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ThyssenKrupp macht Milliardenverluste

Fehlinvestitionen und Schwierigkeiten in Übersee

Ein großes Unternehmen gerät zunehmend in die Krise (picture alliance / dpa / Federico Gambarini)
Ein großes Unternehmen gerät zunehmend in die Krise (picture alliance / dpa / Federico Gambarini)

Erst Korruptionsvorwürfe – jetzt eine miese Bilanz. Mit dem Ruf des renommierten Industriekonzerns ThyssenKrupp geht es weiter bergab. Der Verlust für das abgelaufene Geschäftsjahr summiert sich inzwischen auf fünf Milliarden Euro. Drei von sechs Vorstandsmitgliedern müssen gehen.

Milliardenschwere Fehlinvestitionen in Übersee haben neue Löcher in die Bilanz des angeschlagenen Industriekonzerns ThyssenKrupp gerissen. Wie das Unternehmen mitteilte, musste es weitere 3,6 Milliarden Euro auf die erst vor kurzem fertiggestellten Anlagen in der Brasilien und den USA abschreiben. Das führte zu einem Minus von 5 Milliarden Euro im abgelaufenen Geschäftsjahr, berichtet DLF-Wirtschaftsredakteur Andreas Kolbe. Bereits vor einem Jahr hatte der Konzern wegen hoher Wertberichtigungen einen auf die eigenen Aktionäre anfallenden Verlust von 1,8 Milliarden Euro verbucht.

Der neue Milliardenverlust führt zu einem Novum in der Geschichte von ThyssenKrupp - die Dividende fällt aus. Der Einzelabschluss weise kein ausschüttungsfähiges Ergebnis aus, erklärte das Unternehmen. Die Stahlwerke in Übersee standen zuletzt noch mit einem Wert von sieben Milliarden Euro in den Büchern. Diese Einschätzung erklärte der Konzern nun als unrealistisch.

Der halbe Vorstand wird rausgeworfen

Inzwischen läuft im Konzern die Suche nach den Schuldigen. Der Aufsichtsrat bestätigte den in der vergangenen Woche angekündigten Rauswurf des halben Vorstands. Der für gute Unternehmensführung (Compliance) zuständige Abteilungsleiter Jürgen Claassen muss zum Jahresende ebenso gehen wie Technologiechef Olaf Berlien und Stahlchef Edwin Eichler. Hintergrund sind neben den drohenden Verlusten bei den Stahlwerkprojekten in Übersee auch zahlreiche Fälle von unsauberen Geschäftspraktiken. Den Vorständen wird vorgeworfen, bei den Problemen nicht richtig durchgegriffen zu haben. In die Kritik geriet der Konzern jüngst auch durch Korruptionsvorwürfe. Dabei ging es unter anderem um illegale Preisabsprachen beim Verkauf von Schienen für die Bahn.

Vorstands-Chef Heinrich Hiesinger sprach von einem immensen finanziellen Schaden und einem Verlust von Vertrauen und Glaubwürdigkeit. Der Aufsichtsrat habe jetzt mit den Veränderungen im Vorstand ein klares Zeichen für einen Neuanfang gesetzt."Ich werde hier nichts beschönigen, denn es ist offensichtlich, dass in der Vergangenheit sehr viel schief gelaufen ist", sagte Hiesinger auf der Bilanzpressekonferenz in Essen. Es habe bisher ein Führungsverständnis gegeben, in dem Seilschaften und blinde Loyalität oft wichtiger gewesen seien als unternehmerischer Erfolg. Fehlentwicklungen seien lieber verschwiegen als korrigiert worden.

Wegen der schwachen Nachfrage nach Stahl will das Unternehmen laut Hiesinger die Kurzarbeit in Deutschland verlängern. Der Konzern hatte im August für knapp 2200 der rund 17.500 Stahlarbeiter in Deutschland Kurzarbeit eingeführt. Im europäischen Stahlgeschäft war im abgelaufenen Geschäftsjahr der operative Gewinn um fast 80 Prozent auf 247 Millionen Euro eingebrochen.

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Kommentar: Ein wachrüttelnder Auftritt - Klemens Kindermann hörte einen Paukenschlag in der deutschen Unternehmensgeschichte
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Letzte Änderung: 02.10.2013 14:02 Uhr

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