Aktuell-Archiv des früheren dradio.de-Auftritts / Archiv /

 

Teheran macht Tempo

Der Iran drängt auf eine Atomeinigung

Hasan Rohani (picture alliance / dpa / Vahid Salemi)
Hasan Rohani (picture alliance / dpa / Vahid Salemi)

Der Iran will die Verhandlungen über sein umstrittenes Atomprogramm offenbar abschließen. Präsident Rohani erklärte sich zu "konstruktiven Gesprächen" bereit - und das so bald wie möglich.

"Es ist die Entscheidung meiner Regierung, dass Tempo notwendig ist, um dieses Problem zu lösen", erklärte Irans neuer Präsident Hassan Rohani der "Washington Post". "Eine kurze Frist ist ein Vorteil für jeden. Drei Monate wären unsere Wahl, sechs Monate sind immer noch gut. Es ist aber eine Frage von Monaten, nicht Jahren."

Der Anfang soll schon am Donnerstag gemacht werden, wenn sich die Außenminister der fünf ständigen Sicherheitsratsmitglieder und Deutschlands mit ihrem iranischen Amtskollegen Mohammed Dschawad Sarif in New York treffen. Allerdings werden von dem ersten Treffen noch keine konkreten Ergebnisse erwartet.

Treffen der Präsidenten?

Sarif selber geht noch weiter: Der iranische Chefdiplomat kann sich eine persönliche Begegnung Rohanis mit US-Präsident Barack Obama vorstellen. Der iranische Präsident habe damit "im Prinzip kein Problem". Am Rande der UN-Generaldebatte in New York war ein solches Treffen zwischen den beiden Staatschefs nicht zustande gekommen. Aus dem Weißen Haus hieß es, Obama sei dazu bereit gewesen. Der iranischen Seite habe aber abgelehnt, weil dies "zu kompliziert" geworden wäre.

Bei seinem ersten UN-Auftritt hatte sich Rohani zu konstruktiven Gesprächen über das umstrittene Nuklearprogramm bereit erklärt. Konkrete Angebote machte er vor der UN-Vollversammlung aber nicht. In seiner halbstündigen Rede wies er alle Vorwürfe zurück, Teheran baue insgeheim an einer eigenen Atombombe. Das umstrittene Nuklearprogramm diene allein zivilen Zwecken.

USA mit Vorsicht

US-Präsident Barack Obama spricht vor der UN-Vollversammlung in New York (picture alliance / dpa)Obama vor der UN-Vollversammlung (picture alliance / dpa)Auch die USA wollen die Verhandlungen so schnell wie möglich abschließen, bleiben allerdings vorsichtig im Umgang mit dem Land, das Präsident George W. Bush noch 2002 zur "Achse des Bösen zählte". Sein Nachfolger hatte in seiner jüngsten Rede bei der Vollversammlung der Islamischen Republik das Recht auf friedliche Nutzung der Atomkraft zugebilligt. Obama forderte Ruhani aber auch auf, nun zu handeln.

Der Westen wirft der Führung in Teheran vor, insgeheim nach Atomwaffen zu streben. Die internationale Gemeinschaft hat daher scharfe Sanktionen gegen den Iran verhängt, der die Vorwürfe zurückweist.

"An einer Öffenung des Landes interessiert"

Auch Zeitungskommentatoren weltweit bewerten Rohanis bisheriges Auftreten gemischt: Zwar verzichte er auf die Rhetorik und Tonlage seines Vorgängers Mahmud Ahmadinedschad, doch müssten nun seinen Worten auch Taten folgen. Gleichzeitig sei eine neue Diplomatie des Westens gefragt.

Um Unterstützung für Rohanis Reformkurs warb im Deutschlandfunk der FDP-Abgeordnete Bijan Djir-Sarai. Der iranstämmige Außenpolitiker sieht gute Chancen für einen Neustart der Beziehungen zwischen Iran und den USA. Teheran sei an einer Öffnung des Landes interessiert.


Mehr zum Thema auf dradio.de

"Sehr viel versöhnlichere, konziliantere Töne"
Islamwissenschaftlerin zur Rede des iranischen Staatspräsidenten vor der UN-Vollversammlung

"Wir wollen keine Atombombe"
Irans Präsident gibt sich weiter diplomatisch

 

Letzte Änderung: 02.10.2013 14:18 Uhr

Beitrag hören

 
 
Dradio Audio
Kein Audio aktiv
 
 
 
 
 

Für dieses Element wird eine aktuelle Version des Flash Players benötigt.

Jetzt Im Radio

Deutschlandfunk

MP3 | Ogg

seit 21:05 Uhr Musik-Panorama

Deutschlandradio Kultur

MP3 | Ogg

seit 20:03 Uhr In Concert

DRadio Wissen

MP3 | Ogg

seit 21:00 Uhr Soundtrack

Aus unseren drei Programmen

Landlust/Landfrust (1/2)Dorfleben im Wandel

Zwei ältere Dame tragen nach einem Einkauf ihre Lebensmittel nach Hause. (picture alliance/ dpa/ David Ebener)

Die Sehnsucht nach Natur, Ruhe und Dorfidylle ist in der Gesellschaft groß. Mit der Realität hat diese Vorstellung des Landlebens oft wenig zu tun. Kerstin Faber hat sich intensiv mit ländlichen Regionen auseinandergesetzt. Ein Problem seien Dörfer mit großer Überalterung, sagte sie im DLF. "Da haben wir es mit einem Abbau der Daseinsvorsorge zu tun."

Berlinale 2017"Vollmundiger Jahrgang mit kratzigem Abgang"

Die Filmkritiker Peter Körte ("FAS") und Katja Nicodemus ("Zeit") nach ihrem Gespräch mit Deutschlandradio Kultur auf der Berlinale 2017. (Deutschlandradio / Cornelia Sachse)

Das Gleichnis eines guten Weines fällt der Filmkritikerin Katja Nicodemus zum Wettbewerb des diesjährigen Berliner Filmfestivals ein. "Ich habe wenig gesehen, was mich umgehauen hätte", hält ihr Kollege Peter Körte dagegen.

Hanya Yanagihara: "Ein wenig Leben"Ein umwerfender und suspekter Roman

"Ein wenig Leben" von Hanya Yanagihara. Im Hintergrund: die Skyline von New York. (Hanser / picture-alliance / dpa)

Dieser Roman geht an Grenzen: Die amerikanische Schriftstellerin Hanya Yanagihara erzählt in "Ein wenig Leben" von exzessivem menschlichen Leid. Im Zentrum stehen vier Männer aus New York. Einer von ihnen, Jude, ist von einem düsteren Geheimnis umgeben, das seine Freunde, aber auch den Leser in Bann hält.

Deutscher KolonialismusUnheilvolle Kontinuitäten

A performance shows the treatment of Hereros in 1904 at a ceremony commemorating the killing of thousands of Hereros by German troops, at Okakarara, 250 km northwest of Windhoek, Namibia, Saturday, 14 August 2004. Germany on Saturday asked the Herero people of Namibia to forgive it for the massacres committed by its troops during a three year uprising 100 years ago. (picture alliance / dpa / WIEBKE GEBERT)

Prügel mit dem Tauende oder doch mit der Nilpferdpeitsche? Die Frage, wie die zwangsverpflichteten schwarzen Arbeiter in den deutschen Kolonien "zur Arbeit erzogen", "zivilisiert" werden sollen, diskutierten Politiker und Mediziner vor etwas mehr als hundert Jahren in aller Öffentlichkeit.

GewaltenteilungFinanz als vierte Gewalt?

Legislative, Exekutive, Judikative und Finanzwesen: So zählt der Kulturwissenschaftler und Philosoph Joseph Vogl die Gewaltenteilung auf. Das mit dem Finanzwesen kennen wir aber so nicht aus der Schule. Er sagt: Wer das Finanzwesen als vierte Macht im Staate nicht (an)erkennt, sitzt einer Legende auf.

Petras inszeniert O'NeillSippe mit unheilvoller Vergangenheit

Armin Petras, der Intendant des Schauspiels Stuttgart, steht am 02.06.2016 im Opernhaus in Stuttgart (Baden-Württemberg) im Foyer an einer Treppe. (picture alliance / dpa / Bernd Weißbrod)

Eine Familie steuert in den Untergang: Überraschend fein und intim inszeniert Armin Petras "Eines langen Tages Reise in die Nacht" von Eugene O'Neill am Schauspiel Stuttgart. In der Rolle der schuldbeladenen Mutter glänzt - der Schauspieler Peter Kurth.

 

Nachrichten

 
 

Nachrichten

Brüssel  US-Vizepräsident Pence sichert Kooperation mit EU zu | mehr

Kulturnachrichten

Grundsteinlegung für Historisches Archiv Köln  | mehr

Wissensnachrichten

Trump-Rede  Schweden scherzen über angeblichen Anschlag | mehr