Aktuell-Archiv des früheren dradio.de-Auftritts / Archiv /

 

Talent zur peinlichen Diplomatie

Umgang mit der Sportlerin Nadja Drygalla

Von Ronny Blaschke

Der Generaldirektor des Deutschen Olympischen Sportbundes (DOSB), Michael Vesper (picture alliance / dpa / Markus Scholz)
Der Generaldirektor des Deutschen Olympischen Sportbundes (DOSB), Michael Vesper (picture alliance / dpa / Markus Scholz)

Michael Vesper ist als Gründungsmitglied der Grünen geschult in politischer Rhetorik. Im Umgang mit Nadja Drygalla offenbarte er sein Talent zur peinlichen Diplomatie.

Er wolle nicht zu sehr in die Privatsphäre der jungen Ruderin eingreifen, sagte Vesper auf einer Pressekonferenz. Außerdem solle Drygalla nicht aufgrund ihres Umfelds beurteilt werden. Selbst wenn, wie Vesper behauptet, Drygalla auf dem Boden des Grundgesetzes stehe, so deuten die Hinweise darauf hin, dass sie rechtsextremes Gedankengut in ihrem engsten Umfeld duldet. Wie sonst ist folgende Entwicklung zu erklären? Drygalla war Polizeianwärterin in Mecklenburg-Vorpommern gewesen und gehörte der Sportfördergruppe an. Im September 2011 schied Drygalla auf eigenen Wunsch aus, dem Innenministerium waren ihre Kontakte ins rechte Milieu seit Langem bekannt. Wussten etwa auch Sportfunktionäre von diesen Kontakten?

Der Deutsche Olympische Sportbund beansprucht für sich, eine der größten Personenvereinigungen der Welt zu sein, seine Sportler werden von Bund, Ländern und Kommunen mit Millionen gefördert. Unabhängig vom Fall Drygalla: Funktionäre berufen sich auf ihre politische Neutralität. Doch gerade weil Vereine und Verbände politisch neutral sind, dürfen sie Rechtsextreme nicht dulden. Weil sie politisch neutral sind, müssen sie sich von Personen lossagen, die sich nicht glaubhaft von Neonazis distanzieren wollen. Das scheint Drygalla öffentlich nicht leisten zu wollen.

Die verfassungsfeindliche NPD arbeitet mit militanten Kameradschaften zusammen. Auch in Mecklenburg-Vorpommern möchten gewaltbereite Neonazis den Rechtsstaat so schnell wie möglich abwickeln.

Die Ruderin Drygalla ist als Botschafterin der Bundesrepublik nicht akzeptabel. Dass der Funktionär Vesper die Debatte mit dem Hinweis auf Privatsphäre beschwichtigen will, wirkt absurd vor der sensiblen Diskussion um rechtsextreme Terroristen und ein mögliches NPD-Verbot. Es dauerte wenige Stunden, bis der ehemalige NPD-Vorsitzende Udo Voigt auf der Internetseite der Partei Solidarität für Drygalla forderte. Ein gängiges Muster: Verfolgungstheorien sollen in der Szene Identität stiften. Funktionär Vesper hätte diesem Opfermythos mit einer kenntnisreichen Argumentation entgegen wirken können. Das Thema ist für ihn noch nicht ausgestanden, der politische Druck dürfte noch während der Medaillenjagd von London zunehmen.

Der DOSB hat die Chance verspielt, den Blick auf Experten in seinen Reihen zu richten. Die Sportjugend klärt über rechte Codierungen, Kleidermarken und Rekrutierungsversuche auf. Sie rät dazu, Vereinssatzungen und Hausordnungen abzustimmen. Immer wieder wollen Neonazis durch Sport in die Mitte der Gesellschaft, als Betreuer, Trainer oder Sponsoren. Sie mieten Vereinsheime oder Schützenhäuser unter falschen Namen, nehmen an Volksläufen oder Kegelabenden teil.

Es scheint, als habe sich das grüne Gründungsmitglied Michael Vesper noch nicht ausreichend mit diesem Thema beschäftigt.

 

Letzte Änderung: 02.10.2013 13:56 Uhr

Beitrag hören

 
 
Dradio Audio
Kein Audio aktiv
 
 
 
 
 

Für dieses Element wird eine aktuelle Version des Flash Players benötigt.

Jetzt Im Radio

Deutschlandfunk

MP3 | Ogg

seit 00:05 Uhr Mitternachtskrimi

Deutschlandradio Kultur

MP3 | Ogg

seit 00:05 Uhr Lange Nacht

DRadio Wissen

MP3 | Ogg

seit 00:00 Uhr DRadio Wissen

Aus unseren drei Programmen

Österreichischer Schriftsteller Haslinger"Neuwahl wird Van der Bellen den Sieg kosten"

Der österreichische Schriftsteller Josef Haslinger (dpa / picture-alliance / Jens Wolf)

Die zweite Runde der österreichischen Präsidentenwahl muss wiederholt werden: wegen eines Formfehlers. Der Schriftsteller Josef Haslinger hält das für absurd. Der Verlierer dieser Entscheidung werde am Ende Alexander Van der Bellen sein.

Kraft zu Kölner SilvestervorfällenEhrliche Worte, aber zu spät

NRW-Ministerpräsidentin Hannelore Kraft (SPD) sitzt in Düsseldorf im Sitzungssaal des Landtages.  (dpa-Bildfunk / Oliver Berg)

Nordrhein-Westfalens Ministerpräsidentin Hannelore Kraft hat es vor dem Untersuchungsausschuss zur Kölner Silvesternacht bedauert, sich nicht unmittelbar nach den Vorfällen öffentlichkeitswirksam auf die Seite der Opfer gestellt zu haben. Dies seien ehrliche Worte gewesen, kommentiert Moritz Küpper.

Kurdischstämmiger Syrer MehmüdSongs covern, um Deutsch zu lernen

Strahlendes Lachen, charismatische Persönlichkeit: Das ist Mehmüd. Bei seiner Flucht aus Syrien ließ er alles hinter sich. Seine Musik hilft ihm, Geschehenes zu verarbeiten und wenn er deutsche Songs covert, lernt er gleichzeitig die Sprache.

Selbstironische Lokalpatrioten Wenn Kanadier ihr Land besingen

Der kanadische Rockmusiker Neil Young bei einem Konzert im Juli 2014 in London (dpa / Will Oliver)

Die Kanadier sind nicht so offenherzig patriotisch wie ihre südlichen Nachbarn aus den USA. Trotzdem: Im hohen Norden des amerikanischen Kontinents wird der Kanada-Tag begangen. Anlass zu schauen, wie Musiker dort ihr Land besingen.

EU nach dem Brexit"Vergewisserung auf nationale Identitäten zulassen"

Gunther Krichbaum (CDU) lächelt in die Kamera (picture alliance/ dpa/ Soeren Stache)

Der CDU-Politiker Gunther Krichbaum sieht in der Rückbesinnung auf Nationalstaaten eine normale Folge der aktuellen Weltlage. Die Menschen in Europa suchten nach Orientierung, und die fänden sie dort stärker, sagte er im Deutschlandfunk.

LieblingsrapperMegaloh haut "Auf ewig 3" raus

Der Lieblingsrapper deines Lieblingsrappers, Megaloh, hat diese Woche den dritten Teil seiner Mixtape-Reihe "Auf ewig" veröffentlicht. Green goes Black hört rein und verschenkt Gästelistenplätze inklusive Camping für das anstehende splash! Festival.

 

Nachrichten

 
 

Nachrichten

Bangladesch  Bewaffneter Überfall auf Restaurant in Dhaka | mehr

Kulturnachrichten

Künstler und Museumsleute stellen sich hinter Dercon  | mehr

Wissensnachrichten

Archäologie  Wohin mit dem ganzen alten Zeug? | mehr