Aktuell-Archiv des früheren dradio.de-Auftritts / Archiv /

 

Syrien vor ungewisser Zukunft

Russland: Friedensgespräche erst zum Jahresende realistisch

Wie es für die notleidende Bevölkerung in Syrien weitergeht, steht in den Sternen. (picture alliance / dpa / Martin Lejeune)
Wie es für die notleidende Bevölkerung in Syrien weitergeht, steht in den Sternen. (picture alliance / dpa / Martin Lejeune)

Ein Ende des Bürgerkriegs in Syrien ist nicht in Sicht. Mehr als 120.00 Menschen sollen inzwischen getötet worden sein - Zusagen der verfeindeten Parteien zu einer internationalen Friedenskonferenz in Genf fehlen. Deutschland und Russland schrauben ihre Erwartungen an die Gespräche zurück.

Man hoffe auf einen baldigen Termin - wenn nicht in diesem Monat, dann möglichst noch bis Jahresende, erklärte ein Sprecher des Auswärtigen Amtes in Berlin im Hinblick auf die internationale Syrien-Konferenz. Auch Russland dämpfte die Hoffnungen auf baldige Gespräche: "Ich hoffe, dass es möglich sein wird, dass die Konferenz bis Ende des Jahres stattfindet", sagte Ministerpräsident Dmitri Medwedew in einem Interview mit der Nachrichtenagentur Reuters. Zugleich schränkte er ein, dass die Einflussmöglichkeiten der beteiligten Staaten auf die syrischen Konfliktparteien begrenzt seien. Es handle sich um einen schwierigen Prozess, in dem es ohne Kompromisse keine Fortschritte geben werde.

Nouripour: auch Libanon, Jordanien und Irak in Gefahr

Unterdessen hat der Verteidigungsexperte der Grünen, Omid Nouripour, vor einer Ausweitung des Konflikts gewarnt. Es gebe Hinweise darauf, dass Länder wie der Libanon, Jordanien und auch der Irak gefährdet seien, sagte er im Deutschlandradio Kultur. Diese Staaten müssten humanitäre Hilfe bekommen, bis es es eine Lösung in der Syrien-Frage gebe. Zugleich sprach sich Nouripour gegen einen Militäreinsatz aus, der seiner Ansicht nach nur die Flüchtlingsströme aus Syrien verstärken würde.

Lakhdar Brahimi, der Syrien-Sondergesandte der UNO, traf sich unterdessen mit 15 Vertretern der von der Regierung tolerierten Opposition. Mit Blick auf die geplante Friedenskonferenz sagte er anschließend: "Wenn die Opposition nicht teilnimmt, wird es keine Genfer Konferenz geben." Nur die Syrer könnten über die Zukunft ihres Landes entscheiden. Brahimi war seit vergangenem Sonntag in Syrien. In der Hauptstadt Damaskus traf der Diplomat auch mit Assad zusammen.

Syrische Opposition hat Teilnahme an der Konferenz noch nicht zugesagt

Die Syrische Nationale Koalition, der Dachverband der gemäßigten Opposition, will über eine mögliche Beteiligung an der geplanten Konferenz in Genf beraten. Die Gegner von Syriens Machthaber Baschar al-Assad sind sich alles andere als einig. Bedeutende Teile der Opposition sträuben sich derzeit gegen eine Teilnahme an dem geplanten Treffen.

Die Friedenskonferenz war von den USA und Russland vorgeschlagen worden, bislang galt der 23. November als möglicher Termin. Das Treffen in Genf wäre die zweite Friedenskonferenz zu Syrien. Auf Initiative des damaligen Sondergesandten Kofi Annan hatten in Genf Ende Juni 2012 die Außenminister der fünf UN-Vetomächte und arabischer Staaten über die Zukunft des Landes beraten. Am kommenden Dienstag soll Brahimi Vertreter der USA und Russlands treffen, um ihnen über den Fortgang seiner Vermittlungsbemühungen zu berichten.

OPCW: Chemiewaffen-Vernichtung ordnungsgemäß abgelaufen

Organisation für das Verbot von Chemiewaffen (OPCW) mit Sitz in Den Haag. (AFP / Guus Schoonewille)Die OPCW erklärt: Syrien hat eine wichtige Frist zur Chemiewaffen-Zerstörung eingehalten. (AFP / Guus Schoonewille)Am Donnerstag war bekannt geworden, dass die Regierung in Damaskus eine wichtige Frist im Zeitplan für die international vereinbarte Vernichtung ihrer Chemiewaffen eingehalten hat. Demnach wurden fast 1.300 Tonnen an chemischen Waffen und Kampfstoffen versiegelt und auch die letzten Produktionsstätten unschädlich gemacht. Die bisherige Vernichtung sei ordnungsgemäß geschehen, bestätigten Experten der Organisation für das Verbot von Chemiewaffen (OPCW). Der stellvertretende russische Außenminister Sergej Rjabkow geht davon aus, dass bis Mitte nächsten Jahres sämtliche syrische Chemiewaffen zerstört sein werden. Viel spreche allerdings dafür, dass der Großteil der Kampfstoffe dafür ins Ausland gebracht werden müsse. Das ist laut Riabkow mit Kosten zwischen 300 und 400 Millionen Dollar verbunden.

Gleichzeitig veröffentlichte die Syrische Beobachtungsstelle für Menschenrechte einen Bericht, nach dem die Zahl der Toten in Syrien seit Beginn der Kämpfe vor 31 Monaten auf etwa 120.300 gestiegen sei. Die Organisation mit Sitz in London stützt sich auf ein dichtes Netz von Aufständischen, Anwälten, Ärzten und Quellen innerhalb der Streitkräfte. Von den Todesopfern sind demnach ein Drittel Zivilisten. Aufseiten der Rebellen habe es 25.700, bei den regulären Streitkräften und den regierungstreuen Milizen 49.000 Todesopfer gegeben.


Mehr zum Thema auf dradio.de

Bericht: Hälfte der Syrer lebt in Armut
Fehlende Perspektiven zwingen viele Menschen in die Kriminalität
Assad stellt Syrien-Konferenz infrage
"Freunde Syriens" beraten über Friedensgespräche
Chronologie: Bürgerkrieg in Syrien
Eckpunkte des Aufstands

 

Letzte Änderung: 14.11.2013 23:12 Uhr

Beitrag hören

 
 
Dradio Audio
Kein Audio aktiv
 
 
 
 
 

Für dieses Element wird eine aktuelle Version des Flash Players benötigt.

Jetzt Im Radio

Deutschlandfunk

MP3 | Ogg

seit 19:15 Uhr Andruck - Das Magazin für Politische Literatur

Deutschlandradio Kultur

MP3 | Ogg

seit 19:30 Uhr Zeitfragen. Feature

DRadio Wissen

MP3 | Ogg

seit 18:15 Uhr Redaktionskonferenz

Aus unseren drei Programmen

Loveparade-KatastropheNotwendiges Neuland

Eine Gedenkstätte für das Loveparade-Unglück in Duisburg.  (dpa/Monika Skolimowska)

Die Aufarbeitung der Loveparade-Katastrophe von vor sechs Jahren sei in ein unwürdiges Schwarzer-Peter-Spiel ausgeartet, kommentiert Moritz Küpper. Warum nicht den Teufelskreis durchbrechen und eine unabhängige Untersuchungskommission einsetzen? Das wäre Neuland - und ein Zeichen an die Opfer.

Medienreform in PolenWackelt die vierte Gewalt im Staat?

Demonstration gegen Polens umstrittenen Medien- und Justizgesetze in Brüssel am 18. Januar 2016. (picture alliance / dpa  - Laurent Dubrule)

Die amtierende PiS-Regierung in Polen plant für den 1. Juli eine Reform der Medien. Die öffentlichen-rechtlichen Medien sollen in nationale verwandelt werden. Wegen internationaler Kritik hat die Regierung die Reform auf 2017 verschoben.

Darknet und Deep WebWarum Anonymität im Netz wichtig ist

Eine Illustration, bei der ein Mann im Hasso-Plattner-Institut in Potsdam (Brandenburg) eine Hand auf einen Bildschirm mit dem visualisierten, weltumspannenden Internet hält. (dpa / Ralf Hirschberger)

Der Journalist und Autor Alexander Krützfeldt hält es für falsch, nach den jüngsten Gewalttaten nun die Möglichkeiten zu begrenzen, anonym im Internet zu surfen. Solche Software sei wichtig für Dissidenten, NGOs und Reporter, sagte er im DLF.

Unruhe vor Parteitag der DemokratenHat die Parteispitze Clinton bevorzugt?

Arbeiter bereiten den Saal im Wells Fargo Center in Philadelphia für den National Convention der US-Demokraten vor. (picture-alliance/ dpa/ epa/ CJ Gunther)

Ex-Außenministerin Hillary Clinton will ins Weiße Haus. Der Nominierungsparteitag der Demokraten in Philadelphia soll deshalb zu einer machtvollen Demonstration der Einheit werden. Doch ausgerechnet jetzt sorgen pikante und geleakte E-Mails aus dem Kreis der Parteispitze für Unruhe.

Autorin Stefanie SargnagelZwischen Depression und Größenwahn

Die Autorin Stefanie Sargnagel (picture alliance / dpa / Horst Ossinger)

Ihre literarische Karriere begann auf Facebook, ihren vorläufigen Höhepunkt erreichte sie dieses Jahr mit einer Einladung zu den Bachmann-Tagen in Klagenfurt. Die Österreicherin Stefanie Sargnagel gilt als Kult-Autorin. Wir reden mit ihr über Depression und Größenwahn.

SchönheitsidealHilfe, mein Kinn ist nicht männlich!

Wenn ihr im Netz nach "Plastischer Chirurgie" sucht, findet ihr neben Nasen und Brüsten immer mehr Diskussionen über das Kinn. Junge Männer fragen sich: Sollte ich über ein Kinnimplantat nachdenken? DRadio Wissen hilft euch.

 

Nachrichten

 
 

Nachrichten

Ansbach  Bundesanwaltschaft übernimmt Ermittlungen | mehr

Kulturnachrichten

Schärfere Kontrollen bei Konzerten  | mehr

Wissensnachrichten

Anti-Ransomware-Programm  Europol gegen Netz-Erpressungen | mehr