Aktuell-Archiv des früheren dradio.de-Auftritts / Archiv /

 

Tausende Regierungsgegner in Ägypten trotzen dem Demonstrationsverbot

Behörden blockieren soziale Online-Netzwerke

Polizisten und Demonstranten liefern sich Auseinandersetzungen in der ägyptischen Hauptstadt Kairo (AP)
Polizisten und Demonstranten liefern sich Auseinandersetzungen in der ägyptischen Hauptstadt Kairo (AP)

Trotz massiver Drohungen haben in Ägypten am Mittwoch erneut tausende Menschen gegen die Regierung von Präsident Hosni Mubarak protestiert. Demonstrationen gab es unter anderem in Kairo und in Suez.

Die Demonstranten forderten den Aufbau demokratischer Strukturen und protestierten gegen Korruption, Arbeitslosigkeit und Menschenrechtsverletzungen. Verschiedenen Berichten zufolge blockierten die Behörden zeitweise auch soziale Online-Netzwerke wie "Facebook" und "Twitter", um Aufruhe zu Demonstrationen zu verhindern.

Bereits am Vortag löste die Polizei die Proteste in Kairo und mehreren Provinzstädten unter Einsatz von Tränengas, Wasserwerfern und Schlagstöcken gewaltsam auf. In der Hafenstadt Suez hatte die Polizei bei Krawallen das Feuer auf Demonstranten eröffnet und zwei Menschen getötet. Ein weiterer Demonstrant erlag seinen Verletzungen. In Kairo starb ein Polizist bei den Ausschreitungen. Landesweit beteiligten sich zehntausende Menschen an den Protesten, mehrere Hundert wurden verletzt. Am frühen Morgen wurden bis zu 200 Festnahmen gemeldet, darunter auch prominente Oppositionspolitiker.

Die ägyptische Führung machte derweil klar, dass man keine Märsche oder Proteste tolerieren und mit aller Härte gegen Demonstranten vorgehen werde. "Es wird niemandem erlaubt werden, Aufruhr zu schüren, Protestversammlungen abzuhalten oder Demonstrationen zu organisieren", sagte ein Sprecher des ägyptischen Innenministeriums. In Ägypten gilt seit 1981 der Ausnahmezustand.

Ein Demonstrant in Kairo schmeißt einen Tränengaskanister auf Polizisten (AP)Ein Demonstrant in Kairo wirft eine Tränengasgranate auf Polizisten (AP)Der Leiter der Konrad-Adenauer-Stiftung in Kairo, Andreas Jacobs, zeigte sich überrascht von der schieren Zahl der Demonstranten bei den Protesten am Dienstag. Unmut und Perspektivlosigkeit seien auch in Ägypten Anlass für die Unruhen, sagte Jacobs im Deutschlandfunk.

Vorbild Tunesien

Auch in der tunesischen Hauptstadt Tunis kam es erneut zu gewaltsamen Zusammenstößen zwischen regierungsfeindlichen Demonstranten und Polizisten. Die Demonstranten forderten den Rücktritt aller Minister, die bereits unter der alten Regierung im Amt gestanden hatten. Tagelange Demonstrationen in Tunesien hatten am 14. Januarzur Flucht von Präsident Zine el Abidine Ben Ali nach Saudi-Arabien geführt. Inzwischen hat die tunesische Justiz einen internationalen Haftbefehl gegen den Ex-Präsidenten und seine Ehefrau ausgestellt. Ben Ali wird unter anderem die "illegale Aneignung von Vermögen" vorgeworfen (MP3-Audio)

Deutsche Reiseveranstalter treffen Sicherheitsvorkehrungen

Reiseveranstalter aus Deutschland kündigten an, ihre Vorsichtsmaßnahmen in der ägyptischen Region zu erhöhen. Wegen der unsicheren Lage sagten Thomas Cookl/Neckermann und FTI zahlreiche Tagesausflüge in Ägypten ab. Das Auswärtige Amt empfiehlt Ägypten-Reisenden,Menschenansammlungen und Demonstrationen weiträumig zu meiden.

Westliche Regierungen rufen zu Gewaltverzicht auf

Bundesaußenminister Guido Westerwelle (FDP) zeigte sich "sehr besorgt" über die Lage in Ägypten. Zurückhaltung und Gewaltverzicht aller Seiten seien "das Gebot der Stunden", sagte Westerwelle.

Die USA appellierten an die ägyptische Regierung, friedlich auf die Proteste zu reagieren. Das Weiße Haus forderte die Regierung in Kairo auf, politische, wirtschaftliche und soziale Reformen im Land fortzusetzen.

Nach Ansicht der EU-Kommission spiegeln die Ereignisse in Ägypten den Wunsch der Bevölkerung nach einem "politischen Wechsel" wider. Maja Kocijancic , Sprecherin der EU-Außenbeauftragten Catherine Ashton, rief die ägyptischen Behörden dazu auf, das Recht der Bevölkerung auf friedliche Demonstrationen zu "respektieren und zu schützen".

 

Letzte Änderung: 02.10.2013 13:39 Uhr

Beitrag hören

 
 
Dradio Audio
Kein Audio aktiv
 
 
 
 
 

Für dieses Element wird eine aktuelle Version des Flash Players benötigt.

Jetzt Im Radio

Deutschlandfunk

MP3 | Ogg

seit 11:30 Uhr Sonntagsspaziergang

Deutschlandfunk Kultur

MP3 | Ogg

seit 12:30 Uhr Die Reportage

Deutschlandfunk Nova

MP3 | Ogg

seit 12:00 Uhr Grünstreifen

Aus unseren drei Programmen

Joschka Fischer"Marine Le Pen wäre für Deutschland der Super-GAU"

Ex-Bundesaußenminister Joschka Fischer (Bündnis 90/Die Grünen) sitzt am 12.03.2015 im Rahmen des Literaturfestivals Lit.Cologne in Köln (Nordrhein-Westfalen) auf der Bühne, wo er über sein neues Buch "Scheitert Europa?" spricht. (dpa)

Deutschland könne Europa nicht alleine führen, sagte der ehemalige Bundesaußenminister Joschka Fischer im Deutschlandfunk. Von daher sei es für die EU und Deutschland existenziell, dass Marine Le Pen, die Frankreich aus der EU führen will, nicht französische Präsidentin werde. Ein anderer Wahlausgang wäre katastrophal.

Der Adel und der Wald in DeutschlandUnterwegs durch Privatwälder

Philipp zu Guttenberg – Präsident der Arbeitsgemeinschaft Deutscher Waldbesitzerverbände. (Deutschlandradio / Nana Brink)

Die "Deutschlandrundfahrt" spaziert sowohl mit adeligen Waldbesitzern durch ihr Refugium als auch mit einem Waldphilosophen durch den Dschungel der Eigentumsfragen.

70 Jahre nach der "Aktion Weichsel"Gedenken an die Vertreibung der Ukrainer

Der Marktplatz von Przemysl. (imago/Brockes)

Vor 70 Jahren wurden über 100.000 Ukrainer aus Südostpolen zwangsumgesiedelt. An der sogenannten Aktion Weichsel wurde nun im südostpolnischen Przemyśl gedacht. Doch die nationalkonservative PiS-Regierung will die Erinnerung nicht unterstützen.

Die Lolas 2017Anerkennung für den Autorinnen-Film

Anne Zohra Berrached, Maren Ade und Nicolette Krebitz bei der Verleihung des Deutschen Filmpreises (dpa / Britta Pedersen)

Anne Zohra Berrached, Maren Ade und Nicolette Krebitz - drei Frauen standen vor dem Galapublikum beim deutschen Filmpreis in Berlin auf der Bühne und freuten sich über ihre Lolas. Drei Frauen, die eint, dass sie als Regisseurinnen ihren Stoff selbst entwickelt haben.

NaturphänomeneMacht der Vulkane

Die Isländer behaupten, der Ausbruch einer ihrer Vulkane habe die französische Revolution ausgelöst. Und auch der Machtverlust der Kirche gehe auf das Konto eines Naturereignisses. Klingt abwegig? Ist es nicht: Tatsächlich bestimmen Vulkanausbrüche, Erdbeben und andere Katstrophen seit jeher den Lauf der Geschichte.

Die Lange Nacht über Jim Morrison und den DoorsIch kann alles - ich bin der Eidechsenkönig

Die Bilder der Rockmusiker Jim Morrison (l-r), Elton John und David Bowie des Künstlers Jürgen D.Flohr stehen in der Galerie " Niagara" in Düsseldorf (Foto vom 18.11.2008). Für seine neue Ausstellung in der Galerie "Niagara" in Düsseldorf hatte Flohr einen Zyklus von 12 großformatigen Portraits mit dem Titel "Rockstar Mythen III" geschaffen. Die Bilder, von Hand in Acryl auf Leinwand gemalt, haben alle die Maße 250x150 Zentimeter und zeigen verschiedene Rockstars.  (dpa / picture alliance / Horst Ossinger)

Mit ihrer Mischung aus Jazz und Rock waren die Doors eine der schillerndsten Bands der 60er-Jahre. Und doch waren sie nichts ohne ihren Sänger Jim Morrison (1943 - 1971). Jim Morrison begriff sich als Dichter, seine Texte als Poesie.

 

Nachrichten

 
 

Nachrichten

Brexit  May will gleichzeitige Verhandlungen über EU-Austritt und Handelsabkommen | mehr

Kulturnachrichten

Sybille Steinbacher tritt bundesweit erste Holocaust-Professur an  | mehr

 

| mehr