Aktuell-Archiv des früheren dradio.de-Auftritts / Archiv /

 

Tebartz-van Elst verzichtet auf angekündigte Erklärung

Druck auf umstrittenen Limburger Bischof wächst

Bischof Franz-Peter Tebartz-van Elst (picture alliance / dpa / Fredrik Von Erichsen)
Bischof Franz-Peter Tebartz-van Elst (picture alliance / dpa / Fredrik Von Erichsen)

Der Limburger Bischof Tebartz-van Elst wollte zunächst in einem Brief an die Gläubigen des Bistums "manches klarstellen" - nun wird es nach Aussage seines Sprechers doch kein Schreiben geben.

<p>Der in der Kritik stehende Limburger Bischof Franz-Peter Tebartz-van Elst will sich entgegen seiner bisherigen Ankündigung an diesem Wochenende doch nicht in einem Brief an die Gläubigen in seinem Bistum wenden. In der derzeitigen Lage werde es dieses Schreiben nicht geben, sagte ein Bistumssprecher heute. Zu den genauen Gründen dafür wollte er sich nicht äußern. Er konnte auch keine Angaben dazu machen, ob ein Brief zu einem späteren Zeitpunkt veröffentlicht werden wird.<br /><br />Der Bischof wird an diesem Wochenende auch keine öffentlichen Gottesdienste feiern. Der Bistumssprecher verwies aber darauf, dass dies auch nicht geplant gewesen sei. Tebartz-van Elst hatte demnach ursprünglich heute mit den Limburger Domsingknaben nach Israel reisen wollen. Diese Reise habe er abgesagt, sagte der Sprecher.<br /><br /></p><p><strong>Kritik auch aus der Politik</strong></p><p>Die Stimmen gegen Tebartz-van Elst werden derweil lauter. Bundestagsvizepräsident Wolfgang Thierse forderte ihn auf, persönliche Konsequenzen zu ziehen. "Auch ein katholischer Bischof, obwohl vom Papst ernannt, bedarf des Vertrauens der Gläubigen seines Bistums", sagte der SPD-Politiker der Zeitung "Welt". Dieses Vertrauen sei schwer erschüttert. Thierse ist auch Mitglied im Zentralkomitee der deutschen Katholiken (ZdK). <br /><br />Dessen Präsident, der katholische Laienvertreter Alois Glück, rief Papst Franziskus indirekt zu schnellem Handeln auf: "Es sind rasche Entscheidungen notwendig", sagte Glück dem "Kölner Stadt-Anzeiger". Es dürfe "keine lange Hängepartie" geben. Die Vorgänge seien eine schwere Belastung für die katholische Kirche in ganz Deutschland. "Letztlich liegt die Entscheidung in Rom", sagte der ZdK-Präsident. Aus der Vertrauenskrise entstehe eine Verpflichtung, "die Sache schnell einer Klärung zuzuführen".<br /><br /><div><img src="http://www.dradio.de/images/100574/landscape/" width="500" alt="Das Luftbild zeigt den Neubau des Bischofssitzes (Bild: picture alliance / dpa / Thomas Frey)" border="0" /><p style="font-size: 0.8em">Das Luftbild zeigt den Neubau des Bischofssitzes (Bild: picture alliance / dpa / Thomas Frey)</p></div><br /><br /></p><p><strong>Kritik an Kölner Kardinal</strong></p><p>Die stellvertretende nordrhein-westfälische Ministerpräsidentin Sylvia Löhrmann (Grüne) sieht auch den Kölner Kardinal Joachim Meisner in der Pflicht. "Offensichtlich hat nicht nur im Bistum die Kontrolle versagt, sondern auch auf der nächsthöheren Ebene, der Kirchenprovinz", sagte Löhrmann, die auch Mitglied im ZdK ist, dem "Kölner Stadt-Anzeiger". Es sei fraglich, wie Meisner noch vor vier Wochen habe erklären können, die Vorwürfe gegen Tebartz-van Elst seien haltlos, so Löhrmann. "Hat er sich denn damals nicht informiert? Oder ist auch er vom Limburger Bischof hinters Licht geführt worden? Beides wäre schlimm."<br /><br /></p><p><strong>ZdK-Generalsekretär Vesper: "Das ist nicht die katholische Kirche"</strong></p><p>ZdK-Generalsekretär Stefan Vesper warnte im ARD-Morgenmagazin: "Wegen dieser Affäre und wegen dieser Nachrichten von Prunk und Protz treten auch Menschen aus der Kirche aus in Hamburg oder in München". Die katholische Kirche sei für schwache, kranke und arme Menschen da. Mit solchen Schlagzeilen in Verbindung gebracht zu werden, schade allen: "Das ist nicht die katholische Kirche."<br /><br /><papaya:addon addon="d53447f5fcd08d70e2f9158d31e5db71" article="264910" text="Pater Wolfgang Pucher aus Graz in Österreich mahnte im Deutschlandradio Kultur" alternative_text="Pater Wolfgang Pucher aus Graz in Österreich mahnte im Deutschlandradio Kultur" /> einen bescheideneren Lebensstil bei Bischöfen an. Die Errichtung von Prunkbauten wie in Limburg finde er "unverständlich" und "schwer ertragbar". Angesichts des vorherrschenden Kontrasts zwischen Arm und Reich würde sich ihm "der Magen umdrehen", bevor er als Bischof "nicht einen Schritt setze in Richtung dieser Armut", sagte Pucher, der als Armenpfarrer gilt.<br /><br /></p><p><strong>Katholiken-Vertreter Gindert stellt sich hinter Tebartz-van Elst</strong></p><p>Dagegen nahm der Vorsitzende des konservativen "Forums Deutscher Katholiken", Hubert Gindert, den Bischof in Schutz. Tebartz-van Elst müsse erst zurücktreten, wenn er rechtskräftig verurteilt sei, <papaya:addon addon="d53447f5fcd08d70e2f9158d31e5db71" article="264848" text="sagte Gindert im Deutschlandfunk" alternative_text="sagte Gindert im Deutschlandfunk" />. Die Äußerung von Tebartz-van Elst sei "im Rahmen eines Interpretations-Hickhacks" erfolgt. Der Inhalt, ob der Bischof erste oder zweite Klasse geflogen sei, sei "relativ harmlos".<br /><br /><papaya:addon addon="d53447f5fcd08d70e2f9158d31e5db71" article="264794" text="Die Staatsanwaltschaft Hamburg hat Strafbefehl gegen Tebartz-van Elst beantragt." alternative_text="Die Staatsanwaltschaft Hamburg hat Strafbefehl gegen Tebartz-van Elst beantragt." /> Er soll im Zusammenhang mit einem Flug Erster Klasse nach Indien falsche eidesstattliche Erklärungen abgegeben haben. Zudem wird ihm vorgeworfen, die Kosten für seine <papaya:link href="http://www.bistumlimburg.de/meldungen/meldung-detail/meldung/kostenrahmen-des-dioezesanen-zentrums-steht-fest.html" text="neue Bischofsresidenz in Höhe von 31 Millionen Euro" title="Meldung des Bistums Limburg zu den Kosten" target="_blank" /> aus den Augen verloren zu haben. Der Vorsitzende der Deutschen Bischofskonferenz, Robert Zollitsch, will in der kommenden Woche mit Papst Franziskus über das Thema sprechen.<br /><br /><em>Mehr zum Thema auf dradio.de:</em><br /><br /><papaya:addon addon="d53447f5fcd08d70e2f9158d31e5db71" article="264639" text="Rücktritt von Limburger Bischof gefordert" alternative_text="Rücktritt von Limburger Bischof gefordert" /> <br> Baukosten der neuen Bischofsresidenz verfünfzehnfacht<br /><papaya:addon addon="d53447f5fcd08d70e2f9158d31e5db71" article="264518" text="Baukosten im Limburger Bistum versechsfacht" alternative_text="Baukosten im Limburger Bistum versechsfacht" /> <br> Bischof Franz-Peter Tebartz-van Elst sagt Termin für Buchvorstellung ab<br /><papaya:addon addon="d53447f5fcd08d70e2f9158d31e5db71" article="261259" text="Bischof im Abseits" alternative_text="Bischof im Abseits" /><br> Unterstützung für Limburger Bischof Franz-Peter Tebartz-van Elst bröckelt</p>


Mehr bei deutschlandradio.de

 

Externe Links:

Strafgesetzbuch

 

 

Letzte Änderung: 21.10.2013 11:35 Uhr

Beitrag hören

 
 
Dradio Audio
Kein Audio aktiv
 
 
 
 
 

Für dieses Element wird eine aktuelle Version des Flash Players benötigt.

Jetzt Im Radio

Deutschlandfunk

MP3 | Ogg

seit 15:30 Uhr Nachrichten

Deutschlandfunk Kultur

MP3 | Ogg

seit 15:30 Uhr Tonart

Deutschlandfunk Nova

MP3 | Ogg

seit 10:00 Uhr Grünstreifen

Aus unseren drei Programmen

BundestagswahlDiskussion über Wahlrecht für Menschen mit Behinderung

Auf einer Pressekonferenz zum Vorbereitungsstand der Bundestagswahl im Land Brandenburg wird am 02.09.2013 in der Staatskanzlei in Potsdam (Brandenburg) eine Lochschablone für Sehebehinderte und ein Stimmzettel für die Wahl gezeigt. Der Landeswahlleiter Küpper rief auf der Pressekonferenz die Bürger auf, am 22. September von ihrem Wahlrecht Gebrauch zu machen. (picture alliance / dpa / Patrick Pleul)

Bei der Bundestagswahl dürfen Menschen mit einer geistigen Behinderung kein Kreuzchen machen. Dabei wurde der umstrittene Wahlrechtsausschluss schon von einigen Bundesländern abgeschafft. Auch in 14 EU-Staaten dürfen sie wählen. Zeit für einen Wandel?

Archäologie-Streit in IsraelWo wurde Petrus geboren?

Die Meldung ging um die Welt: Ein Archäologe will am See Genezareth den Geburtsort von Petrus entdeckt haben. Allerdings wurde Bethsaida schon einmal entdeckt. Wissenschaftler liefern sich jetzt einen Wettstreit, wo das wahre Bethsaida ist. Die Benediktiner nebenan bleiben gelassen.

Forensiker Mark BeneckeDer Herr der Maden

Mark Benecke (ROCKSAU PICTURES)

Er ist bekannt dafür, Menschen mit Maden und Schaben zu überraschen: Der Kriminalbiologe Mark Benecke ist einer der ungewöhnlichsten Wissenschaftler Deutschlands.

 

Nachrichten

 
 

Nachrichten

Bundeswehr-Eliteeinheit  Staatsanwaltschaft ermittelt wegen Rechtsextremismus-Verdachts | mehr

Kulturnachrichten

"Widerrede" von Martin Roth erscheint posthum | mehr

 

| mehr