

MP3 | Ogg

seit 19:00 Uhr Club der Republik

Aus unseren drei Programmen

Agenda 2010"Es ist immer wieder gut, Dinge in Frage zu stellen"

BAMF-Chef Frank-Jürgen Weise nimmt am 25.02.2016 in Berlin im Haus der Wirtschaft an der Veranstaltung "Ankommen in Deutschland", dem Aktionsprogramm der Industrie- und Handelskammern zur Integration von Flüchtlingen teil. (picture alliance / dpa / Kay Nietfeld)

Der Vorstandsvorsitzende der Bundesagentur für Arbeit, Frank-Jürgen Weise, hat die Agenda 2010 gelobt und sich zugleich für Änderungen ausgesprochen. Berufe, Arbeitsverträge und Arbeitsorte veränderten sich. Deshalb könne man erwarten, dass die Politik diese Entwicklungen nach vorne gerichtet unterstütze, sagte er im Deutschlandfunk.

Aretha Franklins GeburtstagSoul-Ikone und Bürgerrechtlerin feiert 75.

Aretha Franklin  (picture alliance / dpa / Ron Sachs)

Aretha Franklin sang für Martin Luther King und bei der Amteinführung von Barack Obama, die afroamerikanische Sängerin gilt als eine der erfolgreichsten Musikerinnen überhaupt. Nun ist die Soul-Diva 75 Jahre alt geworden - und denkt über einen Abschied von der Bühne nach.

BuchprojektAuf einen Coffee to go nach Togo

Ein leerer Starbucks-Kaffeebecher (dpa picture alliance / Inga Kjer)

Coffee to go kennen wir alle. Bloß wo kommt eigentlich der echte Kaffee Togo her? Markus Weber wollte es wissen und machte sich auf den Weg. Mit dem Fahrrad nach Togo, durch 26 Länder, 14.000 Kilometer. Daraus entstand sein Buch "Ein Coffee to go in Togo".

KaczynskilandWie polnische Geschichte und Kultur umgedeutet werden

Das Denkmal "Westerplatte" zu Ehren der polnischen Verteidiger in der gleichnamigen Gedenkstätte in Danzig in Polen, aufgenommen am 17.06.2012. (picture alliance / dpa / Jens Wolf)

Mit dem deutschen Beschuss der Westerplatte vor Danzig beginnt am 1. September 1939 der Zweite Weltkrieg. Die Polen wehren sich tapfer und unterliegen. So wird die Geschichte im Museum der Stadt Gdansk erzählt. Und das, findet die neue polnische Regierung, ist viel zu unpatriotisch.

FamilienkonflikteGeschichten vom Loslassen

Eine Frau zerreißt ein Foto ihrer Eltern. (imago/epd )

Wenn sich Familienkonflikte nicht lösen lassen, bleibt noch die Möglichkeit, sich ganz zu trennen. Die "Lange Nacht" porträtiert Menschen, die genau das getan haben.

Sir Elton John wird 70"Musik ist meine Liebe, Shoppen meine Sucht"

Elton John in Brasilien  (picture alliance / dpa / Foto: EPA/Antonio Lacerda)

Seit mehr als fünf Jahrzehnten steht Elton John auf der Bühne. Er zählt zu den erfolgreichsten Popstars aller Zeiten. Rund 300 Millionen Alben hat der exzentrische Brite verkauft. Doch ans Aufhören denkt Sir Elton John noch lange nicht: Die Show wird weitergehen.

 

Nachrichten

 
 

Nachrichten

Erdogan  Referendum über EU-Mitgliedschaft der Türkei grundsätzlich möglich | mehr

Kulturnachrichten

Anti-Trump-Kunstinstallation erneut abgebrochen  | mehr

 

| mehr