Aktuell-Archiv des früheren dradio.de-Auftritts / Archiv /

 

Terrorangst in Libyen

Auswärtiges Amt: Deutsche sollen Bengasi sofort verlassen

Westliche Bürger sollen das libysche Bengasi verlassen
Westliche Bürger sollen das libysche Bengasi verlassen (picture alliance / dpa / Sabri Elmhedwi)

Seit dem Geiseldrama in Algerien herrscht in Nordafrika erhöhte Alarmbereitschaft. Nun fordert die Bundesregierung alle Deutschen dringend auf, das libysche Bengasi sofort zu verlassen. Die libysche Regierung sieht keine Gefahr.

Westliche Regierungen rufen ihre Staatsbürger auf, die Stadt und Region Bengasi in Libyen zu verlassen. Bundesaußenminister Guido Westerwelle sprach bei einem Besuch in Lissabon von einer "ernsten und delikaten Lage". Die Warnung sei aufgrund von "verschiedenen Hinweisen" erfolgt. Konkreter wurde Westerwelle nicht. Das Auswärtige Amt geht von nur wenigen Deutschen in Bengasi aus, konnte aber keine genaue Zahl nennen.

Zunächst hatte das britische Außenministerium am Donnerstagnachmittag seine Bürger aufgefordert, Bengasi und die umliegenden Küstenregionen zu verlassen. Nur wenig später meldete das Auswärtige Amt im Internet eine "unmittelbare konkrete Bedrohung westlicher Staatsangehöriger in Bengasi". Mittlerweile schlossen sich die Niederlande, Kanada und Australien an. Nach der Intervention Frankreichs in Mali sei die Gefahr von Vergeltungsschlägen auf westliche Ziele größer geworden.

Tripolis will von London eine Erklärung für die Warnung

Berichte über die Bedrohung westlicher Staatsbürger entbehrten jeder Grundlage, sagte ein Vertreter des Innenministeriums der staatlichen Nachrichtenagentur Lana. Er versicherte, dass die Sicherheitslage in Bengasi stabil sei. Der stellvertretende libysche Innenminister Abdallah Massud zeigte sich erstaunt. Bengasi habe zwar schon seit Monaten mit "Sicherheitsproblemen" zu kämpfen, doch gebe es keine "neuen Erkenntnisse", die eine derartige Reaktion rechtfertigten, sagte Massud der Nachrichtenagentur AFP. Er kündigte an, Tripolis werde von London eine Erklärung verlangen.

In der mit knapp 700.000 Einwohnern zweitgrößten Stadt Libyens gab es erst vor vier Monaten einen Terroranschlag. Am 11. September 2012 waren dort US-Botschafter Chris Stevens und drei weitere US-Bürger bei einem Angriff auf das Konsulat der Vereinigten Staaten getötet worden. Die USA machten Islamisten für die Tat verantwortlich, die genauen Umstände sind aber weiter unklar. Mitte Januar hatte es in Bengasi Schüsse auf den italienischen Konsul gegeben. Er blieb aber unverletzt.

Vor einer Woche waren bei einem Geiseldrama im Nachbarland Algerien rund 70 Menschen getötet worden. Der Angriff islamistischer Kämpfer auf eine Gasförderanlage in der algerischen Wüste war eine Reaktion auf die französische Intervention im westafrikanischen Mali.


Mehr zum Thema:

Ungeteilte Zustimmung - UNO-Sicherheitsrat begrüßt Frankreichs Eingreifen in Mali
Vier ranghohe US-Beamte müssen gehen - "Krasse" Sicherheitslücken im libyschen Bengasi
"In der Sahelzone zeigt sich nun das Scheitern" der Terrorismusbekämpfung - Terrorexperte über Hintergründe des Konfliktes in Mali

 

Letzte Änderung: 02.10.2013 14:05 Uhr

Beitrag hören

 
 
Dradio Audio
Kein Audio aktiv
 
 
 
 
 

Für dieses Element wird eine aktuelle Version des Flash Players benötigt.

Jetzt Im Radio

Deutschlandfunk

MP3 | Ogg

seit 00:05 Uhr Lange Nacht

Deutschlandradio Kultur

MP3 | Ogg

seit 00:05 Uhr Literatur

DRadio Wissen

MP3 | Ogg

seit 00:00 Uhr DRadio Wissen

Aus unseren drei Programmen

DVD-CollectionFrancis Ford Coppola

Der Regisseur Francis Ford Coppola freut sich im Jahr 1975 über vier Oscars für den Film "Der Pate – Teil II"

Seine Filme markierten zugleich den Höhe- und Endpunkt des amerikanischen New Hollywoodkinos: Francis Ford Coppola. Das Label Althaus hat nun erstmals in einer einzigen DVD-Edition seine wichtigsten Filme mit viel Bonusmaterial herausgebracht.

Xavier-Laurent Petit: Mein kleines dummes Herz"Eine einzigartige Gemeinschaft"

Frauen auf einem Markt in Touba, Senegal.

Die 9-jährige Sisanda ist die Protagonistin der Geschichte. Gemeinsam lebt sie mit Mutter und Großmutter in einem afrikanischen Dorf. Sisanda leidet an einem Herzfehler und braucht dringend eine Operation, die sie sich nicht leisten kann. Doch sie verliert nie den Mut.

VerfassungsrechtKrisen und Routine auch vor Gericht

Die Verfassungsrichter in Karlsruhe gelten als "Hüter der Demokratie". Susanne Baer ist eine von denen, die die rote Robe tragen dürfen. Die Richterin erzählt aus ihrem Alltag.

Starköche und Paarköche Wie kocht es sich als Sterne-Paar?

Die Starköche Sonja und Peter Frühsammer

Sonja Frühsammer hat gerade ihren ersten Stern bekommen. Ihr Mann Peter hat seinen schon länger. Zusammen kochen die beiden Spitzenköche in ihrem eigenen Restaurant.

Präsidentenwahl TunesienFavorit Essebsi gefällt sich als Vaterfigur

Beji Caid Essebsi hält eine Rede, im Hintergrund ist ein Frauengesicht in Übergröße auf einer Leinwand zu sehen

Tunesien wählt an diesem Sonntag seinen Präsidenten. Zum ersten Mal in einer wirklich freien Wahl. Es ist bereits eine Stichwahl. Übergangspräsident Moncef Marzouki will Präsident bleiben, doch er hat einen starken Herausforderer: Béji Caid Essebsi, Gründer der Partei "Nidaa Tounes".

Random Darknet ShopperZufälliges Zeug aus dem bösen Netz

Im Darkweb tummeln sich Menschen, die die Schnauze von Überwachung voll haben oder kriminell sind. Eine Künstlergruppe wagt eine Expedition ins böse Netz. Dafür haben sie einen Bot entwickelt und ausgesetzt: den Random Darknet Shopper.

 

Nachrichten

 
 

Nachrichten

Verdi  setzt Streiks bei Amazon heute aus | mehr

Kulturnachrichten

Nordkorea fordert gemeinsame Ermittlungen mit USA zu Hackerangriff | mehr

Wissensnachrichten

Tiefsee-Fund  Neue Fischart in 8000 Metern Tiefe entdeckt | mehr