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Thierse: "Jetzt geht es um einen möglichst guten Präsidenten"

Politiker äußern sich vor der Wahl des Staatsoberhauptes

Die drei Kandidaten für das Amt des Bundespräsidenten
Die drei Kandidaten für das Amt des Bundespräsidenten

Kurz vor der Wahl des Bundespräsidenten bekräftigen die Parteien erneut, sich jeweils für den richtigen Kandidaten entschieden zu haben.

Bundestagsvizepräsident Wolfgang Thierse (SPD) betonte im Deutschlandfunk, der von den Sozialdemokraten und Grünen aufgestellte Ex-DDR-Bürgerrechtler Joachim Gaucksei wegen seiner Biografie prädestiniert für das Amt des Bundespräsidenten. Er bedauere, dass Bundeskanzlerin Angela Merkel Niedersachsens Ministerpräsident Christian Wulff als Kandidat von CDU und FDP durchgesetzt habe, um die Koalition zu stabilisieren.

In der Tat wurde in den vergangenen Wochen immer wieder in den Medien diskutiert, inwiefern Gauck der bessere Kandidat für CDU und FDP gewesen wäre und warum Merkel ihn nicht gefragt habe.

Starke Vorbehalte gegenüber Joachim Gauck

Nicht nur die CDU wird wohl mehrheitlich für einen anderen Kandidaten stimmen. Auch die Linkspartei, die mit der Ex-Journalistin Lukrezia Jochimsen eine eigene Kandidatin aufgestellt hat, hält den früheren Chef der Stasi-Unterlagen-Chef für nicht wählbar. Eine Wahl Gaucks zum Bundespräsidenten mit den Stimmen der Linken wäre "ein Signal für die Öffnung gegenüber SPD und Grünen und für unsere eigene Nachdenklichkeit, was unsere Geschichte betrifft", sagte der Linken-Politiker André Brie zur Bundespräsidentenwahl im Deutschlandfunk.

Blick auf das Schloss Bellevue, den Amtssitz des Bundespräsidenten in Berlin (AP)Wer bezieht künftig das Schloss Belluvue? (AP)Hans-Peter Friedrich, Vorsitzender der CSU-Landesgruppe im Bundestag, zeigt sich im Deutschlandfunk zuversichtlich, dass sich Wullf im ersten Wahlgang gegen Gauck durchsetzt und zum Bundespräsidenten gewählt wird - selbst dann, wenn es einige Abtrünnige in den eigenen Reihen geben sollte.

Unterdessen wird Kritik an SPD und Grünen im Umgang mit dem eigenen Kandidaten laut: Der Gründer der Facebook-Gruppe "Wir für Joachim Gauck", Christoph Giesa, beklagt im Deutschlandradio Kultur eine mangelnde Unterstützung.Er hätte sich an "der einen oder anderen Stelle" gewünscht, dass die Parteibüros von SPD und Grünen an der Mobilisierung für den Präsidentschaftskandidaten Gauck teilnehmen, erklärte das FDP-Mitglied. Dies sei nicht passiert: "Also die Begeisterung für Joachim Gauck ist in der Bevölkerung größer als selbst bei den Parteien, die ihn aufgestellt haben. Leider."

Hamm-Brücher: Volk sollte Bundespräsidenten wählen

Der Zuspruch bei der Bevölkerung ist aber für die Wahl des Bundespräsidenten, der von der Bundesversammlung - also Vertretern von Bundestag und Bundesländern - bestimmt wird, nicht ausschlaggebend. Das sollte sich ändern, meint die ehemalige FDP-Politikerin Hildegard Hamm-Brücher. Hamm-Brücher fordert in einem Interview im Deutschlandfunk für das Amt des Bundespräsidenten "die direkte Volkswahl", wie sie auch in den Nachbarstaaten üblich sei. Auf die Wahlfrauen und -männer werde großer Druck ausgeübt - Wackelkandidaten würden sogar im Voraus aussortiert.

Dass Joachim Gauck in der letzten Zeit soviel Zuspruch erhalten hat, sei auch ein Ausdruck der großen Unzufriedenheit der Bevölkerung mit der Parteiendemokratie, sagte der Politologe Albrecht von Lucke im Deutschlandradio Kultur über den Kandidaten der Opposition für das Bundespräsidentenamt. Doch die Sehnsucht nach einem "Allesregler", der quasi über den Parteien stehe, sei hochgefährlich.


Programmtipp:

Mittwoch, den 30. Juni 2010, 14:10 Uhr
Sondersendung zur Bundesversammlung

Mittwoch, den 30. Juni 2010, 19.15 Uhr
Die Mehrheit hat entschieden - Deutschland und der neue Bundespräsident
In der Live-Sendung Zur Diskussion spricht Deutschlandfunk-Chefredakteur Stephan Detjen mit dem Verleger Jakob Augstein, dem CDU-Politiker Rainer Eppelmann, mit Wolfgang Nowak, Geschäftsführer der Alfred-Herrhausen-Gesellschaft und "taz"-Chefredakteurin Ines Pohl.

Hinweis:
Das Parlamentsfernsehen des Deutschen Bundestages überträgt die Bundespräsidentenwahl live via Live-Stream.

 

Letzte Änderung: 02.10.2013 13:37 Uhr

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