Aktuell-Archiv des früheren dradio.de-Auftritts / Archiv /

 

Syrien: Zwei Jahre Krieg, drei UNO-Resolutionen und kein Ende in Sicht

Welthungerhilfe erhielt nur 12.000 Euro an deutschen Privatspenden

Soldaten der syrischen Armee beziehen Stellung während einer Patrouille nahe Damaskus (picture alliance / dpa / Sana / Handout)
Soldaten der syrischen Armee beziehen Stellung während einer Patrouille nahe Damaskus (picture alliance / dpa / Sana / Handout)

Seit über zwei Jahren herrscht Bürgerkrieg in Syrien. Die UNO-Vollversammlung ruft die Konfliktparteien zum Frieden auf – bereits zum dritten Mal und wieder mit wenig Aussicht auf Erfolg. Deutsche Hilfsorganisationen fordern ungehinderten Zugang zu syrischen Flüchtlingen.

Die Krise in Syrien und seinen Nachbarländern habe sich zu einer der größten Katastrophen der letzten zehn Jahre ausgeweitet, sagte das Vorstandsmitglied des Verbands Entwicklungspolitik Deutscher Nichtregierungsorganisationen (VENRO), Sid Peruvemba, in Bonn.

Über vier Millionen Vertriebene im Land, fast eineinhalb Millionen Flüchtlinge, die Syrien bereits verlassen haben und etwa 80.000 Tote - das sind die Zahlen, mit denen die Vereinten Nationen die Folgen des syrischen Bürgerkrieges beziffern. Den Menschen mangele es nicht nur an Nahrungsmitteln, Trinkwasser und medizinischer Versorgung. Viele, vor allem Kinder, seien durch Gewalterlebnisse traumatisiert, so Peruvemba. Er forderte bessern Zugang zu Flüchtlingen für die Hilfsorganisationen.

"Nicht die Augen verschließen"

Um die Lage für die Zivilbevölkerung im Land und die Flüchtlinge in den Nachbarländern wenigstens etwas zu lindern, haben die deutschen Hilfswerke für heute zu einem "Aktionstag Syrien" aufgerufen. In der "Neuen Osnabrücker Zeitung" rief Matthias Mogge, Vorstandsmitglied der Deutschen Welthungerhilfe, die Bevölkerung auf, die Augen nicht vor dem Leid zu verschließen, auch wenn die Hintergründe des Konflikts kompliziert seien.

Enttäuschend sind die Zahlen der Welthungerhilfe: Sie erhielt nach eigenen Angaben in den vergangenen zwei Jahren, also seit Ausbruch des Kriegs, 12.000 Euro an deutschen Privatspenden. Zum Vergleich: Nach den Umweltkatastrophen in Haiti und Pakistan waren es jeweils 20 Millionen Euro.

Flüchtlingslager in Syrien (picture alliance / dpa / Thomas Rassloff)Flüchtlingslager in Syrien (picture alliance / dpa / Thomas Rassloff)Der Präsident des Deutschen Roten Kreuzes, Rudolf Seiters, betonte in Berlin, rund ein Drittel der Syrer komme nicht mehr ohne fremde Hilfe über die Runden. Das Welternährungsprogramm der UNO erläuterte, es benötige derzeit gut 15 Millionen Euro pro Woche, um zweieinhalb Millionen Menschen in Syrien und eine Million Flüchtlinge zu versorgen. Gleichzeitig stiegen die Preise für Nahrungsmittel weiter an. Bereits im September 2012 seien Lebensmittel in Syrien fünfzig Prozent teurer gewesen als ein Jahr zuvor. Besonders die Brotpreise explodieren.

Islamisten richten offenbar Regierungssoldaten hin

Aus Syrien kommen unterdessen Berichte über die Hinrichtung von Regierungssoldaten durch Rebellen. Im Internet tauchte ein Video auf, das die Ermordung von elf mutmaßlichen Soldaten durch maskierte Männer zeigt. Einer der Maskierten erklärte, ein Scharia-Gericht habe die Soldaten zum Tode verurteilt. Die radikal-islamische Al-Nusra zeichnet für die Tat verantwortlich. Sie will in Syrien einen islamischen Gottesstaat errichten.

UNO-Vollversammlung verabschiedet dritte Syrien-Resolution

Zwischen den verschiedenen Weltmächten geht das Tauziehen um Syrien weiter. Stundenlang debattierte die UNO-Vollversammlung am Mittwoch über die inzwischen dritte Resolution zum Syrien-Konflikt. Am Ende stimmten 107 der 178 anwesenden Staatenvertreter für das Dokument. Russland stimmte nicht zu. Moskau hält den Text für parteiisch und sieht in ihm eine Hinderung für Verhandlungen.

In der Resolution wird die "Eskalation" des Bürgerkrieges durch den Einsatz schwerer Waffen seitens der Regierung verurteilt. Die Konfliktparteien werden aufgerufen, eine Übergangsregierung zu bilden. Der Text bezeichnet außerdem die oppositionelle Nationale Koalition Syriens als einen "für den Übergang nötigen effektiven und repräsentativen Gesprächspartner".

Die syrische Opposition begrüßte die Resolution. Mit dem Beschluss allein werde das Leiden des syrischen Volkes jedoch nicht beendet, betonte die Nationale Syrische Koalition zugleich in einer Erklärung. Das Regime von Präsident Baschar al-Assad müsse unter Druck gesetzt werden, damit Millionen notleidender Syrer humanitäre Hilfe erhalten könnten. Außerdem müssten Vorbereitungen für die spätere Verfolgung von Kriegsverbrechern getroffen werden.

Alt-Text

Französische Schule in Damaskus macht weiter

Es gibt aber auch gute Nachrichten: Die Nachrichtenagentur AFP berichtet heute über die französische Schule in Damaskus, das "Lycée Charles de Gaulle". Rechts sehen Sie einen Screenshot der Homepage. 2008 hatte Nicolas Sarkozy dort noch die neuen, smart aussehenden Gebäude eingeweiht. Der Betrieb geht weiter: Auf der Homepage wird - auf Französisch - bereits auf das neue Schuljahr 2013/14 hingewiesen.

Allerdings wird unter erschwerten Bedingungen unterrichtet. Statt 900 kommen nur noch 220 Schülerinnen und Schüler. Und die Finanzen sind schwierig: Der französische Staat hat zeitgleich zur Schließung seiner Botschaft auch die Mittel für das Lycée de Gaulle gestrichen - jedenfalls zum größten Teil. Seither finanziert sich die Schule über die Beiträge der Eltern und aus ihren eigenen Reserven.

Mehr Informationen auf dradio.de:

"Türkei will, dass die USA aktiv am Syrien-Konflikt teilnimmt"
Politologe Nail Alkan hat große Erwartungen an Erdogans Besuch in Washington

"Es ist jetzt nicht mehr Zeit zum Zündeln"
Grünen-Außenpolitikerin Franziska Brantner mahnt baldige Syrienkonferenz an

"Die Region brennt längst"
Gastkommentar von Von Markus Bickel, "Frankfurter Allgemeine Zeitung"

Ein ganz normaler Tag in Aleppo
Reportage aus dem Bürgerkriegsland Syrien

Erdogan droht Syrien mit Vergeltung
Aktuell vom 13.05.2013

 

Letzte Änderung: 02.10.2013 14:11 Uhr

Beitrag hören

 
 
Dradio Audio
Kein Audio aktiv
 
 
 
 
 

Für dieses Element wird eine aktuelle Version des Flash Players benötigt.

Jetzt Im Radio

Deutschlandfunk

MP3 | Ogg

seit 11:30 Uhr Sonntagsspaziergang

Deutschlandfunk Kultur

MP3 | Ogg

seit 11:05 Uhr Deutschlandrundfahrt

Deutschlandfunk Nova

MP3 | Ogg

seit 08:00 Uhr Dein Sonntag

Aus unseren drei Programmen

Benjamin Clementine in der Elbphilharmonie Selbstbewusst und verletzlich

Der Britische Sänger Benjamin Clementine bei einem Auftritt in Ostrava in der Tschechischen Republik am 21. Juli 2017 (Jaroslav Ozana / CTK /  dpa)

Es ist ein langer und verworrener Weg vom Pariser Clochard-Leben bis in die Elbphilharmonie und in die Spalten der Feuilletons. Benjamin Clementine ist ihn gegangen. Olga Hochweis war beim deutschen Tour-Auftakt in Hamburg dabei.

ChileZwischen Reformstau und Rechtswende

Bildnummer: 54475958 Datum: 16.09.2005 Copyright: imago/gezett internationales literaturfestival berlin Arturo Fontaine T. (Talavera) kultur people literatur kbdig xo0x 2005 quer Schriftsteller literatur Autor Portrait Persoenlichkeit Author writing writer Culture Kulture Dichter Poet o0 shooting Bildnummer 54475958 Date 16 09 2005 Copyright Imago International Literature Festival Berlin Arturo Fontaine T Talavera Culture Celebrities Literature Kbdig xo0x 2005 horizontal Writer Literature Author Portrait Personality author Writing Writer Culture Kulture Poet Poet o0 Shooting (imago stock&people)

In ihrer ersten Amtszeit als Präsidentin Chiles war Michelle Bachelet so erfolgreich, dass sie mit großer Zustimmung im Amt bestätigt wurde. Jetzt wird in Chile gewählt - und das Land steht vor einem politischen und kulturellen Richtungswechsel. Darüber spricht der chilenische Schriftsteller Arturo Fontaine mit dem Publizisten Peter B. Schumann.

Open Mike 201725 Jahre und kein bisschen müde

Die Gewinner des 25. "Open Mike"-Wettbewerbs: Mariusz Hoffmann (v.l.n.r.), Ronya Othmann, Baba Lussi, Ralph Tharayil. (Imago)

Zum 25. Mal hat der Open Mike, der größte Wettbewerb für junge deutschsprachige Literatur, stattgefunden. Zwei Tage lang las im Berliner Heimathafen Neukölln der Nachwuchs vor großem Publikum. Was dort passierte, hören Sie hier.

Kinofilm "Manifesto" Cate Blanchett in 13 Rollen

Cate Blanchett als Puppenspielerin - Surrealismus - im Film "Manifesto" von Julian Rosefeldt (Julian Rosefeldt und VG Bild-Kunst)

Nach dem Erfolg der Kunstinstallation "Manifesto" kommt jetzt eine Filmversion in die deutschen Kinos. Der Regisseur Julian Rosefeldt setzt dabei auf die Kraft der Künstlermanifeste, die er verhandelt – und die seiner Hauptdarstellerin Cate Blanchett, die alle 13 Rollen spielt.

Wundermittel oder Krebsgefahr?Der Kampf um Glyphosat & Co.

Ein Traktor fährt bei Göttingen (Niedersachsen) Ende März über ein Feld und bringt mittels einer gezogenen Anhängespritze zur Saatbettbereinigung Glykosphat aus (undatierte Aufnahme). Glyphosat kommt in der Regel als Nacherntebehandlung bzw. vor der Aussaat zum Einsatz. Das Pestizid dient zur Unkrautbekämpfung in der Landwirtschaft. (ACHTUNG: Nur zur redaktionellen Verwendung und der vollständigen Nennung der Quelle) - Foto: Steven Lüdtke/Forum Moderne Landwirtschaft/dpa (Steven Lüdtke/Forum Moderne Landwirtschaft/dpa)

Ist Glyphosat ein ungefährliches Wundermittel zur Bekämpfung von Unkraut? Oder schädigt es die DNA und zerstört die Vielfalt unserer Natur? Wir diskutieren mit dem Biochemiker Helmut Burtscher-Schaden und dem Dokumentarfilmer Alexander Schiebel über die leidenschaftlich geführte Debatte.

Abschluss Klimakonferenz BonnEinigung auf Arbeitsplan

Frank-Walter Steinmeier (l.) und UNO-Generalsekretär Antonio Guterres (r.) auf der Klimakonferenz in Bonn. Mit im Bild: der Premierminister der Fidschi-Inseln, Frank Bainimarama, und Timoci Naulusala, ein Kind von den Fidschi-Inseln. (AP)

Zum Abschluss der Klimakonferenz ist das Fidschi-Momentum verabschiedet worden. Ein Dokument, das nach Meinung der Beteiligten einen ambitionierten Arbeitsplan für das kommende Jahr enthält. NGOs sehen das Gipfelergebnis aber allenfalls als Teilerfolg - und für den Klimagipfel in Polen 2018 sind Konflikte bereits vorprogrammiert.

 

Nachrichten

 
 

Nachrichten

Jamaika-Sondierungen  Migration weiter Hauptstreitpunkt | mehr

Kulturnachrichten

Tunesischer Designer Azzedine Alaïa gestorben | mehr

 

| mehr