Aktuell-Archiv des früheren dradio.de-Auftritts / Archiv /

 

Thierse: Grass nicht als Person diskreditieren

Bundestagsvizepräsident fordert kritische inhaltliche Auseinandersetzung mit dem Inhalt des Gedichts

Bundestagsvizepräsident Wolfgang Thierse (SPD) (AP)
Bundestagsvizepräsident Wolfgang Thierse (SPD) (AP)

Ist ein Antisemit, wer Israels Politik kritisiert? Dieses Vorurteil lauert für Bundestags-Vizepräsident Wolfgang Thierse in der derzeitigen Grass-Debatte - und das sei gefährlich.

Thierse sagte im Deutschlandfunk, Grass habe in seinem Gedicht zwar mit falschen Argumenten, unglücklichen Formulierungen und einem einseitigen Blick gearbeitet. Man dürfe ihn aber nicht als Person diskreditieren. Das berge die Gefahr, ein gefährliches Vorurteil zu bestätigen: dass jeder, der Kritik an Israel übe, gleich des Antisemitismus verdächtig sei.

"Günter Grass hat vor einem Atomschlag Israels gegen den Iran gewarnt, damit drückt er die Angst vieler Menschen in Deutschland aus", sagte Thierse. Diese Meinungsäußerung sei einseitig und inhaltlich durchaus kritisierbar: "Israel ist in seinem Existenzrecht bedroht, nicht der Iran, das ist ganz eindeutig festzuhalten". Man solle sich mit Grass also durchaus in der Sache auseinandersetzen.

Einen Antisemiten dürfe man jedoch nicht aus ihm machen. Es dürfe nicht der Eindruck entstehen, "hier sei ein großer alter Mann zu seinen Anfängen zurückgekehrt", sagte Thierse mit Blick auf Grass' Mitgliedschaft in der Waffen-SS als 17-Jähriger. Für die deutsch-isralischen Beziehungen sieht Thierse durch die Grass-Diskussion keine Gefahr: Es gelte, "dass unter Freunden kritische Debatte möglich ist".

Schriftstellerin Djavann: Iran hat keinen Bedarf an Atomenergie

Die iranische Schriftstellerin Chahdortt Djavann widmet sich dem Thema in einem eindringlichen Kommentar in der Zeitung "Le Monde". Sie schreibt, man müsse die Islamische Republik daran hindern, die Atombombe zu entwickeln - und verweist auf einen interessanten Nebenaspekt: Das Land habe auch keinerlei Bedarf an ziviler Kernenergie. Schließlich verfüge der Iran über riesige Wüsten, und 70 Prozent des Landes hätten elf Monate im Jahr Sonne. Zitat: "Warum hat man also nicht in die Solarenergie investiert, wenn das Ziel des Regimes wirklich darin besteht, den Iran auf Jahrzehnte in der Energieversorgung unabhängig zu machen?"

Auf Günter Grass entgegnet sie: Der Frieden in der Welt sei schon von Jimmy Carter aufs Spiel gesetzt worden: Er habe 1979 bei der Revolution im Iran auf Ayatollah Khomeini gesetzt - und der sei es gewesen, der sich über alle Regeln, alle Gesetze und alle internationalen Konventionen hinweggesetzt habe.

 

Letzte Änderung: 02.10.2013 13:50 Uhr

Beitrag hören

 
 
Dradio Audio
Kein Audio aktiv
 
 
 
 
 

Für dieses Element wird eine aktuelle Version des Flash Players benötigt.

Jetzt Im Radio

Deutschlandfunk

MP3 | Ogg

seit 21:05 Uhr Jazz Live

Deutschlandradio Kultur

MP3 | Ogg

seit 20:03 Uhr Konzert

DRadio Wissen

MP3 | Ogg

seit 00:00 Uhr DRadio Wissen

Aus unseren drei Programmen

EEG-Reformgipfel"Die Deckelung ist durch nichts gerechtfertigt"

Der baden-württembergische Energie- und Umweltminister Franz Untersteller (Grüne). (dpa-Bildfunk / Philip Schwarz)

Baden-Württembergs Umweltminister Franz Untersteller schlägt vor, den Anteil der Erneuerbaren Energien bis 2025 auf 50 Prozent anzuheben. Der Grünen-Politiker sagte im DLF, auch die geplante Deckelung der Windkraft an Land sei fragwürdig. Ebenso müsse der Netzausbau besser vorankommen. Bund und Länder wollen heute Abend über den Ausbau von Ökostrom beraten.

Debatte um Gauland-Äußerungen Sich weltoffen geben, Vorurteile pflegen

Deutsche Fußballfans zeigen vor Spielbeginn ein Plakat mit der Aufschrift "Jerome zieh neben uns ein" beim Länderspiel Deutschland - Slowakei in der WWK-Arena in Augsburg (Bayern). (picture alliance / dpa / Christian Charisius)

Einige Leute führen zwar gerne große Worte von Weltoffenheit im Munde, entpuppen sich aber voller Vorurteile, wenn beispielsweise ein Flüchtlingsheim in ihrer Nachbarschaft gebaut werden soll. Mit diesem Phänomen beschäftigt sich der Soziologe Armin Nassehi.

NahrungsmittelFrisch oder abgepackt: Was ist leckerer?

Welche Dinge des alltäglichen Küchengebrauchs darf ich auch mal aus der Dose kaufen und welche nicht? Es gibt große Unterschiede, sagt unsere DRadio-Wissen-Küchenfee Tina Kießling.

Kritik am "Milchgipfel""Die Verbraucher können gar nichts tun"

Der stellvertretende Geschäftsführer der Organisation Foodwatch, Matthias Wolfschmidt, auf einem Bild aus dem Jahr 2012. (imago / Metodi Popow)

Millionenhilfen der Politik und im Laden die teurere Milch: Die Maßnahmen und Vorschläge der Bundesregierung brächten gar nichts, sagte Matthias Wolfschmidt von der Verbraucherorganisation Foodwatch im DLF. Landwirtschaftsminister Christian Schmidt erwecke nur den Anschein, den Landwirten helfen zu wollen.

Nato und RusslandDer Westen schafft eine neue militärische Front

Die Teilnehmer des Außenminister-Treffens der NATO-Länder sitzen im NATO-Hauptquartier in Brüssel zusammen. (picture alliance / dpa / EPA)

Die Nato rücke immer dichter an die europäischen Grenzen Russlands. Dadurch breche sie Vereinbarungen mit Moskau und schaffe eine neue militärische Front wie zu Zeiten des Kalten Krieges, warnt der Hamburger Friedensforscher Reinhard Mutz.

Erster WeltkriegVor 100 Jahren begann die Schlacht am Skagerrak

Ein deutsches Großkampfschiff beim Abfeuern einer Breitseite während der legendären Schlacht von Skagerrak Mai/Juni 1916. (dpa)

Es war die schwerste Auseinandersetzung auf hoher See im Ersten Weltkrieg: Skagerrak-Schlacht – unter diesem Namen kennt man sie in Deutschland. Die Briten sprechen von der "Schlacht von Jütland". 8.500 Seeleute kamen damals ums Leben, vor allem Briten. Heute vor 100 Jahren fiel der erste Schuss. Zu den offiziellen Gedenkfeiern wird auch Bundespräsident Joachim Gauck reisen.

 

Nachrichten

 
 

Nachrichten

Costa Concordia  Berufungsgericht bestätigt Haftstrafe für Kapitän Schettino | mehr

Kulturnachrichten

Kinderbuch-Aquarell für 133.000 Euro versteigert  | mehr

Wissensnachrichten

Regel-Studienzeit  Offensichtlich kaum zu schaffen | mehr