Aktuell-Archiv des früheren dradio.de-Auftritts / Archiv /

 

Syrien will Zivilisten aus Homs evakuieren

Rund 1000 Familien eingeschlossen - Vorwürfe an "bewaffnete Terroristen"

Eine Artilleriegranate in einem Wohnviertel von Homs (picture alliance / dpa / David Manyua / UNO)
Eine Artilleriegranate in einem Wohnviertel von Homs (picture alliance / dpa / David Manyua / UNO)

Die Menschen in Homs sind eingekesselt und stehen unter Beschuss. Laut eigenen Angaben ist die syrische Regierung nun bereit, Zivilisten aus der umkämpften Stadt in Sicherheit zu bringen. Bewaffnete Terroristen hätten bisher eine mit der UN-Beobachtermission abgestimmte Evakuierung verhindert.

Nach einem Aufruf der UN-Mission will die syrische Regierung nun handeln: Zivilisten sollen aus der umkämpften Stadt Homs evakuiert werden. Das Außenministerium erklärte nach einem Bericht der amtlichen Nachrichtenagentur SANA, die Regierung habe bereits die UN-Mission und die örtlichen Behörden kontaktiert. Die Bemühungen der UN-Beobachter seien jedoch an "bewaffneten Terroristen" gescheitert - diese missbrauchten Zivilisten als menschliche Schutzschilde.

UN-Missionschef Robert Mood hatte am Sonntag gefordert, dass die Konfliktparteien eine Evakuierung von Frauen, Kindern und Kranken aus den umkämpften Gebieten ermöglichen, was in der vorangegangenen Woche nicht gelungen sei. In Homs sind nach Angaben von Aktivisten rund 1000 Familien eingeschlossen. Die Verwundeten könnten nicht behandelt werden, berichtet die Syrische Beobachtungsstelle für Menschenrechte. Der oppositionelle Nationale Sicherheitsrat in Syrien hatte am Wochenende erklärt, Homs werde von etwa 30.000 Soldaten und Mitgliedern von mit der Armee verbündeten Milizen belagert.

Mehr Tote nach Stopp der Beobachtermission

UN-Beobachter in Syrien sind beschossen worden (picture alliance / dpa / Youssef Badawi)UN-Beobachter in Syrien (picture alliance / dpa / Youssef Badawi)Der Konflikt zwischen den Aufständischen und den Truppen von Präsident Baschar al-Assad hat nach dem Abzug der UN-Beobachter in der vergangenen Woche mehr Opfer gefordert. Nach Angaben von Aktivisten wurden am Montag 83 Menschen getötet, darunter elf Kinder. Die meisten Opfer soll es nach Gefechten im Umland von Damaskus in der Stadt Duma gegeben haben. Wegen der andauernden Bombardierung sei es noch nicht gelungen, mögliche Überlebende unter den Trümmern zu bergen. Die UN-Beobachter in Syrien hatten am Samstag angesichts der zunehmenden Gefechte die Arbeit eingestellt. Sie kündigten jedoch an, in der Hauptstadt Damaskus bleiben zu wollen.

Die Sprecherin der Beobachtermission, Sausan Ghoseh, machte beide Seiten für die zunehmende Gewalt verantwortlich. Den Konfliktparteien fehle der Wille zu einem friedlichen Übergang, sagte sie im Deutschlandfunk. "Wir haben auch gesehen, dass weiterhin unschuldige Zivilisten - Männer, Frauen, Kinder - täglich ihr Leben verlieren."

USA und Russland kommen sich näher

Auf dem G-20-Gipfel in Mexiko plädierten die USA und Russland unterdessen für einen politischen Prozess zur Beilegung des Konflikts. US-Präsident Barack Obama erklärte nach einem Treffen mit seinem russischen Kollegen Wladimir Putin, er stimme mit diesem im Hinblick auf Syrien darin überein, dass "wir ein Ende der Gewalt brauchen und einen politischen Prozess, um einen Bürgerkrieg zu verhindern". "Wir werden mit anderen internationalen Akteuren, den Vereinten Nationen, Kofi Annan und allen interessierten Parteien auf eine Lösung des Problems hinarbeiten." Putin erklärte, er und Obama seien sich bei vielen Fragen bezüglich Syrien einig. "Wir teilen die Überzeugung, dass das syrische Volk die Möglichkeit haben sollte, unabhängig und demokratisch über die eigene Zukunft zu entscheiden", hieß es in einer gemeinsamen Stellungnahme. Dies wird als eine - wenn auch zaghafte - Annäherung gedeutet, denn die USA hatten Russland immer wieder vorgeworfen, die Regierung in Damaskus zu stützen.

Annans Friedensplan für Syrien steht vor dem Scheitern - weder Regierung und Opposition halten sich an die darin festgelegte Waffenruhe. Seit den jüngsten Massakern rückt diese in immer weitere Ferne. Die Zahl der Toten seit dem Beginn des Aufstands im März 2011 gab die Beobachtungsstelle zuletzt mit mehr als 14.000 an. Eine schärfere Verurteilung Syriens im UN-Sicherheitsrat scheiterte bislang am Widerstand Russlands und Chinas.

 

Letzte Änderung: 02.10.2013 13:53 Uhr

Beitrag hören

 
 
Dradio Audio
Kein Audio aktiv
 
 
 
 
 

Für dieses Element wird eine aktuelle Version des Flash Players benötigt.

Jetzt Im Radio

Deutschlandfunk

MP3 | Ogg

seit 09:35 Uhr Tag für Tag

Deutschlandfunk Kultur

MP3 | Ogg

seit 09:05 Uhr Im Gespräch

Deutschlandfunk Nova

MP3 | Ogg

seit 06:30 Uhr Hielscher oder Haase

Aus unseren drei Programmen

Debatte um europäische AnnäherungWelches Europa wollen wir?

Verschiedenfarbige Köpfe, im Hintergrund: Sterne der EU-Flagge. (imago/Ikon Images)

Während man sich in Deutschland noch in Sachen Regierungsbildung abmüht, macht Emanuel Macron Druck. Er will ein neues Kapitel in Europa aufmachen. Und das möglichst bald. Davon sollte man sich nicht beeinflussen lassen meint allerdings der Publizist und Historiker Klaus Rüdiger Mai.

Studie über KinderarmutEinmal arm, lange arm

Kinder stehen in einem Kindergarten in Hamburg. (dpa-Bildfunk / Christian Charisius)

Gut 20 Prozent aller Kinder in Deutschland leben laut einer Studie länger als fünf Jahre in armen Verhältnissen. Für weitere 10 Prozent sei Armut zumindest ein zwischenzeitliches Phänomen, heißt es in einer Untersuchung im Auftrag der Bertelsmann-Stiftung. Fazit: Wer einmal arm sei, bleibe es in den meisten Fällen für lange Zeit.

Aus den FeuilletonsDer nächste US-Import: Polarisierung

Zwei Stiere verkeilt im Konflikt (imago stock&people / Copyright Marcus Butt)

Die "Welt" blickt mit Sorge auf die USA und würdigt einen Autor, der die Polarisierung des Landes beschreibt und analysiert. Die "Süddeutsche" diskutiert den aktuellen Tatort und die "FAZ" war auf einer Preisverleihung.

Asteroid in optimaler OppositionDer Iris-Planet im Widder

Der Asteroid Iris (roter Punkt) steht gerade im Sternbild Widder  (Stellarium)

Im Sommer 1847 entdeckte der Brite John Russell Hind den Himmelskörper Iris. Er war das siebte Objekt zwischen den Bahnen von Mars und Jupiter – und galt in den ersten Jahren nach der Entdeckung noch als Planet.

Gelungene Opernpremiere in Stuttgart Halbe Inszenierung ohne Regisseur Kirill Serebrennikow

Die Opernsängerin Esther Dierker (Gretel) probt am 19.03.2017 im Opernhaus in Stuttgart (Baden-Württemberg) eine Neuinszenierung der Oper "Hänsel und Gretel". Die Inszenierung war von dem in Moskau in Hausarrest sitzenden Regisseur Kirill Serebrennikow geplant. Die Oper hielt trotzdem an der Neuinszenierung der Oper «Hänsel und Gretel» fest. Die Premiere der unvollendeten Arbeit ist am 22.10.2017. (zu dpa: "Oper "Hänsel und Gretel" vom 23.10.2017) Foto: Bernd Weißbrod/dpa | Verwendung weltweit (dpa)

Die Stuttgarter Oper hat die Märchenoper "Hänsel und Gretel" inszeniert. Weil aber der Regisseur der Inszenierung, Kirill Serebrennikow, in Russland unter Hausarrest steht, führte das Haus das Stück als eine Art Fragment auf und unterstützte damit die Forderung nach einer Freilassung des Künstlers.

Lage der Rohingyya in Myanmar Das Elend der Ungewollten

Das Bild zeigt muslimische Kinder im Lager Da Paing IDP bei Sittwe im Bundesstaat Rakhine.  (AFP / Hla Hla Htay)

Vor der Militärgewalt sind fast 600.000 Rohingya nach Bangladesh geflohen. Aber auch innerhalb Myanmars gibt es Flüchtlinge, die sich zu Tausenden in die Lager bei Sittwe gerettet haben. Hungernd, lethargisch und gehasst inzwischen auch von der buddhistischen Bevölkerung warten sie auf Hilfe.

 

Nachrichten

 
 

Nachrichten

Jamaika-Sondierung  Debatte über Prioritäten im Haushalt | mehr

Kulturnachrichten

Timberlake tritt wieder bei Super Bowl auf | mehr

 

| mehr