Aktuell-Archiv des früheren dradio.de-Auftritts / Archiv /

 

Telekom verteidigt sich gegen Kritik

Ende der Netzneutralität?

Logo der Deutschen Telekom im Firmenhauptquartier in Bonn (AP / Frank Augstein)
Logo der Deutschen Telekom im Firmenhauptquartier in Bonn (AP / Frank Augstein)

Die Telekom hat ihre umstrittenen Änderungen bei den Pauschaltarifen für das Internet verteidigt. Aus der Politik und von Netz-Usern reißt die Kritik aber nicht ab. Kunden befürchten, die Telekom könne ihre Macht im deutschen Netz ausnutzen.

Der Konzern hatte angekündigt, dass die Übertragungsgeschwindigkeit beim Internet gedrosselt wird, wenn eine Datenmenge von mehr als 75 Gigabyte Volumen verbraucht wurde. Die Pläne sollen bei Neu-Verträgen ab 2016 wirksam werden. Bestandskunden sollen weiter wie zuvor unbegrenzt surfen können.

Telekom: Netzausbau "wichtiger als immer niedrigere Preise"

Gegen die seit Tagen anhaltende Kritik an der Entscheidung, verteidigte Sprecher Blank sein Unternehmen. Für eine richtige Entscheidung müsse man die Medienaufregung einige Tage lang aushalten, sagte Blank im Deutschlandfunk. Die Telekom müsse ihre zuletzt geschrumpften Gewinne wieder steigern, um Mittel für den Netzausbau zur Verfügung zu haben.

Mit der Neuregelung sollten Kunden, die viel Datenverkehr benötigen, dafür auch zahlen müssen. Bisher würden "drei Prozent der Kunden mehr als 30 Prozent des Datenvolumens verursachen. Das bedeutet für die Kunden: Lieschen Müller subventioniert bisher den Heavy User."

Grundsätzlich stehe die Telekom für ein freies und offenes Internet, dessen Ausbau allerdings die Kunden selbst zahlen müssten: "Auch aus Verbrauchersicht sollte es darum gehen, dass der Ausbau der Breitbandnetze vorangetrieben wird. Das ist wichtiger als immer niedrigere Preise," sagte Telekom-Sprecher Blank weiter.

Die Telekom im digitalen "Shitstorm"

Das Wort "Shitstorm" auf einem Computerbildschirm: Shitstorm ist zum Anglizismus des Jahres 2011gekürt worden. (picture alliance / dpa / Patrick Pleul)Wut im Netz auf die Telekom (picture alliance / dpa / Patrick Pleul)Von Seiten der Kunden und Online-Aktiven musste die Telekom in den vergangenen Tagen viel Kritik einstecken. Unter dem twitter-Schlagwort #drosselkom diskutieren aufgeregte Netz-Nutzer über die Telekom-Entscheidung. Eine von einem Schüler angestoßene Online-Petition gegen die Telekom, ist innerhalb von Stunden von über 30000 Menschen unterzeichnet worden.

Unter anderem auf netzpolitik.org wird der Telekom vorgeworfen, die Datendrosselung sei technisch nicht nötig. Das Telekom-Netz "kostet genauso viel egal wie viel es genutzt wird oder nicht." Das Netz werde "nicht funktional kaputt gemacht, weil es sonst überlastet zusammen brechen würde. Sondern nur, weil der Telekom zweistellige Milliarden-Gewinne nicht ausreichen".

Wirtschaftsminister Rösler: Gleichbehandlung im Netz gefährdet?

Kürzere Bauzeiten fürs Netz: Bundeswirtschaftsminister Rösler (FDP) präsentiert im Bundestag seine Ideen (picture alliance / dpa / Maurizio Gambarini)Kürzere Bauzeiten fürs Netz: Bundeswirtschaftsminister Rösler (FDP) (picture alliance / dpa / Maurizio Gambarini)Kritisch zur Telekom-Ankündigung äußerte sich auch Bundeswirtschaftsminister Philip Rösler (FDP). Er wolle nicht die Bundesanteile an der Telekom nutzen, um Druck auf das Unternehmen zu machen. Allerdings sehe er die Gefahr, dass die Telekom andere Anbieter im Netz benachteilige.

Als Indiz nannte Rösler das Vorhaben der Telekom, eigene Datendienste, wie Film-Streaming, auch nach einer Drosselung der Geschwindigkeit, Kunden kostenfrei anzubieten. Für Dienst bei anderen Anbietern müsse der Kunde aber zahlen. "Was mich besorgt ist die Frage, ob nicht solche Angebote in Kombination mit einer besseren Stellung für eigene Produkte die Netzneutralität, also die Gleichbehandlung aller Anbieter im Netz, gefährden", sagte Rösler.

EU-Kommission: Kunden sollen "mit Füßen" abstimmen

EU-Wettbewerbskommissarin Neelie Kroes forderte die Kunden auf, "mit den Füßen" abzustimmen. "Wenn ein Unternehmen höhere Preise für höhere Datenmengen durchsetzen will, ist das normal", sagte Kroes der Bild-Zeitung. "Die EU wird deswegen nicht eingreifen - aber die Kunden können es tun!"

Ähnlich äußerte sich der CDU-Fraktionsvize Michael Fuchs. Er warnte die Telekom vor der Einführung der Daten-Drosselung: "Ich hoffe, dass der Wettbewerb stark genug ist und sich die Telekom das nochmal überlegt oder, dass ihr reihenweise die Kunden davon laufen", sagte Fuchs dem "Tagesspiegel".


Mehr auf dradio.de


Drosselkom statt Telekom- Dradio Wissen macht den Praxistest

Schluss mit unbegrenztem Surfen bei der Telekom - Bonner Unternehmen führt künftig Volumentarife bei Festnetz-Internet ein

Falsche Geschwindigkeitsversprechen beim Internetzugang - Bundesnetzagentur hat tatsächlichen Bandbreiten abgefragt

 

Letzte Änderung: 02.10.2013 14:10 Uhr

Beitrag hören

 
 
Dradio Audio
Kein Audio aktiv
 
 
 
 
 

Für dieses Element wird eine aktuelle Version des Flash Players benötigt.

Jetzt Im Radio

Deutschlandfunk

MP3 | Ogg

seit 00:05 Uhr Fazit

Deutschlandfunk Kultur

MP3 | Ogg

seit 00:05 Uhr Klangkunst

Deutschlandfunk Nova

MP3 | Ogg

seit 00:00 Uhr Soundtrack

Aus unseren drei Programmen

Sechs Monate Donald Trump"Er hat nichts auf die Reihe gekriegt"

Die Journalistin und Publizistin Evelyn Roll. (Deutschlandradio / Manuel Czauderna)

Seit vielen Jahren schaut Evelyn Roll, Leitende Redakteurin bei der "Süddeutschen Zeitung", kritisch auf das Tun von Politikern. Über Donald Trump sagt sie: Er sei ein Demokratieverächter und eine Schande für sein Land. Und auch sonst fällt ihre Einschätzung verheerend aus.

Journalismus-Studie"Die überregionalen Medien haben die Bevölkerung vergessen"

Drei junge Frauen stehen mit einem Begrüßungsplakat mit der Aufschrift "Refugees Welcome" für Flüchtlinge an den Gleisen. (dpa / Frank Rumpenhorst)

Während der Flüchtlingskrise sei zu unkritisch über die Zuwanderung berichtet worden - das ist das Ergebnis einer Studie der Otto-Brenner-Stiftung. Die Medien hätten sich mit den Ansichten der politischen Eliten gemein gemacht, sagte der Leiter der Studie, Michael Haller, im Deutschlandfunk.

Aktuelle Karikaturen in der Türkei"Erdogan als Hitler darstellen? Kein Problem!"

"Wir zeichnen weiter" - heißt es auf dem Cover des Ausstellungskatalogs "Schluss mit lustig". (Avant Verlag)

"Die Satire in der Türkei ist ungebrochen und besonders kreativ", sagte Korrespondentin Sabine Küper-Büsch im Dlf. Sie hat in der Caricatura-Galerie in Kassel eine Ausstellung mit aktueller Satire aus dem Land kuratiert. Doch die Selbstzensur und der Druck auf die Zeichner nähmen zu.

Vorwürfe gegen NGOs im Mittelmeer"Das ist gelogen"

Ein Rettungsboot der privaten Hilfsinitiative "Sea Eye", an der unter anderem der deutsche Journalist Hans-Peter Buschheuer beteiligt ist. "Sea Eye" versucht, das Elend der Flüchtlinge auf maroden Booten durch Erstversorgung zu lindern. (Sea Eye e.V.)

Arbeiten private Rettungsschiffe im Mittelmeer Hand in Hand mit den Schleppern? Den Vorwurf weist Hans-Peter Buschheuer von der Organisation "Sea Eye" zurück. Rettungsorgsanisationen für die Flüchtlingskrise verantwortlich zu machen, sei eine Umkehrung der Verhältnisse, sagte er im Dlf.

Schlimme UrlaubserlebnisseTouristen ohne jeden Stil und Kultur

Zahlreiche Strandbesucher und Urlauber sind am 13.06.2017 in Palma de Mallorca (Spanien) am Strand Strand von Es Portixol zu sehen. Die spanische Insel erwartet in diesem Jahr einen gewaltigen Touristenansturm.  (picture-alliance / Jens Kalaene / dpa-Zentralbild / ZB)

Mehr als 1,2 Milliarden Menschen machen sich nach UN-Angaben jährlich auf, um irgendwo einen schönen Urlaub zu verbringen. Tolle Sache, weil völkerverbindend und wirtschaftsfördernd. Die stetig wachsende Reiselust hat allerdings auch Schattenseiten.

Polen"Die Justizreform ist notwendig"

Demonstranten protestieren am 16.07.2017 vor dem Parlamentsgebäude in Warschau (Polen) gegen eine umstrittene Justizreform der nationalkonservativen polnischen Regierung. (dpa-Bildfunk / AP / Czarek Sokolowski)

Das polnische Parlament wird heute voraussichtlich die umstrittene Justizreform verabschieden - allen Protesten zum Trotz. Die polnische Journalistin Aleksandra Rybinska verteidigt die Pläne der Regierung. Die Richter seien korrupt und genössen kein Vertrauen bei den Menschen, sagte sie im Dlf.

 

Nachrichten

 
 

Nachrichten

Venezuela  Ein Toter bei Unruhen während des Generalstreiks | mehr

Kulturnachrichten

Linkin Park-Sänger Chester Bennington ist tot  | mehr

 

| mehr