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Timoschenko beendet Hungerstreik

Ex-Regierungschefin von Haftanstalt in Klinik verlegt

Die ehemalige ukrainische Regierungschefin Julia Timoschenko (picture alliance / dpa / Sergey Dolzhenko)
Die ehemalige ukrainische Regierungschefin Julia Timoschenko (picture alliance / dpa / Sergey Dolzhenko)

Bewegung im Fall Timoschenko: Die ukrainische Oppositionsführerin beendet nach fast drei Wochen ihren Hungerstreik. Mit diesem hatte sie eine Debatte über Menschenrechte und Rechtsstaatlichkeit entfacht – und um einen Boykott der bevorstehenden Fußball-EM in der Ukraine.

Die ukrainische Ex-Regierungschefin Julia Timoschenko ist heute von einem Frauengefängnis in eine Klinik in der Großstadt Charkow verlegt worden. Dort behandeln deutsche Ärzte der Berliner Charité die chronischen Rückenverletzungen der 51-Jährigen. Jetzt werde schrittweise mit der Umstellung auf eine normale Ernährung begonnen, sagte ihr Neurologe Lutz Harms, Experte auf dem Gebiet Schlaganfallforschung.

EM-Logo im ukrainischen Charkiw (dpa / picture alliance / Igor Chekachkov)EM-Logo im ukrainischen Charkiw (dpa / picture alliance / Igor Chekachkov)In Charkow gibt es Vorrunden-Spiele der Fußball-Europameisterschaft, deren Gastgeber auch Polen ist. Die deutsche Mannschaft spielt dort am 13. Juni gegen die Niederlande. In Kiew findet das Finale am 1. Juli statt. Politiker wollen das Sportereignis boykottieren aus Protest gegen Timoschenkos Haftumstände und den Umgang von Präsident Viktor Janukowitsch mit weiteren früheren Regierungsmitgliedern.

In dem Krankenhaus soll sich Timoschenko zunächst von den Strapazen ihrer Protestaktion erholen, bevor ihr Rückenleiden behandelt wird. Den Angaben zufolge muss sie sich ihr Krankenzimmer mit einer weiteren Gefangenen teilen. Der Neurologe Harms ist ebenfalls in dem Eisenbahnerkrankenhaus untergebracht. Er wird bei der Behandlung von einem ukrainischen Team unterstützt.

Lange Behandlung erwartet

Julia Timoschenko zeigt ihre Verletzungen in einem Gefängnis in Charkow (dpa / picture alliance / Ukrpravda)Julia Timoschenko zeigt ihre Verletzungen in einem Gefängnis in Charkow (dpa / picture alliance / Ukrpravda)Timoschenko kann nach Angaben ihres Arztes derzeit nur Wasser und Saft zu sich nehmen. Zu einem späteren Zeitpunkt werde mit Nahrungsmitteln begonnen, sagte Harms. Timoschenko sei sehr geschwächt. Es müsse einige Tage abgewartet werden, bis sich ihr Zustand stabilisiere.

Die Behandlung werde mindestens acht Wochen dauern, möglicherweise sogar mehrere Monate. Er halte es zudem für "sehr unwahrscheinlich", dass Timoschenko am 21. Mai an der Fortführung eines Prozesses gegen sie wegen Steuervergehen teilnehmen könne. Die Ex-Regierungschefin verbüßt derzeit eine siebenjährige Haftstrafe wegen Machtmissbrauchs während ihrer Amtszeit als Regierungschefin.

Die Verlegung Timoschenkos in die Klinik sei ein "Fortschritt", sagte Außenminister Guido Westerwelle (FDP). Nun gehe es vorrangig darum, "dass Timoschenko eine angemessene medizinische Behandlung bekommt".

Polens Staatspräsident Bronislaw Komorowski hat an die Ukraine appelliert, das Rechtssystem des Landes zu ändern. Zu den Boykottdrohungen wäre es nicht gekommen, wenn nicht "ein anachronistisches Gesetz, das im Widerspruch zu europäischen Rechtsstandards steht, die strafrechtliche Verurteilung für politische Entscheidungen" ermöglichen würde, sagte Komorowski in Warschau. Diese Bestimmung müsse gestrichen werden.

 

Letzte Änderung: 02.10.2013 13:51 Uhr

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