Aktuell-Archiv des früheren dradio.de-Auftritts / Archiv /

 

Syrische Opposition wirft Regierung neues Massaker vor

Mindestens 320 Tote in Daraja nahe Damaskus

Ein undatiertes Bild der Syrian Arab News Agency (SANA) zeigt syrische Soldaten in der Stadt Aleppo
Ein undatiertes Bild der Syrian Arab News Agency (SANA) zeigt syrische Soldaten in der Stadt Aleppo (picture alliance / dpa / SANA)

In Syrien soll es erneut zu einem Blutbad gekommen sein: Mindestens 320 Menschen seien in Daraja ermordet worden, melden Rebellen. Die Regierung spricht von einer Säuberung der Stadt von bewaffneten Terror-Gruppen.

"Assads Armee hat in Daraja ein Massaker angerichtet", sagte der syrische Oppositionelle Abu Kinan der Nachrichtenagentur Reuters per Telefon. Innerhalb einer Stunde seien in dem Ort nahe der syirschen Hauptstadt Damaskus 122 Leichen entdeckt worden. Er habe miterlebt, wie ein achtjähriges Mädchen von einem Scharfschützen getroffen worden sei, als ihre Familie im Auto fliehen wollte. Sie sei in einem Behelfskrankenhaus gestorben.

Die Syrische Beobachtungsstelle für Menschenrechte in London spricht insgesamt von mindestens 320 Toten. Viele Opfer seien bei Massenhinrichtungen getötet und die Leichen dann verbrannt worden. In einem von der Opposition verbreiteten Video sind zahlreiche verkohlte Leichen zu sehen, die in einer Moschee entlang der Wände übereinander gelegt waren. Eine Stimme beschreibt die Bilder als Ergebnis eines "abscheulichen Massakers", das von den Truppen von Machthaber Baschar al-Assad begangen worden sei.

Regierung: Säuberung der Stadt von Terror-Gruppen

Die staatliche syrische Nachrichtenagentur Sana meldete: "Unsere heldenhaften Streitkräfte haben Daraja von den Resten der bewaffneten Terror-Gruppen gesäubert." Diese hätten "Verbrechen gegen die Söhne der Stadt begangen und ihnen Furcht eingejagt" sowie Sabotage begangen und öffentliches und privates Eigentum zerstört. Die Armee hatte Daraja nach einer dreitägigen Offensive eingenommen.

Auch in anderen sunnitischen Vororten von Damaskus wurde am Wochenende gekämpft. Die oppositionellen Örtlichen Koordinations-Komitees erklärten, am Samstag seien 440 Menschen im ganzen Land getötet worden. Die Aufständischen hatten Ende Juli Teile der Hauptstadt eingenommen, waren später jedoch vom Militär vertrieben worden. Seitdem sind die Rebellen offenbar wieder eingesickert, ohne jedoch das offene Gefecht mit der Armee zu suchen.

Der Aufstand gegen Assad hält seit März 2011 an und ist inzwischen zu einem Bürgerkrieg geworden. Dabei sind schätzungsweise 18.000 Menschen ums Leben gekommen.


Mehr zum Thema:

Syrienkonflikt weitet sich auf Libanon aus - Mehrere Tote und 100 Verletzte bei Feuergefechten zwischen Muslimen
Syrien und seine Verbündeten warnen Westen vor Eingreifen - Obama droht Syrien mit Militärschlag beim Einsatz von Chemiewaffen
"Es wird ganz viel gedroht und gewarnt - nicht nur an dieser Front" - Direktor der Stiftung Wissenschaft und Politik über das internationale Säbelrasseln rund um Syrien
"Wir fühlen uns von der zivilisierten Welt verlassen"
- Patriarch der syrisch-katholischen Kirche fordert Einhaltung von Menschenrechte
Wenig Interesse in Washington an Intervention in Syrien - USA-Experte Josef Braml charakterisiert Obamas Drohung als Abschreckungsstrategie
Düstere Aussichten für den Libanon - Nahost-Experte fürchtet, dass der Libanon in den Konflikt mit Syrien hineingezogen wird

 

Letzte Änderung: 02.10.2013 13:57 Uhr

Beitrag hören

 
 
Dradio Audio
Kein Audio aktiv
 
 
 
 
 

Für dieses Element wird eine aktuelle Version des Flash Players benötigt.

Jetzt Im Radio

Deutschlandfunk

MP3 | Ogg

seit 23:10 Uhr Das war der Tag

Deutschlandradio Kultur

MP3 | Ogg

seit 23:05 Uhr Fazit

DRadio Wissen

MP3 | Ogg

seit 00:00 Uhr DRadio Wissen

Aus unseren drei Programmen

Frage des TagesBrauchen wir neue Friedenslieder?

Der Liedermacher Wolf Biermann

"Nein", neue Friedenslieder brauchen wir nicht, meint Liedermacher Wolf Biermann, "wir haben ja schöne alte". Im Allgemeinen sähen die Dichter ohnehin eher dumm aus - angesichts der blutigen Wirklichkeit.

Filmreihe "Orizzonti"Brillante Verwirrung der Wahrnehmung

Christoph Schmitz und Rüdiger Suchsland bei den Filmfestspielen von Venedig, auf einer Terrasse sitzend

Ein Blick auf die Filmreihe "Orizzonti" bei der "71. Mostra Internazionale d'Arte Cinematografica" zeigt, dass einige Filme Realität und Fiktion gekonnt verquirlen. So gelingt dem französischen Regisseur Quentin Dupieux mit "Reality" eine gelungene Mischung aus Horror- und Science-Fiction.

1. September 1939Der deutsche Überfall auf Polen

Vormarsch deutscher Truppen in Polen 1939.

Der Angriff der deutschen Wehrmacht auf Polen löste vor 75 Jahren den Zweiten Weltkrieg aus. Das Bombardement durch die Luftwaffe rechtfertigte Hitler durch erfundene polnische Angriffe und Grenzverletzungen in der Nacht zuvor.

Ebola-VirusZMapp kann schwerkranke Affen heilen

US-Arzt Kent Brantly infizierte sich in Liberia mit dem lebensgefährlichen Ebola-Virus und wird nun in der Universitätsklinik Emory betreut.

Eine Studie im Fachmagazin Nature zeigt: Das Mittel ZMapp scheint äußerst wirksam zu sein gegen Ebola - zumindest bei Affen. Allerdings sind die Vorräte bereits aufgebraucht. Es wird vermutlich Wochen dauern, bis die nächsten Dosen hergestellt sind. Ab 2015 soll ZMapp dann am Menschen getestet werden.

WaffenDeutschland liefert

Die Bundesregierung lässt Waffen in den Nordirak liefern. Darunter 30 Panzerabwehrraketen, 16.000 Sturmgewehre, 240 Panzerfäuste und 10.000 Handgranaten. Wie das abläuft und was mit den Waffen passiert, erklärt Thomas Wiegold.

IrkutskZwischen Ökologie und Industrialisierung

Schiff auf dem Baikalsee, Region Irkutsk, 14.08.2012

Am Baikalsee in Sibirien ist viel Industrie angesiedelt. Gleichzeitig ist der See das größte Trinkwasser-Reservat der Welt und ein Magnet für Touristen. Vor diesem Hintergrund wächst das ökologische Bewusstsein in den Behörden.

 

Nachrichten

 
 

Nachrichten

Bayern: Staatskanzleichefin Haderthauer  gibt Amt auf | mehr

Kulturnachrichten

Aachener Friedenspreis  für Protestorchester "Lebenslaute" | mehr

Wissensnachrichten

Gletscherschmelze  Meeresspiegel in Antarktis steigt überdurchschnittlich | mehr