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Tödliche Vergewaltigung in Indien: fünf Verdächtige angeklagt

Beschuldigten droht die Todesstrafe

Am Tag der Anklage: Demonstrantinnen fordern eine gerechte Strafe für die Täter. (picture alliance / dpa / Harish Tyagi)
Am Tag der Anklage: Demonstrantinnen fordern eine gerechte Strafe für die Täter. (picture alliance / dpa / Harish Tyagi)

In Indien sind die fünf mutmaßlichen Vergewaltiger einer 23-jährigen Medizinstudentin offiziell angeklagt worden. Sie müssen sich wegen gemeintschaftlicher Vergewaltigung und Mordes verantworten.

Ein Polizeisprecher in der Hauptstadt sagte, die Anklageschrift sei am Donnerstag bei Gericht eingegangen. Ausgedruckt ist sie rund 1000 Seiten dick. Bei einem sechsten Beschuldigten laufen noch weitere Tests, um festzustellen, ob er, wie von ihm selber angegeben, erst 17 Jahre alt ist. Dann müsste er vor ein Jugendgericht gestellt werden. Für die volljährigen Angeklagten soll das nicht-öffentliche Verfahren nach Angaben von Nachrichtensendern voraussichtlich an diesem Samstag beginnen.

Der Prozess wird vor einem kürzlich als Konsequenz aus der Vergewaltigung und dem Tod der 23-Jährigen eingerichteten Schnellgericht durchgeführt. Außer sonntags soll täglich verhandelt werden. Ein Datum für ein rechtskräftiges Urteil ist allerdings noch nicht abzusehen. Den Beschuldigten droht im schlimmsten Fall die Todesstrafe durch den Strang. Die Polizei will mehr als 30 Zeugen präsentieren. Rechtsexperten zufolge könnte das Gericht im März ein Urteil verkünden. Dagegen könnte dann Einspruch erhoben werden. Im Fall von Todesstrafen könnten Verurteilte außerdem ein Gnadengesuch an Präsident Pranab Mukherjee stellen. Die Todesstrafe wird in Indien selten vollstreckt. Zuletzt wurde im vergangenen November der letzte überlebende Angreifer der Terrorserie von Mumbai Ende 2008 gehängt. Mukherjee hatte dessen Gnadengesuch abgelehnt. Es war die erste Hinrichtung in Indien seit 2004.

"Verdächtige haben Recht auf fairen Prozess"

Der Vorsitzende Richter Altamas Kabir bemühte sich unterdessen um Ausgewogenheit. Bei aller Empörung müsse den Verdächtigen ein fairer Prozess gemacht werden, Lynchjustiz sei nicht akzeptabel, sagte er bei der Einsetzung des neuen Schnellgerichts. "Wir sollten nicht vergessen, dass eine Person als unschuldig gilt, bis das Gegenteil bewiesen ist". Wie unserer Korrespondent Kai Küstner berichtet, hat sich nach wie vor noch kein Rechtsanwalt gefunden, der angesichts der entsetzlichen Tat bereit ist, die Beschuldigten aus freien Stücken zu verteidigen. Das Gericht wird einen Pflichtverteidiger benennen müssen.

Die 23-Jährige war am Abend des 16. Dezember in einem Minibus in der Hauptstadt Neu Delhi brutal misshandelt worden, nachdem sie sich mit einem Freund einen Kinofilm angesehen hatte. Die Studentin wurde nach Polizeiangaben fast eine Stunde lang vergewaltigt, wie ihr Begleiter mit Eisenstangen geschlagen und schließlich nackt aus dem fahrenden Bus geworfen.

Erneute Proteste gegen Behandlung von Frauen

Parallel zur Anklageerhebung gingen die Proteste weiter. "Wir sind heute hier, weil wir Gerechtigkeit wollen", sagte eine junge Teilnehmerin in Neu Delhi. In Indien haben viele Frauen einen schweren Stand. Sie sind häufig Opfer von Gewalt und Unterdrückung. Man höre derzeit minütlich von neuen Vergewaltigungsfällen, die Zeitungen seien voll von Berichten, sagte unsere Korrespondentin Sandra Petersmann im Deutschlandfunk. In indischen Gerichtsschränken lägen mehr als 100.000 unerledigte Vergewaltigungsfälle und das seien nur diejenigen, die auch zur Anzeige gebracht worden seien und es vor Gericht geschafft hätten. Die Regierung kündigte inzwischen an, vier weitere Schnellgerichte zu schaffen, um dieser oft jahrelangen Verschleppung von Prozessen wegen sexueller Gewalt einen Riegel vorzuschieben.

Generell rückt die Lage von betroffenen Frauen in den öffentlichen Diskussionen zunehmend in den Vordergrund. Eine der protestierenden Neu Delhierin beteuerte: "Wir wollen hier leben, und wir wollen uns sicher fühlen." Axel Harneit-Sievers, der Leiter der Heinrich-Böll-Stiftung in Indien, sagte im Deutschlandradio Kultur: "Es hätte jede junge Frau treffen können." Das sei ein weitverbreitetes Gefühl in der städtischen indischen Gesellschaft und daher sei der Protest auch so umfangreich.


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Letzte Änderung: 02.10.2013 14:03 Uhr

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